Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bildstrecke

Ein Blick zurück: Als wegen eines Jahrhundert-Hochwassers Boote auf dem Schwanenplatz fuhren

Es sah aus wie in Venedig. Im Juni 1910 traten der Vierwaldstättersee und die Reuss über die Ufer. Einzelne Luzerner Stadtgebiete standen fünf Tage unter Wasser.
Zéline Odermatt
Bootfahren beim Schwanenplatz anno 1910. (Bild: Stadtarchiv Luzern/ F2a/NATUREREIGNISSE/19.XII:01)

Bootfahren beim Schwanenplatz anno 1910. (Bild: Stadtarchiv Luzern/ F2a/NATUREREIGNISSE/19.XII:01)

Es war halb sieben am Morgen des 15. Junis 1910 als die erste Alarmmeldung einging:

«Die Sentimatte steht teilweise unter Wasser.»

Dies und die folgenden Informationen zum Jahrhundert-Hochwasser von 1910 stammen aus einem Text des Stadtarchivs Luzern.

Weitere Meldungen zu Überschwemmungen seien rasch erfolgt. Noch am Morgen ging die Reuss beim Stadttheater über die Ufer und setzte die Strassen unter Wasser. Gegen Abend flutete der See den Grendel und die Hertensteinstrasse. Kutschen und Boote fuhren am Schwanenplatz durch die überschwemmte Strassen.

(Bild: Stadtarchiv Luzern/ F2a/NATUREREIGNISSE/19.XII:02)

(Bild: Stadtarchiv Luzern/ F2a/NATUREREIGNISSE/19.XII:02)

Was in den grossen Metropolen im 19. Jahrhundert gang und gäbe war, erfuhr durch das Hochwasser in Luzern nochmals eine Blüte: das Pferdetram. Denn die elektrischen Trams mussten aus Sicherheitsgründen vom Stromnetz genommen werden.

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura)

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura)

Allerlei Ruder- und Paddelboote kamen zum Einsatz. Wie der Feuerwehrkommandant als «Kuriosum» zu berichten wusste, paddelte ein Beamter der Schiffswerft direkt von der Arbeit mit seinem Boot in den Falken zu einem Bier, so das Stadtarchiv in seinem Text.

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1d)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1d)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1a)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1a)

Der Grund für das Jahrhundert-Hochwasser waren gewaltige Niederschläge, die seit Tagen die Deutschschweiz heimsuchten.

«Auf Rigi-Kulm registriere man am 15. Juni um sieben Uhr die grösste je gemessene Niederschlagsmenge innert eines Tages.»

Die Alpenstrasse in Luzern. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1b)

Die Alpenstrasse in Luzern. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1b)

Am Morgen des 17. Junis erreichte der Seepegel seinen Höhepunkt: 435,25 m.ü.M. Zum Vergleich: Beim Hochwasser im Jahr 2005 erreichte der Pegel in Luzern 435,23 m.ü.M.

Die Kapellbrücke und der Bahnhof. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1c)

Die Kapellbrücke und der Bahnhof. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1c)

Die Überschwemmungen forderten einen Grosseinsatz der Feuerwehr. Feuerwehrkommandant Wilhelm Leppert schrieb in seinem Bericht, dass innert kurzer Zeit «hunderte Meldungen und Bitten» eingingen. Insgesamt leisteten während des Hochwassers rund 600 Mann 14'000 Einsatzstunden. Soldaten wurden ebenfalls eingesetzt und es wurde Hilfe nach Vitznau, Emmen sowie Gisikon geschickt. Der Pontonierfahrverein Luzern kam zum Einsatz, um Leute vom einen zum anderen Ort zu fahren.

Der Schwanenplatz. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1d)

Der Schwanenplatz. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1d)

Einsatzkräfte beim «Wilden Mann» an der Bahnhofstrasse, wo das Restaurant noch heute steht:

(Bild: Stadtarchiv Luzern/ F2a/NATUREREIGNISSE/19.II:01)

(Bild: Stadtarchiv Luzern/ F2a/NATUREREIGNISSE/19.II:01)

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura)

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura)

Die Feuerwehr und andere Hilfskräfte kamen vor allem beim Bau von Notstegen zum Einsatz, um den Fussgängerverkehr aufrechtzuerhalten.

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1c)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1c)

Die Touristen wurden von den Überschwemmungen auch nicht verschont. Boote am Schweizerhofquai:

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1c)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1c)

Durch das Hochwasser wurden die Reisenden jedoch nicht nur abgeschreckt. Die Fremdenindustrie realisierte 1910 mit fast 200'000 Gästen das beste Ergebnis vor dem Ersten Weltkrieg. Das Luzerner Tagblatt schrieb, dass «eine Bootsfahrt über die Quais bis dicht an die Hotels heran, auf deren Terrassen und Balkonen die zahlreichen Gäste soupieren und ‹einen Abend in Venedig› mitzuerleben wähnen», einen besonderen Reiz böte. Die Zeitung zitierte auch gerne die Beschreibung in der Frankfurter Zeitung, wonach das «malerische Luzern» in diesen Tagen ein «grandioses Bild» biete, das «in unauslöschlicher Erinnerung» bleiben werde.

