Neu und Alt gut gelaunt vereint im Stadtcasino

Das Neue Orchester Basel eröffnet seine Saison mit Beethovens Neunter. Und mit einem modernen Kontrapunkt von Daniel Schnyder.

Reinmar Wagner
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Beethoven (Symbolbild)

Beethoven (Symbolbild)

bz

Es gibt in der Klassik Werke, die ihre Wirkung nie ­verfehlen. Das Finale von Beethovens Neunter Sinfonie mit der Vertonung von Schillers «Ode an die Freude» ist ein solches Beispiel. Entsprechend riss es auch am Mittwoch das Publikum im Basler Stadtcasino von den Sitzen. Und das überaus verdient, denn Christian Knüsel hatte mit seinem Neuen Orchester Basel (NOB) nichts verschenkt, was dieses epische Stück an musikalischem und ideellem Gehalt zu bieten hat.

Getoppt allerdings wurden die engagierten Musiker noch von den Sängern: «Seid umschlungen Millionen», «Alle Menschen werden Brüder», «Und der Cherub steht vor Gott». Schillers wortmächtige Sätze in der bei jeden neuen ­Hören doch immer wieder sehr eigenwilligen Vertonung Beethovens, waren hervorragend aufgehoben bei den Stimmen der Zürcher Sing-Akademie, dem momentan wohl besten Chor des Landes: ein wundervoller Chorklang, kraftvoll und schwerelos zugleich, ausgewogen homogen, ungetrübt klar und mühelos getragen bis in die höchsten Sopran-Höhen. Und auch im Solisten­quartett, in dem Agneta Eichenholz, Marie-Claude Chappuis, Mauro Peter und Dietrich Henschel mit viel sprechendem ­Ausdruck die Rezitative und ­Ensembles sangen, paarte sich sängerische Kompetenz mit stimmlicher Potenz.

Eleganz statt dramatische Schärfen und Akzente

Christian Knüsel, seit 2012 Leiter des NOB, führt ohne Partitur und ohne Dirigierstab durch dieses Œuvre. Sein Fokus liegt mehr auf dem sprechenden Ausgestalten der Melodiebögen als auf rhythmischer Prägnanz und Präzision. Mehr auf der Eleganz des Klangbilds als auf hochgepeitschten Schärfen und dramatischen Akzenten.

Man spielt klassische Werke auch im NOB unterdessen auf historischen Trompeten und Posaunen, das gibt dem Klangbild eine warme Geschmeidigkeit und Transparenz. Und auch sonst zeugen dosiertes Vibrato in den Streichern und ein durchsichtiges Klangbild in den Holzbläsern davon, dass man die Trends der Zeit nicht verschlafen hat. Zusammen mit der ­Ouvertüre zu Mozarts «Zauberflöte», die Christian Knüsel ebenfalls auf das Programm des ersten NOB-Abokonzerts der Saison setzte, war diese Beethoven-­Sinfonie 1876 zur Eröffnung des damals neuen Stadtcasino-Saals erklungen.

Eine Referenz an den renovierten Konzertsaal findet sich auch beim Auftragswerk, das der Schweizer Jazz-Musiker Daniel Schnyder zu ­diesem Anlass geschrieben hat: «Architectonics of Joy». Der beziehungsreich sprechende Titel ist typisch für Schnyders Werke: munter, gut gelaunt und mit – scheinbar – leichter Hand hingeworfen.

Neue Musik ohne intellektuelles Brimborium, mit ­jazzig angehauchten Rhythmen, mit zentralen Auf­gaben für die Schlagwerker und für die Bassposaune. Eine Musik, kurz, spritzig und durchtränkt von ­Zitaten aus Beethovens «Ode an die Freude»­-Musik, noch mehr aber von sehr viel guter Laune.

www.neuesorchesterbasel.ch