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Ein Blick zurück: «Aus dem Strandbad wurde nun plötzlich ein Schandbad»

Das Weggiser Strandbad feiert sein 100-jähriges Bestehen. Es war 1919 das erste Schweizer Strandbad, in dem Frauen und Männer im gleichen Bereich baden durften und diente als Vorbild für weitere Bäder der Innerschweiz.
Zéline Odermatt

Das Wetter lässt es eigentlich nicht vermuten, doch die Badisaison ist bereits in vielen Innerschweizer Orten in dieser Woche eröffnet worden.

Auch das Strandbad in Weggis ist bereits für diejenigen Badefreudigen offen, denen der 11 bis 12 Grad kalte Vierwaldstättersee nichts ausmacht. Neben den kalten Temperaturen, hat das Bad jedoch viel zu feiern: Es wird in diesem Sommer 100 Jahre alt. Wir blicken zurück auf die schöne Badi und ihre Geschichte, die kontroverser war, als man sich dies heute wohl ausmalt.

Bereits im Eröffnungsjahr machte das schlechte Wetter den Initianten des Kurvereins Weggis einen Strich durch die Rechnung. Die offizielle Eröffnung wurde zunächst verschoben, und auch am Eröffnungstag, dem 20. Juli 1919, regnete es. Trotz Regen wurde gefeiert, denn in Weggis wurde das schweizweit erste Strandbad eröffnet, in dem Männer und Frauen gemeinsam am offenen Strand, also nicht in voneinander abgeschirmten Bereichen, baden durften.**

Im Bild sind Frauen und Männer zu sehen, die im Sommer 1919 gemeinsam badeten:

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

Die Initiative ergriff der damalige Posthotel-Besitzer, Politiker und Feldmusikdirigent Andreas Zimmermann. Hier sieht man ihn beim Dirigieren des Eröffnungskonzerts und wenig später beim Bad im See.

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

Die Anlage mit ihrer mittlerweile denkmalgeschützten Kabinenfront wurde vom Luzerner Architekten Carl Griot und seinem Sohn entworfen. Das Unternehmen kostete mit 70'000 Franken eine stolze Summe. Das Honorar des Architekten belief sich auf 1173 Franken, die Zimmermannsarbeiten auf 42'900 Franken.

(Bild: Urheber unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Urheber unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

Die Kosten schienen gerechtfertigt gewesen zu sein, denn bereits im ersten Betriebsjahr konnte das Strandbad in Weggis über 31'000 Personen anziehen. Doch das Bad für beide Geschlechter rief bald Kritiker auf den Plan. In der Chronik des Kurvereins heisst es:

«Nun zog man in der Presse, auf der Strasse und auf der Kanzel über das sittenverderbende Bad los, in allen Tonarten und Stärken. Aus dem Strandbad wurde nun plötzlich ein Schandbad.»

Dass Männer und Frauen in einem gemeinsamen Bereich badeten, wurde von manchen als «schändliches Treiben» angesehen. Dies rief auch den Luzerner Regierungsrat auf den Plan. Alle männlichen Besucher über zwölf Jahre mussten ein brustbedeckendes Badegewand tragen, das Bad musste über die heisseste Mittagszeit geschlossen werden und ein Aufseher des Kantons sorgte dafür, dass «gute Sitten» vorherrschten.

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

Dadurch liess man sich im Strandbad jedoch nicht den Spass verderben, wie auf diesem Bild zu sehen ist:

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

Das Weggiser Bad in den 1930er Jahren:

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeinde Weggis)

«Früher hätte es geschadet der Moral, heut jedoch wird strandgebadet überall. Erst fing es in Weggis an und dann kam Luzern daran...» (Satirezeitschrift Nebelspalter, 1922)

«Beim Angebot von öffentlichen Bädern hielt die Region Vierwaldstättersee und insbesondere die Stadt Luzern Ende des 19. Jahrhunderts durchaus mit anderen Schweizer Tourismusregionen mit: 1882 gab es allein in der Stadt Luzern fünf öffentliche Bäder, darunter drei Sommerbäder am See und an der Reuss, die seit den 1860er-Jahren bestanden. Dieses breite Angebot erklärt sich wohl nicht zuletzt auch dank der Nachfrage der fremden Gäste», schreibt Dr. Erika Flückiger Strebel in ihrem Text «Tourismusgeschichte Zentralschweiz» von 2013.

Das 1919 eröffnete Strandbad Weggis wurde zu einem Vorbild für weitere nicht geschlechtergetrennte Badeanlagen in der Schweiz. Es entstanden Strandbäder in Luzern, Buochs, Fürigen, Vitznau und Flüelen und an vielen weiteren Orten der Region.***

Buochs

Buochser Badi im Jahr 1923:

(Bild: Leserbild Sepp Bernasconi)

(Bild: Leserbild Sepp Bernasconi)

Fürigen / Stansstad

Die elektrische Fürigen-Bahn verband früher das Hotel Fürigen mit der hoteleigenen Badeanstalt. Vergnügen auf Paddelbooten in der Harissenbucht in der Nähe von Stansstad im Jahr 1941:

(Bild: Karl Manz/Aura)

(Bild: Karl Manz/Aura)

Luzern

Das Lido in Luzern gibt es seit 1929.

