Coronavirus

So schnell kann es gehen: Bruderholzspital braucht keine Soldaten mehr

Schon morgen Donnerstag werden sie verabschiedet, die 45 Sanitätssoldaten, die dem Bruderholzspital durch die Coronakrise halfen. Ganz anders in Basel-Stadt: Dort glaubt der Krisenstab, dass das Unispital noch lange auf die Armee angewiesen ist. Bloss: Das Spital selbst rechnet mit einem Abzug.

Michael Nittnaus
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Da wurden sie noch gebraucht: Soldaten rücken Ende März im Bruderholzspital ein. Bis Sonntag sind alle wieder fort.

Da wurden sie noch gebraucht: Soldaten rücken Ende März im Bruderholzspital ein. Bis Sonntag sind alle wieder fort.

Alexander Kühni/VBS (Binningen, 24. März 2020

Sie galten als Retter in der Not. Mitte März hatten Basel-Stadt und Baselland von der Schweizer Armee Soldaten angefordert, um die Spitäler im Kampf gegen Corona zu unterstützen. Kurz darauf standen 75 Angehörige des Spitalbataillons 66 am Kantonsspital Baselland (KSBL) im Einsatz, 40 Sanitätssoldaten halfen in Basel-Stadt in der Predigerkirche und in der Notfallaufnahme des Universitätsspitals (USB) aus. Und in beiden Kantonen fuhren Sanitätswagen der Armee Patiententransporte. Ein Grossaufgebot, getrieben von der Coronawelle, die noch ungebremst voran preschte.

Rund einen Monat später ist die Realität eine andere. Die Welle ist abgeflacht, die Corona-Stationen am KSBL und USB leeren sich. Und die Armee-Spitze verkündete jüngst, die ersten 300 bis 400 der schweizweit 3800 im Einsatz stehenden Soldaten nach Hause zu schicken. Auf Anfrage der bz zeichnen die Krisenstäbe der beiden Basel am Montag aber noch ein anderes Bild. Vor allem Basel-Stadt will von einem Rückzug der Armee nichts wissen: «Sämtliche Ressourcen der Armee werden weiterhin benötigt, um die hoch belasteten Bereiche in der Sanität und im Spital zu unterstützen», schreibt der Sprecher des baselstädtischen Krisenstabs, Marco Greiner. Es sei weiterhin mit Personalausfällen und erhöhter Belastung durch Covid-19-Fälle zu rechnen. Greiner wagt sogar eine Prognose: «Die Unterstützung der Armee in Basel-Stadt ist bis mindestens Ende Mai 2020 notwendig.»

30 Soldaten verbleiben am Spital Liestal

In Baselland bestätigt Krisenstabs-Sprecher Roman Häring, dass wie gehabt total 75 Soldaten am Corona-Referenzspital Bruderholz, aber auch in Liestal im Einsatz stünden. Per Ende vergangener Woche seien aber die zehn Angehörigen der Sanitätsschule 42 abgezogen worden, die bei den Patiententransporten aushalfen. «Der Personalbedarf wird fortlaufend geprüft», so Häring.

Interessant ist, dass USB und KSBL gestern gegenüber der bz die Situation bereits anders schildern: «Am Donnerstagmorgen werden die 45 Soldaten, die am Standort Bruderholz helfen, offiziell verabschiedet», teilt KSBL-Sprecherin Anita Kuoni mit. Aufgrund der momentan zurückgehenden Covid-Fälle sei man nicht mehr auf sie angewiesen. Die 30 Soldaten in Liestal blieben aber «bis auf Weiteres» im Einsatz. Der Standort im Kantonshauptort sei sehr gut ausgelastet, da die Patienten vom Bruderholz zu grossen Teilen hierhin verlegt wurden und in Liestal schon alle medizinisch notwendigen Fälle des ganzen Einzugsgebiets behandelt würden.

Unispital hält an Kirche als Corona-Testzentrum fest

Am Basler Unispital steht zwar noch kein offizieller Abzugstermin fest, doch Sprecher Nicolas Drechsler schreibt: «Wir gehen davon aus, dass die Armee die Truppen in Bälde abziehen wird.» So stark der Widerspruch zu Greiners Statement vom Vortag, in einem sind sich Krisenstab und USB einig: «Solange die Soldaten hier sind, können wir sie auch gebrauchen», so Drechsler. Dies um den Betrieb in der Predigerkirche aufrecht zu erhalten, und zwar «ohne andere Freiwillige dort einzusetzen oder eigene Ressourcen dafür brauchen zu müssen».

In die Predigerkirche kämen unter der Woche nach wie vor 70 bis 90 Personen pro Tag, um sich testen zu lassen. Eine Schliessung sei noch nicht vorgesehen. Im Gegenteil: «Wir gehen davon aus, dass sie wieder wichtiger wird», schreibt Drechsler. Dies für eventuelle Antikörper-Tests oder falls es wegen der Lockerung des Lockdowns wieder mehr Coronafälle gibt. «Die Kirche ist unser Vorwarnsystem. Sehen wir dort eine neue Welle, wird diese sieben Tage später im Spital aufschlagen.» Vielleicht braucht es sie dann doch wieder, die Retter in der Not.