MCH Group
Die grossen Pläne des Andrea Zappia: Der Messekonzern soll wachsen

MCH-Präsident Andrea Zappia stellt sich erstmals vor. Er will frisches Geld vom Kanton und verspricht Profit und Wachstum. Vorläufig schreibt der Messekonzern aber weiter rote Zahlen.

Christian Mensch
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Andrea Zappia, Verwaltungsratspräsident der MCH Group, präsentiert sich erstmals in Basel.

Andrea Zappia, Verwaltungsratspräsident der MCH Group, präsentiert sich erstmals in Basel.

Kenneth Nars / BLZ

Er hat sich Zeit gelassen. Seit vergangenem April präsidiert Andrea Zappia den Verwaltungsrat der MCH Group. Nun hat er sich erstmals präsentiert.

Leider spreche er kein Deutsch, sagt der Italiener, der seit Jahren als Manager für den britischen Bezahlsender Sky arbeitet. Doch seine Botschaft ist auch auf Englisch verständlich: Der Messekonzern soll nicht nur wieder profitabel werden, sondern vor allem wachsen. Das eine gehört für ihn zum anderen. Die Voraussetzungen seien gut. Die Zeit der Pandemie sei genutzt worden, um die Expansion voranzutreiben.

Die Botschaft ist nicht neu, mit dem neuen Botschafter hat sie jedoch an Glaubwürdigkeit gewonnen. Zappia, den goldenen Federhalter vor sich wie das Tablet, verzichtet auf Marketingfloskeln. Er sehe die Schwierigkeiten im Messegeschäft, aber ebenso die Möglichkeiten. Pragmatisch und ambitioniert wolle er vorgehen.

Zappias Dreiklang: «Basel», «brands» und «people»

Nachdem er die Stichworte auf seiner handgeschriebenen Vorlage mit dem Füller nochmals umkreist hat, sagt er, was ihm wichtig ist: «Basel», «brands» und «people». Wenn die Firma ein Baum sei, dann stehe dieser tief verwurzelt in Basel. Daran soll sich nichts ändern. Die Äste sollen in dieser Metaphorik jedoch weit ragen. Je besser dieser Baum wachse, desto stärker werde auch Basel, ist seine Behauptung.

Die «brands» (Marken) sind für ihn die Treiber. Und da allen voran: die Art Basel. Paris+, der neueste Ableger der Art in der französischen Metropole ist ein Zuwachs, wie er ihn sich vorstellt.

Entscheidend seien aber die Menschen («people»). Er redet von «frischem Blut», das ins Unternehmen komme, von «sehr kreativen», «sehr hungrigen» Mitarbeitern, die er etwa beim MCH-Ableger in Dubai gesehen habe.

Basel-Stadt und Murdoch sollen eine Kapitalerhöhung stemmen

Der Aufschwung steht jedoch nicht schon vor der Tür. Im vergangenen Jahr schrieb die MCH einen Verlust von 17 Millionen Franken, der ohne Sondererlöse wie einem Liegenschaftsverkauf, der Leistung der Ausfallsversicherung und Corona-Hilfsgelder noch massiv höher ausgefallen wäre. Und im laufenden Jahr wird der Verlust prognostiziert und ohne Sonderfaktoren ähnlich hoch ausfallen, meint der Finanzchef Michael Hüsler.

Die Liquidität ist zwar gesichert, doch 2023 muss eine Anleihe von 100 Millionen Franken zurückbezahlt werden. Basel-Stadt und James Murdoch, die beiden Ankeraktionäre, hätten sich im Projekt «Backstop» verpflichtet, die Hälfte davon im Rahmen einer weiteren Kapitalerhöhung einzubringen, sagt Hüsler. Wenn darüber hinaus weitere Aktionäre mitziehen würden oder zu günstigen Konditionen Fremdgeld aufgenommen werden könne, dann sei dies willkommen, da umso mehr in die Zukunft investiert werden könne.

Die Immobilien kosten Millionen

Mit der alten Messe Schweiz hat wenig mehr zu tun, was Zappia repräsentiert. Erstmals publizierte Zahlen zeigen, dass die Gruppe in Nord- und Südamerika schon heute schon mehr Umsatz erzielt als in ganz Europa. Im Pandemiejahr 2021 kam bloss noch knapp jeder dritte Umsatzfranken aus der Schweiz.

Eine Aufteilung nach Geschäftsbereichen zeigt zudem, dass vor allem die mangelnde Vermietung der Hallen, Sälen und Parkhäuser ein gewaltiger Verlustbringer ist. Der als «Venues» bezeichnete Bereich wies 2021 auf Stufe EBIT (vor Steuern) einen Verlust von knapp 16 Millionen Franken aus. Damit ist er doppelt so verlustreich wie das eigentliche Messegeschäft, das während acht Monaten gänzlich brachlag.

Zappia hat MCH-Aktien gekauft

Die Dringlichkeit, die Infrastruktur besser auszulasten, ist damit ausgewiesen. Dies soll in enger Absprache mit den Städten Basel und Zürich geschehen, sagt Konzernchef Beat Zwahlen. Gesucht seien nicht einfach neue Messen, sondern «Events» verschiedenster Ausprägungen oder auch «Pop-ups». Als solche kann ebenso die Kartbahn in der Basler Halle 1 wie das temporäre BVB-Depot in Halle 3 gelten.

Zappia will aber an den Erfolg glauben. Er sei nicht nur ein positiver Mensch, sondern auch wirklich optimistisch. Unter Beweis hat er es gestellt, indem er persönlich 38409 Aktien der MCH Group erworben hat.

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