(Bild: Karl Manz/Aura)

(Bild: Karl Manz/Aura)

(Bild: Karl Manz/Aura)

(Bild: Karl Manz/Aura)

(Bild: Karl Manz/Aura)

(Bild: Karl Manz/Aura)

Das Freibad am Alpenquai in Luzern im Jahr 1959:

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura)

(Bild: Hans Peter Jäger/ Aura)

Sursee

Die Badeanlage in Sursee im Jahr 1961.

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadtarchiv Sursee/ SAS_C_001.154.067)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadtarchiv Sursee/ SAS_C_001.154.067)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadtarchiv Sursee/ SAS_C_001.154.067.2)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadtarchiv Sursee/ SAS_C_001.154.067.2)

Willisau

In Willisau wurde die Badi im Juni 1922 eröffnet. Die Bilder sind aus den 1930er Jahren.

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadt Willisau)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadt Willisau)

Erst 1950 wurde an der Gemeindeversammlung beschlossen, den Badebetrieb jeweils am Donnerstag, Samstag und Sonntag als Gemeinschaftsbad durchzuführen. Mehrere Pfarrer der Umgebung und der Rektor der Mittelschule Willisau wandten sich daraufhin in einem Schreiben an die Bevölkerung:

«Das Gemeinschaftsbad bildet für die Jugend eine ernste Gefahr.»

Die Kirche fordere die vollständige Trennung der Geschlechter für Strandbäder, auch aus dem folgenden Grund:

«Das Gemeinschaftsbad stellt eine offensichtliche Missachtung der menschlichen, vor allem aber der fraulichen Würde dar.»

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadt Willisau)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadt Willisau)

Horw

Das Strandbad Winkel (undatiert) und das Seebad 1975 in Horw.

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeindearchiv Horw)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeindearchiv Horw)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeindearchiv Horw)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Gemeindearchiv Horw)

Sempach

Auch in Sempach wurde fleissig gebadet. Eine Badehütte am Sempachersee in den 1910er Jahren und das Seebad Sempach in den 1950er Jahren:

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadtarchiv Sempach)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadtarchiv Sempach)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadtarchiv Sempach)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Stadtarchiv Sempach)

Lungern

Die Badeanstalt Lungern im Jahr 1934:

Das Strandbad in Lungern im Jahr 1946:

Arth

Arther Badefreuden in den 1940er Jahren:

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Erich Ketterer)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Erich Ketterer)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Erich Ketterer)

(Bild: Fotograf unbekannt*/ Erich Ketterer)

Flüelen

Im Sommer 1927 eröffnen in Flüelen zwei Strandbäder: in den Bildern ist das Strandbad des Verkehrsvereins Flüelen zu sehen. Zunächst badeten die Männer und Frauen dort noch getrennt (siehe Holzwand), später gemeinsam.

(Bild: Staatsarchiv Uri, Fotoarchiv Aschwanden)

(Bild: Staatsarchiv Uri, Fotoarchiv Aschwanden)

(Bild: Staatsarchiv Uri, Fotoarchiv Aschwanden)

(Bild: Staatsarchiv Uri, Fotoarchiv Aschwanden)

* Haben Sie Hinweise zum Urheber oder Fotografen? Kennen Sie die Personen oder Ereignisse auf den Bildern? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail.
** Quellenverzeichnis: Weggiser Lesebuch «Cheschtene und Fiige», Festschrift zum 100 Jahre Jubiläum des Kur- und Verkehrsvereins Weggis 1993.
*** Quellenverzeichnis: Horat, Heinz (2008): Seelust. Badefreuden in Luzern ; [anlässlich der Ausstellung «Seelust» im Historischen Museum Luzern in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Luzern]. Baden.

Herzlichen Dank

Vielen Dank an Emanuel Ammon und die Agentur Aura für die schönen Bilder. Weitere Infos zur Foto-Agentur finden Sie hier. Einen grossen Dank auch an die Gemeinde Weggis, Willisau, das Stadtarchiv Sempach, das Stadtarchiv Sursee, an Arth, Lungern und die Gemeinde Flüelen.

Haben Sie selbst auch historische Bilder?

Verstauben Ihre alten Familienfotos auf dem Estrich? Haben Sie Bilder von Ereignissen von früheren Generationen? Dann laden Sie Ihre schönsten Archivbilder – bevorzugt in guter Auflösung – unter folgendem Link hoch: Leserbild-Upload.

Hinweis: Am 15. Juni findet in Weggis das Jubiläumsfest im Strandbad statt.

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