«Naturpark Baselbiet»
Nicht nur die Bauern haben Vorbehalte: Neues Naturpark-Projekt ist längst nicht über den Berg

Beim Revival des Juraparks Baselland will man eigentlich aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Doch sogar Naturschutzverbände wollen das Projekt nicht um jeden Preis unterstützen.

Michael Nittnaus 2 Kommentare
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Der genaue Perimeter des Naturpark Baselbiet ist noch nicht festgelegt, soll wenn möglich aber das ganze Oberbaselbiet umfassen – hier beim Berghaus Oberbelchen ob Eptingen.

Der genaue Perimeter des Naturpark Baselbiet ist noch nicht festgelegt, soll wenn möglich aber das ganze Oberbaselbiet umfassen – hier beim Berghaus Oberbelchen ob Eptingen.

Nicole Nars-Zimmer

So überzeugend und souverän der Auftritt von Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer am Montag auch wirkte: Das vor 13 Jahren gescheiterte Projekt des Juraparks Baselland wiederzubeleben und als «Naturpark Baselbiet» doch noch zum Erfolg zu verhelfen, wird für den Verein Erlebnisraum Tafeljura kein Selbstläufer.

Erste Reaktionen deuten darauf hin, dass sich an der Stimmungslage seit 2009 nicht viel geändert hat. «Natürlich kann man nach so langer Zeit seine Meinung ändern, aber beim Thema Naturpark bleibe ich dabei: Ich sehe keinen Nutzen für die Landwirtschaft», sagt Hansruedi Wirz. Der Obstbauer und ehemalige SVP-Landrat aus Reigoldswil war einer der vehementesten Gegner des Juraparks. Den aktiven Kampf gegen das neue Projekt wolle der 64-Jährige dieses Mal zwar Jüngeren überlassen, doch etwas hält er fest:

Obstbauer Hansruedi Wirz.

Obstbauer Hansruedi Wirz.

Bild: Nicole Nars-Zimmer
«Ich habe mich über 30 Jahre für die Vermarktung von Steinobst eingesetzt und weiss etwas ganz genau: Mit einem zusätzlichen Label verkauft man kein Kilo Kirschen mehr.»

Bauernverband macht definitiv nicht mit

Diese Haltung teilt der Bauernverband beider Basel. Laut Präsident Marc Brodbeck habe man das Thema intern diskutiert. Das Fazit: «Wir machen beim Naturpark Baselbiet nicht mit.» Sauer aufgestossen ist Brodbeck vor allem, wie ein erstes Gespräch mit dem Verein Erlebnisraum Tafeljura vergangenen November verlief: «Man signalisierte uns bei der Verabschiedung, dass der Naturpark nicht auf die Bauern, sondern vor allem auf den Zustupf der Gemeinden angewiesen sei.»

Dass Brenzikofer am Montag sagte, der Naturpark bedeute keine zusätzlichen Auflagen und Verbote, beruhigt Brodbeck nicht. Und auch Wirz sagt: «Auf einmal heisst es dann doch, dass ich meine Kirschbäume nicht mit Netzen oder Witterungsfolie abdecken darf, weil das Touristen in einem Naturpark stören könnte.»

Auch Naturverbände haben klare Erwartungen

Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Pro Natura und der WWF. Sie beide betonen, dass sie das Projekt sehr unterstützen. «Die benachbarten Naturpark Thal und Jurapark Aargau haben sich etabliert. Es braucht nun das Bindeglied im Oberbaselbiet», sagt Jost Müller vom WWF Basel. Er fügt aber an: «Wenn Naturpark draufsteht, muss ein Fokus auf der Natur liegen und nicht auf dem Fördern der Wirtschaft.» Müller betont, dass ein Naturpark keine offiziellen Unterschutzstellungen von Gebieten ersetzen könne. Bei Thomas Zumbrunn von Pro Natura klingt es ähnlich:

«Das Naturpark-Label darf nicht bloss ein Feigenblatt sein. Sonst würden wir es nicht weiter unterstützen.»

Pro Natura Schweiz hätte belegt, dass gewisse bestehende Parks zu wenig für die Natur machen.

Diegten noch unentschlossen

Dass sich in 13 Jahren doch etwas ändern kann, beweist Ruedi Ritter. Der heutige Diegter Gemeindepräsident war damals als Gemeinderat ein Gegner des Juraparks. Heute möchte er sich noch nicht festlegen, sondern erst die Diskussion im Gemeinderat abwarten. Ritter sagt aber: «Das Projekt ist nun viel breiter abgestützt und soll das ganze Oberbaselbiet abdecken statt nur eines dünnen Gürtels einzelner Gemeinden.»

Der Vorteil: Das Nein einzelner Gemeinden wie Diegten und Eptingen könnte dieses Mal wohl nicht mehr das ganze Projekt zu Fall bringen, da die Parkfläche nicht durchschnitten würde.

2 Kommentare
Dieter Widmer

Kostet viel Geld, dass der Steuerzahler bezahlen soll, gibt irgendwelchen sog. Experten viel Arbeit und viel Geld und bringt niemandem etwas! Solche Leerläufe brauchen wir nicht im BL!

GERHARD G. SPRINGER

1. Im Alpthal im Mythengebiet im Kanton Schwyz führten wir in der Gemeinde vor etlichen Jahren die gleiche Diskussion, übrigens mit einstimmiger Ablehnung an der Gemeindeversammlung. Ein selbsternanntes, bislang ohne Auftrag tätiges sog. Kernteam sicherte dem Volk zu, durch einen solchen Naturpark gäbe es keine neuen Gesetze und Vorschriften. Aber: Solche Gesetze bestanden zwar bereits, jedoch in anderen Gegenden, zum Beispiel in der Biosphäre Entlebuch. Für einen Naturpark Mythen, für diese Gegend würden solche Vorschriften NEU gelten. Die Zusicherung 'keine neuen Gesetze' war also reine Augenwischerei, wenn nicht gar Lüge. 2. Solche Naturparkpläne, in bewohnten und bewirtschafteten Gebieten notabene, beinhalten im Kern doch den Vorwurf, die ansässigen, von Berufs wegen zuständigen und eigenverantwortlichen Naturbewirtschafter und Naturschützer, die Landwirte nämlich, 'würden sich nicht genügend für die Natur und die Umwelt einsetzen und bräuchten darum gescheite Ratschläge und gnädige Hilfe von aussen'. 3. Und zuletzt noch dies: Durch solche Naturpärke und ähnliche halboffizielle Gebilde und Organisationen (auch NGOs) werden 'ausserparlamentarische' Parallelorganisationen geschaffen. Diese reissen Gesetzgebungsbefugnisse an sich und hebeln dadurch die gewählten demokratischen Strukturen und die Volksrechte (Gemeinderat, auch Gemeindeversammlung, Urnenabstimmungen) aus. Gerhard G. Springer, von Basel, früher in Arboldswil, jetzt im Alpthal