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1d)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1d)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1d)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1d)

Besonderes Augenmerk schenkten die Verantwortlichen der Kapellbrücke, so das Stadtarchiv Luzern.

«Da das Wasser die Brücke wegzudrücken drohte, mussten Teile der Verschalung entfernt, die Brücke mit 200 Sandsäcken belastet und mit 2,5 Zentimeter dicken Stahlseilen gesichert werden.»

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura)

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura)

Kapellbrücke beim Kapellplatz. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1e)

Kapellbrücke beim Kapellplatz. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1e)

Theaterplatz. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1c)

Theaterplatz. (Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1c)

Trotz des Wassers musste das Leben in der Stadt weitergehen. Da die Stege schmal waren und es teils zu einem Gedränge kam, führte das, zur Belustigung der Umstehenden, immer mal wieder zu unfreiwilligen Tauchgängen.

Laut dem Luzerner Tagblatt berichtete die Frankfurter Zeitung aus Luzern, dass es «ausserordentlich komisch wirkt, wenn ein im Gedränge vorwärts strebender Passant den Halt verliert und unter dröhnendem Gelächter der Umstehenden in das glücklicherweise nicht sehr tiefe Wasser stürzt.»

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1e)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1e)

Einige Luzerner konnten das Hochwasser mit Humor nehmen, andere wurden in ihrer Existenz bedroht. Weil Keller und Lager mit Wasser gefüllt waren, führte das in vielen Geschäften zu Ausfällen.

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1e)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1e)

Die Reuss tritt am Reusssteg über die Ufer:

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1e)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 47_2565.1e)

Auch die kleine Emme führte am 15. Juni 1910 sehr viel Wasser mit sich. So viel, dass sie die Reuss zurückstaute.

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 410F_41.1)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 410F_41.1)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 410F_41.1)

(Bild: Staatsarchiv Luzern/ AKT 410F_41.1)

1910 war nicht das einzige Jahr, in dem die Reuss und der Vierwaldstättersee über die Ufer traten, jedoch neben 2005 das schlimmste Hochwasser.

Schäden in Wolhusen nach einem Hochwasser im Jahr 1917.

(Bild: Seppi Bühler/ Wolhuser Forum für Geschichte)

(Bild: Seppi Bühler/ Wolhuser Forum für Geschichte)

Durchfluss zwischen Haus Mahler und Haus Schnyder an der Stampfelistrasse in Wolhusen. (Bild: Seppi Bühler/ Wolhuser Forum für Geschichte)

Durchfluss zwischen Haus Mahler und Haus Schnyder an der Stampfelistrasse in Wolhusen. (Bild: Seppi Bühler/ Wolhuser Forum für Geschichte)

Überschwemmung beim Hotel Winkelried in Stansstad:

(Bild: Karl Manz/ Aura, um 1938)

(Bild: Karl Manz/ Aura, um 1938)

Hier sieht man einen Notsteg an der Bahnhofstrasse im Jahr 1953:

(Bild: Stadtarchiv Luzern/ F2a/NATUREREIGNISSE/15:01)

(Bild: Stadtarchiv Luzern/ F2a/NATUREREIGNISSE/15:01)

Wirbelsturm über Luzern im Jahr 1960. Hochwasser auf dem Campingplatz beim Lido:

(Bild: Wilhelm Wyss/ LZ Archiv)

(Bild: Wilhelm Wyss/ LZ Archiv)

Am überschwemmten Quai in Luzern im Jahr 1963 und 1970 müssen die Fussgänger auf Stegen laufen.

(Bild: Paul Weber/ LZ Archiv)

(Bild: Paul Weber/ LZ Archiv)

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura, 1970)

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura, 1970)

Herzlichen Dank

Einen grossen Dank das Staatsarchiv und das Stadtarchiv Luzern für die Bilder aus seinem Archiv. Mehr Informationen zum Hochwasser von 1910 vom Stadtarchiv Luzern finden Sie hier. Vielen Dank auch an Emanuel Ammon und die Agentur Aura für die schönen Bilder. Weitere Infos zur Foto-Agentur finden Sie hier.

Haben Sie selbst auch historische Bilder?

Verstauben Ihre alten Familienfotos auf dem Estrich? Haben Sie Bilder von Ereignissen von früheren Generationen? Dann laden Sie Ihre schönsten Archivbilder – bevorzugt in guter Auflösung – unter folgendem Link hoch: Leserbild-Upload.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.