Hilfe in der Coronakrise

Schiessen bald überall Heizpilze aus dem Baselbieter Boden?

Der Landrat will der Gastro- und Eventbranche helfen, indem sie bis kommenden Frühling draussen heizen darf. Hochumstritten ist bloss, ob auch wieder gasbetriebene Heizstrahler zugelassen werden, die als Klimakiller gelten.

Michael Nittnaus
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Schön warm, aber klimaschädlich: Gas-Heizpilze. (Symbolbild)

Schön warm, aber klimaschädlich: Gas-Heizpilze. (Symbolbild)

Pius Amrein

Was vor der Coronakrise noch unvorstellbar gewesen wäre, wird plötzlich wieder salonfähig: Heizstrahler vor Beizen, Restaurants oder an Freiluftevents. Was der Basler Wirteverband für die Stadt schon vor einer Woche forderte, beschäftigte gestern auch den Landrat.

FDP-Landrat Balz Stückelberger reichte ein dringliches Postulat ein, in dem er die Regierung auffordert, eine generelle Ausnahmebewilligung für Heizungen im Freien zu erteilen. Dies beschränkt vom 17. September bis zum 30. April 2021. «Die Gastro-, Hotel- und Eventbranchen sind von der Corona-Pandemie besonders schwer betroffen», schreibt Stückelberger. Mit dem Einzug des Herbstes drohten nun erneut schwere Einbussen, weil die Bevölkerung zögere, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten.

Gasbetriebene Heizpilze sind aktuell verboten

Stückelbergers Vorstoss wurde vom Rat nicht nur als dringlich erachtet, sondern mit 65 zu 22 Stimmen bei einer Enthaltung auch an die Regierung überwiesen. Das erstaunt insofern, als das Postulat keinerlei Einschränkungen vorsieht, welche Typen von Heizungen erlaubt sein sollen.

In der vergangene Woche in Basel-Stadt angestossenen Debatte wünscht sich der Wirteverband zwar auch völlige Freiheit, doch Politiker von links bis rechts schlossen bereits aus, dass etwa gasbetriebene Heizpilze erlaubt würden, die in beiden Basel schon seit Jahren verboten sind.

Pellet-Heizstrahler als goldener Kompromiss?

«Ich möchte eine Pauschalbewilligung», hält Stückelberger gegenüber der bz fest. Selbstverständlich solle empfohlen werden, möglichst CO2-arme Geräte zu verwenden. Das liege aber in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Unternehmers.

«Wir reden hier von einer pragmatischen Ausnahme in einer Notsituation.» Der Arlesheimer Freisinnige machte an der Debatte klar, dass er sein Postulat als Handlungsauftrag sieht: «Nicht nur prüfen und berichten, sondern machen», hielt er fest.

Das sieht Umweltdirektor Isaac Reber freilich anders: «Wir schätzen die Intention, müssen das Thema aber gründlich prüfen. Wenn sich ein Beizer einen Heizpilz anschafft, hat er ihn meist für die nächsten 15 Jahre», sagte er im Plenum und stellte für die erste Sitzung nach den Herbstferien Ende Oktober einen Bericht in Aussicht. «Ich bin zufrieden, dass mein Vorstoss überwiesen wurde – aber auch sehr konsterniert», so Stückelberger zur bz, denn «kein Wirt wird verstehen, wieso es dafür nun einen Bericht braucht.»

Der Vorstoss wurde auch von einigen Räten aus dem rot-grünen Lager unterstützt

Dies allerdings mit einer klaren Bedingung: «Das ist kein Freipass für Heizpilze. Wir dürfen die Klimaziele nicht über Bord werfen», sagte Stephan Ackermann von den Grünen.

«Wolldecken, Fackeln, Feuerschalen sind besser – und romantischer», fügte Rahel Bänziger (Grüne) an. Einen Kompromissvorschlag machte Christof Hiltmann (FDP): «Die Regierung kann die Erlaubnis auf Pellet-Heizstrahler beschränken.» Dies könnte sogar ohne Ausnahmebewilligung möglich sein, da das Baselbieter Energiegesetz bereits Heizungen im Freien mit erneuerbarer Energie erlaubt. Das Problem: Diese sind deutlich teurer.