Steuern
Trotz Kinderkrankheiten: Grosses Interesse an der Basler Online-Steuererklärung

Mehrere tausend Baslerinnen und Basler haben die neue Möglichkeit, ihre Steuererklärung online auszufüllen, bereits genutzt. Andere kämpfen noch immer mit den Einstiegshürden.

Jonas Hoskyn
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Sieht einfach aus, birgt aber gewissen Hürden: Die neue Basler Online-Steuererklärung.

Sieht einfach aus, birgt aber gewissen Hürden: Die neue Basler Online-Steuererklärung.

zVg

«Ich habe eine Stunde mit dem Telefonsupport verbracht und bin noch immer nicht drin», schimpft ein bz-Leser. Wie ihm erging es in den vergangenen Tagen und Wochen vielen Baslerinnen und Baslern. Bis kommenden Mittwoch muss die Steuererklärung 2020 eingereicht oder eine Fristverlängerung beantragt werden. Neu bietet der Kanton dieses Jahr neben den bisherigen Varianten erstmals die Möglichkeit, die Steuererklärung ganz ohne Papier rein online auszufüllen – inklusive aller Dokumente und Unterschrift. Die Steuererklärung kann damit auch auf einem Tablet oder gar mit dem Smartphone erledigt werden. Ebenfalls neu ist ein Online-Steuerkonto, wo direkt überprüft werden kann, ob und wie viel man dem Staat noch schuldet. Das Ganze läuft unter dem Namen «eSteuern.BS».

Doch das neue System hat mit Kinderkrankheiten und den hohen Einstiegshürden zu kämpfen. So muss man einmalig einen mehrstufigen Registrierungsprozess durchlaufen, bevor man das Steuerportal nutzen kann. Als Erstes braucht man ein sogenanntes eKonto für die Onlinedienste des Kantons. Weil für die Steuerdaten ein erhöhter Schutz gilt – vergleichbar mit einem e-Banking-Konto – muss anschliessend zusätzlich ein weiterer Code, der sogenannte Aktivierungsschlüssel bestellt werden. Viel Aufwand und zweimal auf Briefpost warten, bevor man loslegen kann.

Steuer-Hotline war überlastet

«Die Einführung hatte sehr viele Anfragen zur Folge», sagt Silvia Frohofer, Leiterin der Basler Steuerverwaltung. Die eigens eingerichtete Hotline war zeitweise überlastet. Mittlerweile sei der Support ausgebaut worden, sodass kaum mehr Wartezeiten bestehen sollten. Die Hotline hat die Nummer 061 267 67 67.

Die Anfragen haben verschiedene Gründe. Neben den hohen Einstiegshürden hätten sich auch viele Nutzerinnen und Nutzer erst im modernisierten Layout zurechtfinden müssen, so Frohofer. «Zahlreiche Anfragen betrafen auch das Hochladen der Belege.» Diese können per Scanner oder mit einer Smartphone-App digitalisiert werden. Auch hier gab es anfangs einige Probleme bei der Handhabung des Uploads bei sehr vielen Belegen, bei denen geholfen werden konnte. Gewisse Probleme hätten ihre Ursachen auch in den individuellen Einstellungen der jeweiligen Computer gehabt.

Nur für Unmut sorgte teilweise auch der Umstand, dass die Steuerverwaltung die Karten für die kostenlose Fristenverlängerung bis Ende September nur noch bei denjenigen beilegte, die ihre Steuererklärung zuvor auf Papier ausgefüllt haben. Alle anderen müssen die Fristerstreckung online, unter 061 267 98 70, per E-Mail an logistik.ds.stv@bs.ch oder mit einem Brief beantragen. Die Praxisänderung sorgte sogar für einen Vorstoss im Parlament. Dabei erklärte Finanzdirektorin Tanja Soland, dass die meisten eine Fristerstreckung sowieso per Telefon anmelden. Auch die Zahlen aus der Steuerverwaltung zeigen keine nennenswerten Abweichungen von den vergangenen Jahren.

7000 rein elektronische Steuererklärungen

Alles in allem ist die Steuerverwaltung zufrieden mit dem neuen System: Insgesamt hätten sich bereits mehr als 15'000 Personen im eKonto – dem kantonalen Behördenportal – registrieren lassen. Rund 10'000 davon haben den erhöhten Schutz beantragt und können die Online-Steuererklärung nutzen. Bisher seien bereits rund 7000 Steuererklärungen elektronisch übermittelt worden bei total 32'500 eingegangenen. Jeder Fünfte nutzte also eines der neuen Angebote. Bei etwas mehr als der Hälfte seien die Steuererklärungen mit der bisherigen Download-Lösung ausgefüllt und danach zusammen mit den Belegen ohne Unterschrift elektronisch übermittelt worden. Die restlichen wurden online auf den Servern des Kantons ausgefüllt. Bei der Steuerverwaltung erwartet man, dass dieser Anteil in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

Im Baselbiet gibt es die Möglichkeit, die Steuererklärung via Internet auszufüllen noch nicht. Aber auch hier zeichnet sich das Ende des bisherigen Programms Easytax ab. Demnächst soll die Ausschreibung für ein neues System starten. Das Download-Programm verschwindet dann. Die Steuererklärung kann dann also entweder von Hand oder im Internet ausgefüllt und dann per Brief oder online eingereicht werden. Geplant ist die Baselbieter Online-Steuererklärung für die Steuerperiode 2022, also ab Frühjahr 2023.