Kommentar
Rückzug aus dem Verwaltungsrat der Credit Suisse: Severin Schwans Irrtum

Roche-Chef Severin Schwan zieht sich aus dem Verwaltungsrat der skandalgebeutelten Credit Suisse zurück. Er hätte das Mandat besser gar nie übernommen.

Andreas Möckli
Andreas Möckli
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Der 54-Jährige geriet in den Strudel der zahlreichen Skandale der Grossbank Credit Suisse.

Der 54-Jährige geriet in den Strudel der zahlreichen Skandale der Grossbank Credit Suisse.

Georgios Kefalas/Keystone

Roche-Chef Severin Schwan leitet einen Konzern mit rund 100 000 Mitarbeitenden und knapp 63 Milliarden Franken Umsatz. Bereits 2014 stellte sich angesichts der Fülle seiner Aufgaben die Frage, weshalb er sich bei der Credit Suisse mit seinem Verwaltungsratsmandat zusätzliche Verantwortung aufhalsen solle.

Natürlich lässt sich argumentieren, dass der Einblick in ein anderes Grossunternehmen einer fremden Branche wertvolle Erkenntnisse für die tägliche Arbeit als Konzernchef bringen kann. Doch das funktioniert eben nur, wenn sich beide Firmen in ruhigen Gewässern bewegen. Selbst wenn – wie in Schwans Fall – nur beim Nebenmandat ein Sturm aufkommt, wird es plötzlich knifflig. Erst recht, wenn man sich wie der 54-Jährige auch noch zum Vizepräsidenten der CS befördern liess.

Bei der Grossbank türmen sich gleich mehrere Skandale. Diese haben nicht nur auf den Präsidenten, sondern auf das ganze Gremium abgefärbt. Bereits seit Anfang Jahr zeichnete sich der Widerstand gegen die Wiederwahl Schwans in den CS-Verwaltungsrat ab. Nun hat er die Konsequenzen gezogen – und tritt zurück.

Roche sollte generell über die Bücher. Mit Claudia Böckstiegel sitzt eine andere Spitzenmanagerin von Roche im Verwaltungsrat der UBS. Die Bank ist derzeit von Skandalen verschont. Doch gerade in der Finanzbranche kann sich das Blatt noch rascher wenden als anderswo – das hat die Vergangenheit nur allzu oft bewiesen.