Persönlich
Rote Karte für Voletschwiil

Mundart ist Trumpf. Da könnte man doch glatt auch alle Ortsnamen auch offiziell umbenamsen. Doch das gibt Probleme. Weiss man nicht nur in Volketswil, dass dann Voletschwiil hiesse, sondern auch in Spöiz, Schäärz und Schwatterle.

Benjamin Wieland
Benjamin Wieland
Drucken
Die Fussball-Videoschiedsrichter sitzen in Volketswil, im Dialekt: Voletschwiil. (Symbolbild)

Die Fussball-Videoschiedsrichter sitzen in Volketswil, im Dialekt: Voletschwiil. (Symbolbild)

Urs Lindt / freshfocus

Zwei Burschen in der S-Bahn. «Du kommst sicher aus dem Säuliamt», sagt der eine zum anderen. «Ich sehe das an deinen Augen: Du hast so Säuschlitz.» Säuliamt. Das Wort ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ein Ortsname, der nicht ins Standarddeutsche übersetzt wurde. Wohl, weil «Sauamt» wenig schmeichelhaft klingt. «Schweineamt» auch nicht. Aber Säuli sind herzig.

Wir sollten generell Orte so benennen, wie es die Eingeborenen tun. Basu wäre ausgemerzt. Im Gegenzug dürfte Olten offiziell Oute sein, Luzern Lozärn, Zürich Züri, und Hochwald trüge den Namen, den es verdient: Hobel. Handfeste Probleme wären gelöst. Heerscharen von Schulkindern im Kanton Baselland haben sich gefragt, wo dieses Ammel liegt, das sie im Baselbieterlied besingen («Vo Schönebuech bis Ammel»). Da lacht man sich ins Fäustchen – in Anwil. Zwei der vielen Beinwil bräuchten ihre Zusätze nicht mehr: Eines wäre Böiu (jenes am See), eines Böiel (jenes im Freiamt).

Doch es gibt auch Stolpersteine. Warum Horw nicht so ausgesprochen wird, weiss man nur in Horb. Schäärz für Scherz tönt wie ein Witz. Ob die Erlinsbacher im Aargau tatsächlich in Spöiz leben wollen, ist zu bezweifeln. Bei Schwatterle für Schwaderloch sei die Frage erlaubt, ob man nicht gleich einen komplett neuen Namen sucht?

Definitiv heikel wird es im Fall von Volketswil, wo die Fussball-Videoschiedsrichter sitzen. Im Dialekt heisst das Dorf Voletschwiil. Fussballfans akzeptieren ja viel. Aber das nicht.