Rutschmadame

Köln, Rio – und Basel?

Martina Rutschmann
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Ein Morgenstreich im klassischen Sinn wird es 2021 nicht geben. Wie werden sie aussehen, die «Die drey scheenste Dääg»? (Archivbild)

Ein Morgenstreich im klassischen Sinn wird es 2021 nicht geben. Wie werden sie aussehen, die «Die drey scheenste Dääg»? (Archivbild)

Roland Schmid

Geschminkte Jecken, die «Mer losse d’r Dom en Kölle...» kreischen? Nix da. Karnevalisten aus Köln und ganz Nordrhein-Westfalen müssen es schlucken: Umzüge und Büttenreden wurden abgesagt. Auch Rio de Janeiro ist gezwungen, das Verbot seiner Sambaumzüge zu verdauen. Die Guggenmusiker aus Laufen nicht zu vergessen – ihre Tränen sind noch frisch. Täglich wird irgendwo ein «Fasching» abgesagt, bloss die einzig wahre Fasnacht, das achte Weltwunder, soll auf coronafreundliche Art stattfinden, weil sonst nämlich die ganze Region in eine Depression verfallen würde.

Aber hätten wir Basler nicht schon jetzt Grund, uns zu verkriechen? Das rotblaue Wunder, das wir uns tätowiert und nach dem wir unsere Söhne benannt haben, lässt uns nur noch frösteln. Und diese Bettler! Haben die Frechheit, unsere Innenstadt mit ihrer blossen Anwesenheit in eine lebensgefährliche Kulisse zu verwandeln. Von den militanten Emanzen, die für Rechte, die ihnen nicht zustehen, das ÖV-Netz blockieren, nicht zu reden. Und das in einer Stadt, in der Autos bald verboten sind!

Schnitzelbänkler reiben sich die Hände ob der Peinlich- und Unannehmlichkeiten, die ihre Heimat zu bieten hat. Cliquen schneidern Bettlerkostüme und kaschieren illegal Baschi-Dürr-Larven. Bei diesem Herzblut wäre eine Absage der Fasnacht unverantwortlich. Zumal uns die Unesco dazu verpflichtet hat, das Kulturerbe weiterzuentwickeln.

Doch was tun, wenn der Zeitgeist sagt: Nix da, Corona! Hier kommt das Comité ins Spiel. Basisdemokratisch, wie dieses nun mal ist, trommelte es seine Schäfchen in die grosse Ideenschlacht. Von den 20'000 Aktiven haben sich ganze 200 gemeldet. Nun überlegt das Comité, wie sich eine coronataugliche Fasnacht stricken liesse. Wie schön es wäre, die Ideenschnitzeljagd als Sujet bestaunen zu können. Wie lustig der Gedanke daran, die Nichtabsage des Gallierdorfes Basel in Schnitzelbänken verwoben hören zu können.

Köln, Rio und Laufen zeigen: Daraus wird wohl nix, Ideen hin oder her. Aber seid nicht traurig: Die Basler Depression wird 2022 zum Top-Sujet, das Märschli «Sforzalino» der neue Hit. Viel mehr wird bis dahin eh nicht übrig bleiben vom leidgeplagten Stedtli.