Basel

Wie Sterne das Engagement beleuchten sollen

SP-Politikerin Pia Fankhauser fordert analog zum «Energiestadt»-Label Sozialsterne für vorbildliche Gemeinden. Ob diese Forderung Gehör findet, lesen Sie hier.

Jürg Gohl
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Ein Musterbeispiel für herausragendes soziales Engagement: Die Längi in Pratteln weist den Weg. Nicole Nars-Zimmer

Ein Musterbeispiel für herausragendes soziales Engagement: Die Längi in Pratteln weist den Weg. Nicole Nars-Zimmer

Sterne stehen fürs exquisite Kochen; die nobleren Hotels prahlen ebenso mit Sternen wie die Fussball-Champions auf ihren Leibchen. Bald sollen nun aber zumindest im Baselbiet auch in einer Welt Sterne funkelt, in der nicht immer alles nur strahlt. Geht es nach dem Willen von SP-Politikerin Pia Fankhauser, so sollen sich vorbildliche Gemeinden schon bald mit «Sozialsternen» schmücken dürfen. Sie wären damit schweizweit die Ersten.

Landrätin Pia Fankhauser möchte ihre Idee lieber nicht mit Gourmet-Sternen vergleichen, sondern eher mit dem Label «Energiestadt». Schweizer Städte, die sich im Bereich des Umweltschutzes und des Energiesparens besonders hervortun, dürfen sich als «Energiestadt» bezeichnen. Zu ihnen zählen im Baselbiet 15 Gemeinden, darunter grössere wie Reinach oder Liestal und kleinere wie Reigoldswil. Auch Basel und Riehen dürfen den im Trend liegenden Titel führen.

Gescheiterte Regierungskandidatin

«Gemeinden, die sich im sozialen Bereich überdurchschnittlich hervortun, sollen dies auch zeigen dürfen», sagt sie, «am einfachsten mit Sozialsternen.» In ihrem Vorstoss hat die Oberwilerin Möglichkeiten aufgezahlt, in denen Gemeinden ihr soziales Engagement unter Beweis stellen können: Wie steht es um den sozialen Wohnungsbau? Wie behindertengerecht ist die Ortschaft eingerichtet? Was bietet sie bei den Spitexdiensten, in der Kinderbetreuung, bei Arbeitslosenprogrammen? «Viele Gemeinden engagieren sich stark für die schwächer Gestellten und verfügen über tolle, überraschende Angebote», sagt sie, «doch niemand merkt es. Soziale Einrichtungen zählen doch auch zu den Standortvorteilen einer Gemeinde.»

Zwei ihrer Liestaler Amtskolleginnen, EVP-Frau Elisabeth Augstburger und die Grüne Marie-Theres Beeler, unterzeichneten als Mitverfasserinnen. Sie widerlegen damit zumindest nicht, dass soziale Anliegen tendenziell eher aus der linken Ecke und von Frauen stammen und schon deshalb kaum Aussichten besitzen, einmal realisiert zu werden. Doch Fankhauser, die im Frühjahr gescheiterte Regierungskandidatin, widerspricht zumindest in einem Punkt. Sie ist überzeugt, mit ihrer Idee auch auf der bürgerlichen Seite zu punkten.

Jurypflicht übernehmen

Im Gegensatz zum Vorbild «Energiestadt» wartet Pia Fankhauser mit ihren Sozialsternen nicht darauf, dass ein entsprechender Impuls aus Bundesbern kommt. Nirgends in der Schweiz ist sie auf etwas Ähnliches gestossen, sieht man von einzelnen Firmen ab, die sich mit speziellen Einrichtungen hervortun und dies auch plakatieren. «Weshalb also nicht unten beginnen und anderen Kantonen mal etwas vormachen?», fragt sie. Den Landrat stufe sie als sehr pragmatisch ein und er setze eine Idee schnell um, wenn er von ihr überzeugt sei, sagt sie. Dabei geht sie davon aus, dass sich dies im neuen Kantonsparlament, das über ihre Sozialsterne entscheiden muss, nicht ändern wird.

Keine «aufgeblasene Zertifizierungsstelle», wie sie es nennt, soll dereinst über die Vergabe der Sterne wachen. Die Jurypflicht könne zum Beispiel der Verband der Baselbieter Gemeinden unbürokratisch übernehmen.

Inspiriert wurde sie eigentlich von Pratteln. Als sie erfuhr, was diese Gemeinde für sozial Schwächere alles zu bieten hat, war sie erst überrascht. Ein Sozialstern hätte sie zumindest einmal «vorwarnen» können. Ruedi Brassel, SP-Landrat, Mitunterzeichner des «Sozialsterne»-Postulats und Prattler Gemeinderat, pflichtet ihr bei: «Pratteln macht viel, ja, muss wegen der sozialen Struktur viel machen», sagt er, «wir wollen für alle eine lebendige Gemeinde sein.»

Projekt läuft aus

Pratteln weist mit 37 Prozent den klar höchsten Ausländer-Anteil an der Gesamtbevölkerung aus, im ganzen Kanton liegt sie bei 20 Prozent. Doch nicht einfach nur mit Geld, sondern mit verschiedensten Einrichtungen und Angeboten ist Pratteln bemüht, der Bevölkerung etwas zu bieten. Die Längi, das einstige Sorgenquartier, machte zuletzt eine eklatante Wandlung durch, die Bevölkerung durchmischte sich wieder. An dieses Beispiel dürfte Pia Fankhauser mit ihrer Feststellung gedacht haben.

Dabei profitiert Pratteln auch vom «Projet urbain», dem nationalen Quartierentwicklungsprojekt, das von Bund, Kanton und Standortgemeinden getragen wird. In Pratteln würde es Ende Jahr auslaufen, doch plant man bereits, es nicht nur zu verlängern, sondern auf das gesamte Gemeindegebiet auszudehnen. Favorit für den ersten Stern?