Umstrittene Therapien
Einen Schritt weiter: Basel will «Umpolung» von Homosexuellen verbieten

Der Grosse Rat überweist eine Motion von SP und GLP an den Regierungsrat. Dieser soll nun ein Verbot von Konversionstherapien für Homosexuelle ausarbeiten.

Silvana Schreier
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Nur Genf ist schon weiter: Schweizweit können Umpolungstherapien noch nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Nur Genf ist schon weiter: Schweizweit können Umpolungstherapien noch nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Symbolbild: Keystone

Konversionstherapien verfolgen das Ziel, die homosexuelle Veranlagung eines Menschen in eine heterosexuelle Neigung «umzupolen». Die Praxis ist in einigen religiösen Gemeinschaften verankert und beurteilt Homosexualität als «Krankheit», die geheilt werden könnte.

Bislang gibt es kein schweizweites Verbot der umstrittenen und wissenschaftlich nicht erwiesenen Therapie. Einzig der Kanton Genf ist einen Schritt voraus: Im März 2021 hiess das dortige Parlament einen entsprechenden Vorstoss gut und überwies ihn damit an die Genfer Regierung.

GLP und SP spannen zusammen

Jetzt soll auch Basel-Stadt zum Pionierkanton werden. Der Grosse Rat überweist einen entsprechenden Anzug mit 67 Ja-Stimmen und 22 Nein-Stimmen bei 6 Enthaltungen an die Regierung. Michela Seggiani (SP) und Johannes Sieber (GLP) reichten die Motion – das stärkste politische Mittel für Parlamentsmitglieder – ein, die ein Verbot der Konversionstherapien in Basel-Stadt verlangt.

«Homosexualität ist keine Krankheit und deswegen ist sie auch nicht therapiebedürftig. Es braucht deshalb eine klare Grenze und ein Verbot der Konversionstherapie einschliesslich strafrechtlicher Konsequenzen»,

schreiben sie im Motionstext. Ein entsprechendes Gesetz soll dabei möglichst weit fassen und auch für Fälle gelten, in denen Minderjährige betroffen sind. Der Regierungsrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen.

SVP klar dagegen, Bürgerliche unentschlossen

Bestreitet wird der Vorstoss von SVP-Grossrat David Trachsel. Er sagt im Rat, die Motion «diskriminiert Homosexuelle massiv». Da er die erstaunten Reaktionen aus dem Rat bereits erwartet hat, wirft er gleich nach: «Das ist kein Scherz.» Wenn sich jemand in seiner Heterosexualität nicht wohlfühle, gebe es die Möglichkeit, «behutsam in eine zufriedene Homosexualität geführt zu werden». Trachsel: «Das soll auch umgekehrt möglich sein.»

Auch Brigitte Gysin (EVP) spricht sich gegen den Vorstoss aus. «Muss ein solches Verbot nicht kantonal oder auf Bundesebene geregelt werden?» Zudem würde ein Gesetz dazu führen, dass Homosexuelle von Therapeutinnen oder Therapeuten zurückgewiesen würden, da sich diese vor Repressionen fürchten würden.

Fraktionspräsidentin mit deutlichem Votum

Gysin meint im Rat, «wir» seien gegen die Motion. Andrea Strahm, Fraktionspräsidentin von EVP/Die Mitte, stellt sogleich klar: «Den Konversionstherapien liegt zugrunde, dass nur Heterosexualität natürlich ist. Dass das falsch ist, wurde längst bewiesen.» Hinter solchen Therapien stehe eine Ablehnung aller anderen als heterosexueller Beziehungen. Vielmehr würden Menschen dadurch in grosse Bedrängnis gebracht. Strahm:

«Es ist wichtig, jetzt und hier glasklar zu kommunizieren, dass jede sexuelle Orientierung gleich viel wert und natürlich ist. Konversionstherapien gehören klar verboten.»

Für die Motion kämpfen SP und Grünes Bündnis sowie die Grünliberalen. Jessica Brandenburger vertritt die Sozialdemokraten in einem emotionalen Votum: «Therapien sind dazu da, Krankheiten zu heilen. An sexuellen Orientierungen gibt es nichts zu heilen, denn man kann nichts heilen, was nicht kaputt ist.»

Dem schliesst sich Motionsstellerin Michela Seggiani an. Es sei zynisch, zu behaupten, Konversionstherapien würden freiwillig durchgeführt. «Sie müssen im Sinne eines Opferschutzes verboten werden», so die SP-Grossrätin. Und Johannes Sieber (GLP) stellt klar:

«Eine homosexuelle Neigung in eine heterosexuelle umzuwandeln, ist nicht möglich. Das wissen wir seit 30 Jahren.»

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