Corona

«Ich will wissen, ob ich das Virus habe»: Patienten stehen in Basel Schlange vor Predigerkirche

Das Testzentrum in der Basler Predigerkirche ist zum Hotspot für Kränkelnde geworden. Der Ansturm ist gross, die Schlange lang. Um alle Arbeitskräfte einsetzen zu können, bietet das Unispital den Grenzgängern unter seinen Angestellten Hotelzimmer an.

Silvana Schreier, Leo Eiholzer
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Corona-Virus-Auswirkungen in Basel
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Hier gehts zum Corona-Testzentrum des Unispitals Basel.
Das Spital arbeitet zurzeit am Anschlag.
Sonne und frühlingshafte Temperaturen: In der Freien Strasse ist kaum etwas von den Auswirkungen des Corona-Virus zu spüren.
Das Chrüterhüsli in der Gerbergasse ist erfinderisch: Der Spender wird von den Passanten rege genutzt.
Lange Schlange vor der Predigerkirche: Sie alle wollen sich testen lassen.
Hamstereinkäufe in der Migros beim Claraplatz: Konservendosen, ...
... Pasta und Tomatensauce sind besonders beliebt.

Corona-Virus-Auswirkungen in Basel

Roland Schmid

Rund 60 Leute stehen auf dem Trottoir entlang der Predigerkirche, die seit vergangener Woche die Aussenstation des Universitätsspitals Basel ist. Hier werden die möglicherweise mit dem Corona-Virus infizierten Menschen getestet, anschliessend mit Atemschutzmaske nach Hause geschickt (die bz berichtete). Die Schlage vor der Kirche mutet am Montagmorgen komisch an: Versucht man üblicherweise den Abstand zur vorherigen Person möglichst klein zu halten, um zu verhindern, dass sich jemand reindrängelt, lassen die Leute nun mindestens zwei Meter Platz. Viele tragen Atemschutzmasken. Alle wollen sie sich testen lassen. Eine Frau sagt: «Mein Hausarzt hat mich hierher geschickt, da ich Symptome zeige. Und ich will auch einfach wissen, ob ich das Virus habe.» Sie warte seit vierzig Minuten, aber das müsse nun halt sein.

Nicolas Drechsler, Sprecher des Unispitals Basel, sagt: «Bis zum Mittag liessen sich über 100 Personen testen. Das ist ein neuer Rekord.» Damit die Leute beim Anstehen nicht auf die Strasse treten oder den Krankenwagen in die Quere kommen, überlegt sich das Spital nun Massnahmen: Mit Zäunen soll der Weg klarer gekennzeichnet sein, eventuell baue man auch ein Regendach für die Wartenden, so Drechsler.

Ein Fünftel des Personals sind Grenzgänger

Zugleich offeriert das Unispital allen Grenzgängern, die fürs Spital arbeiten, Hotelzimmer. Die Angestellten erhielten vorgestern ein Schreiben, das der bz vorliegt. Darin werden primär Mitarbeiter aus dem Elsass angesprochen, das Angebot gilt aber auch für Deutsche. «Das Universitätsspital hat Grund zur Annahme, dass die französischen Behörden sämtliche Grenzen zur Schweiz sehr bald strikt schliessen werden», schreibt das Spital.

Die Befürchtung: Die Franzosen könnten die Grenze auch für Gesundheitspersonal schliessen. «Sollte die beschriebene Situation tatsächlich eintreffen, müsste das Universitätsspital von einem starken Personalmangel in den nächsten Wochen, allenfalls Monaten ausgehen», so der Text. Wie Sprecher Nicolas Drechsler sagt, sind von den 5500 Personen, die in Gesundheitsberufen fürs Spital arbeiten, rund 900 Grenzgänger. 270 davon wohnen in Frankreich, 630 in Deutschland. Sollten diese ausfallen, könnte es im Spital gröbere Probleme geben. Drechsler sagt, das Hotel-Angebot werde von den Grenzgängern wahrgenommen: «Ob mehrheitlich, ist aktuell noch nicht möglich zu sagen.»

Bald kommen Studenten zum Einsatz

Weil es sich um die Sicherung der Gesundheitsversorgung des Kantons handle, unterstützt das Gesundheitsdepartement die Hotelunterbringung finanziell; dies betreffe nicht nur das Universitätsspital, sagt eine Sprecherin.

Rund 25 bis 30 Basler Hotels mit total 2000 Betten könnten laut Felix W. Hauser, Präsident des Basler Hotelier-Vereins temporär umgenutzt werden. «Wir stellen die Betten zu einem fairen Preis zur Verfügung, der weit unter den Marktpreisen liegt, aber dazu beiträgt, unsere Fixkosten zu lindern», sagt er. Mehrere Hotels wären «sofort einsatzbereit». Das Unispital plant zudem, bald freiwillige Medizinstudenten einzusetzen, insbesondere bei Abstrichen für Tests auf den Coronavirus-Erreger in der Aussenstation Predigerkirche.