Region
Ein historischer Atlas über den Oberrhein

Mittels 57 kommentierten Karten wird die Geschichte der trinationalen Region dargestellt.

Peter Schenk
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Die Geschichte des Dreilands ist nun auch in Form eines Atlas erhältlich.

Die Geschichte des Dreilands ist nun auch in Form eines Atlas erhältlich.

Gaetan Bally/KEYSTONE

Es ist ein Novum und eine Fleissarbeit. 34 Historiker, Geografen, Archäologen und weitere Wissenschaftler haben einen zweisprachigen historischen ­Atlas über die Geschichte der grenzübergreifenden Oberrheinregion publiziert. Der Raum zwischen der Nordwestschweiz, dem Elsass, Baden und der Südpfalz wird auf 57 kommentierten Karten dargestellt. Ausserdem liegt eine Zeittafel für die Region vor.

Die Karten widmen sich so unterschiedlichen Themen wie dem Sprachraum, den Grab­hügeln, den frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen oder der römischen Militärpräsenz. Diejenige über die wichtigsten Machtträger um 1250 verdeutlicht, dass der südliche Oberrhein zu dieser Zeit ein Flickenteppich von Territorien war, die sich im Besitz grosser Familien befanden. Unter den Fürsten ­besitzen der Bischof von Strassburg und die Habsburger die grössten Gebiete. Eine andere Karte stellt die Städtebünde im Mittelalter dar.

Bettelorden, Kriege und grenzübergreifende Kooperationen

Ein Thema sind die Bettel­orden und die wichtigsten Rheinübergänge, die Bergwerke und der Bauernkrieg von 1525, die Erfindung der Grenzen und die Befestigungen im 17. und 18. Jahrhundert. Ferner geht es um die elsässische Textilindustrie um 1840, die Präsenz der Deutschen im Jahr 1895 und 1910, als das Elsass zum Deutschen Reich gehörte, oder das ­Elsass im Stellungskrieg von 1914 bis 1918.

AndereKarten thematisieren die Herkunft der Studenten an der Strassburger Universität während der Nazizeit, zeigen die Ergebnisse der Europawahlenim Elsass von 1979 und 2014 oder die Ansiedlungen ausländischer Industrien im Elsass von 1982 bis 2002. Weiter geht es um die Entmilitarisierung der beiden Rheinufer am Ende des Zweiten Weltkriegs, das Eisenbahnnetz zwischen 1840 und 1918, aber auch im 21. Jahrhundert, sowie die grenzübergreifende Kooperation und den Trinationalen Eurodistrict Basel oder den oberrheinischen Museumspass Museums-Pass-Musées.

Stark durch Frankreich beeinflusst

Dass sich manche Karten auf das Elsass konzentrieren, mag daran liegen, dass die Idee für den Atlas von dort kam und die Autoren vor allem aus Frankreich stammen. Ausserdem ­hatten sich die französischen Wissenschaftler nach 1918, als das Elsass nach fast 50 Jahren Zugehörigkeit zum Deutschen Reich wieder französisch wurde, zuerst vor allem der französischen Rheinseite gewidmet.

Wer sich für die Geschichte der Region interessiert, findet in dem Atlas eine Fülle von Informationen. Dass er noch nicht perfekt ist, war auch den Autoren bewusst, heisst es doch im Untertitel: Versuch einer grenzüberschreitenden Geschichte, als erster Versuch ist er gelungen.

Der Oberrhein: Ein historischer Atlas, Historique du Rhin Supérieur. 2019, Presses Universitaires de Strasbourg, 295 Seiten, 29 Euro, ISBN 979-10-344-0042-3

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