Chemiekatastrophe
Schweizerhalle-Brandplatz wird nicht nochmal saniert

25 Jahre nach der Chemiekatastrophe von Schweizerhalle ist der Brandort nach wie vor mit Schadstoffen belastet. Eine weitere Sanierung ist laut Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion nicht nötig. Der Areal soll jedoch weiterhin überwacht werden.

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Chemiekatastrophe von Schweizerhalle:

Chemiekatastrophe von Schweizerhalle:

Silvio Mettler/Keystone

Laut der Mitteilung hat das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) Baselland den Brandort nach geltendem Altlastenrecht neu beurteilt. Auf dem Areal des früheren Chemiekonzerns Sandoz war am 1. November 1986 eine Lagerhalle mit Pflanzenschutzmitteln ausgebrannt, wobei Rhein, Boden und Grundwasser kontaminiert wurden.

Katastrophe für Mensch und Natur

Am 1. November 1986 erhellten um 0.19 Uhr Flammen den Himmel über der Lagerhalle 956 des Sandoz-Areals in Schweizerhalle. Sirenen rissen die Bevölkerung aus dem Schlaf. Eine stinkende Wolke breitete sich über Basel und der Region aus. Der Brand hatte über tausend Tonnen Chemikalien erfasst. Chemikalien gelangten mit dem Löschwasser in den Rhein, der sich blutrot färbte, und verursachten ein Aal- und Fischsterben weit rheinabwärts bis in den Norden. Über 1200 Menschen meldeten sich bei Ärzten, etwa wegen gereizter Atemwege und Augen oder Übelkeit. Strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen wurden später lediglich zwei Feuerwehrleute, die Löschwasser in den Rhein geleitet hatten. Der Firmenleitung war indes keine Verantwortung nachzuweisen. Sandoz - später mit Ciba zur Novartis fusioniert - leistete jedoch Schadenersatzzahlungen in der Schweiz, in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden von total 43 Millionen Franken und stiftete 10 Millionen für einen einen Rheinfonds für Öko-Forschung. (sda/az)

Das AUE stuft den Brandort nun als «belasteten Standort mit Überwachungsbedarf» ein. Weitere Sanierungsarbeiten seien somit nach Gesetz nicht mehr nötig. Den Chemiekonzern Clariant, heute Eigentümer des Areals, hat die Behörde aufgefordert, bis Ende Februar 2012 ein angepasstes Überwachungskonzept vorzulegen.

Nach drei Jahren will dann das AUE über eine Fortführung oder Einstellung der Überwachung entscheiden. Bei Vorliegen neuer Erkenntnisse sei zudem eine Neubeurteilung möglich. Die nach der Katastrophe angeordneten Sanierungsmassnahmen seien im übrigen umgesetzt und über viele Jahre überwacht worden.

Boden noch belastet

Seinen Befund begründet das Amt etwa damit, dass die nahegelegenen Trinkwasserfassungen von Muttenz BL und der Hardwasser AG, die unter anderem die Stadt Basel versorgt, nicht gefährdet seien. Im Grundwasser finde man zwar am Brandort das Pflanzenschutzmittel Oxadixyl, indes in Konzentrationen um den Faktor 500 unter dem Sanierungswert gemäss Altlastenverordnung.

Der Boden dagegen sei noch «mit wenigen hundert Kilogramm» Oxadixyl belastet, die erst in einigen Jahrzehnten ganz abgebaut sein würden. Eine Gefährdung bestehe aber nicht, da auf dem Areal auch künftig industriell gearbeitet werde.

Basler Chemie begrüsst Befund

Die Chemie- und Pharmakonzerne Clariant, Syngenta und Novartis begrüssten die Verfügung, die sich auf mehrere Gutachten von Experten stütze. Die zuständigen Unternehmen wollten zudem geeignete Massnahmen prüfen, welche «die nachfolgenden Generationen von der Verantwortung für den Unfallstandort befreien», hiess es in einer Mitteilung.

Umweltschützer hatten vor Monaten kritisiert, die Sanierungsziele am Schweizerhalle-Brandort seien nicht erreicht worden. In ihrer Antwort auf eine Interpellation eines Landrats der Grünen widersprach die Regierung indes im vergangenen Januar den Vorwürfen.