Persönlich

RUF! MICH! NICHT! AN!

Lea Meister
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Es gibt Menschen, die das Klingeln des Telefons am liebsten ignorieren würden. (Symbolbild)

Es gibt Menschen, die das Klingeln des Telefons am liebsten ignorieren würden. (Symbolbild)

Keystone

Mein Handy surrt. Es surrt immer noch. Ich schaue auf mein Display. Ein Anruf in Abwesenheit von einer unbekannten Nummer. Sofort gebe ich sie bei Google ein, um herauszufinden, wer mich angerufen hat. Ein Callcenter. Gott sei Dank, bin ich nicht rangegangen. Ich blockiere die Nummer und lege mein Handy weg.

Nach Feierabend surrt mein digitaler Hosentaschenbegleiter wieder. Aber nur einmal. Eine Nachricht von meinem besten Freund. Sie ist lang, sehr lang. Ich setze mich ins Tram und beginne zu lesen. «Ui, wollen Sie nicht lieber telefonieren?», fragt mich eine ältere Frau neben mir im Tram, nachdem sie beiläufig die Länge meiner Textnachricht registriert hat.

Nein, ich will nicht telefonieren. Ich mag nicht telefonieren, bitte ruft mich nicht an. Das ist jetzt etwas heftig – aber ich bin wirklich nicht für Telefonate gemacht. Der Grund? Ich möchte selbst entscheiden können, wie viel Zeit ich für etwas aufwende. Beim Telefonieren habe ich die Kontrolle nur zu fünfzig Prozent in der Hand, das reicht mir nicht. Hart? Ja. Konsequent? Ja.

Klar, es gibt sie, die Ausnahmen, aber sie sind selten. Deshalb gilt ganz grundsätzlich: Schreibt mir Romane, ich verspreche, ich lese sie. Minutenlange Sprachnachrichten? Not my favourite, aber ich hör’ sie mir an und mache dann Notizen, um den Faden nicht zu verlieren (ja, ich werde alt). Ruft mich einfach nicht an. Ausser in Notfällen, natürlich. Danke.