Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Fritschivater begrüsst fasnächtliche Frauenquote

Die frisch gegründete «Lozärner Frauezomft» erhält Zustimmung von allerhöchster Stelle: Fritschivater Reto Schriber will Ursula Wämmer und ihre Fasnachtsdamen unterstützen. Er spricht sich gar für eine fasnächtliche Frauenquote aus.
Simon Mathis
Fritschivater Reto Schriber mit Lebenspartnerin Monika Tschopp: «Ich lebe nach dem Grundsatz der Frauenquote.» (Pius Amrein, Luzern, 28. Februar 2019)

Fritschivater Reto Schriber mit Lebenspartnerin Monika Tschopp: «Ich lebe nach dem Grundsatz der Frauenquote.» (Pius Amrein, Luzern, 28. Februar 2019)

Eine neue Zunft wirbelt die Lozärner Fasnacht auf. Die «Lozärner Frauezomft» unter der Leitung der früheren SP-Stadträtin Ursula Wämmer tritt äusserst selbstbewusst auf: Sie fordert eine Frauenquote während der fünften Jahreszeit und will gar einen eigenen Umzug durch die Stadt organisieren.

Wir haben uns unter den Fasnachtsgewaltigen umgehört. Und siehe da: Die Herren zeigen sich gönnerhaft. «Wenn Frauen sich berufen fühlen, eine Zunft zu gründen, sollen sie das machen», sagt Fritschivater Reto Schriber, der Mann des gestrigen Schmudo. «Sie sind schliesslich alt genug.» Eine Einschränkung schiebt er gleich nach: «Die Männer müssen emanzipiert bleiben.»

Was überrascht: Einer fasnächtlichen Frauenquote steht der Fritschivater offen gegenüber. «Ich finde das gar nicht schlecht», so Schriber.

«Ich habe nur Frauen zu Hause. Ich lebe also nach dem Grundsatz der Frauenquote.»

Dann schlägt der Fritschivater philosophische Töne an. Es brauche Frauen und Männer, damit das Leben weitergehe. Mit bestechender Logik folgert er: Also braucht die Fasnacht Frauen und Männer. «Wir feiern miteinander, eine Frauenzunft ist also willkommen.» Schriber bietet der Zunftmeisterin Ursula Wämmer gar seine Mithilfe als Berater an. «Ich habe einige Erfahrung mit der Organisation eines Umzuges und gebe diese gerne weiter.» Bevor Schriber Fritschivater wurde, amtete er acht Jahre als Zeugwart für die Zunft zu Safran. Wenn es um die Umsetzung gehe, könne er aber nicht Hand anlegen: «Wir haben unser eigenes kleines Umzüglein zu bewältigen», so der sichtlich motivierte Fritschivater.

Noch progressivere Zünfte im Gespräch

Mike Oswald, Präsident der Maskenliebhaber-Gesellschaft findet die «Lozärner Frauezomft» «hervorragend und absolut begrüssenswert». Er bringt eine noch progressivere Idee ins Spiel: «Ich hoffe, bald wird es eine Zunft für Frauen und Männer geben.» Ausserdem sei es höchste Zeit, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, weshalb es keine eigenen Zünfte für linksufrige und rechtsufrige Luzerner gäbe.

Einen Frauenumzug begrüsst auch Oswald. Als Form schlägt er den Basler Kontermarsch vor: «Das sähe sicher sehr schön aus.» Die Maskenliebhaber-Gesellschaft sei bereit, im Sinne der Wohltätigkeit aus ihrer Armenkasse zu spenden. Und auch Oswald würde der «Frauezomft» gerne mit beratender Stimme zur Seite stehen:

«Wir haben ja Erfahrung darin, eine eingeschlechtliche Vereinigung zu betreiben.»

Einzig eine wichtige Frage müsse noch geklärt werden: «Nehmen die Frauen die Tagessuppe oder den Tagestee?»

Die Zünftlerinnen sollen unbeirrt zu sich stehen, dann habe ihre Vereinigung auch irgendwann eine hundertjährige Tradition. Den Damen von der «Frauezomft» rät Oswald: «Augen zu und durch!»

In anderen Gegenden sind Frauen in fasnächtlichen Machtpositionen nicht ungewöhnlich. So etwa in Basel. «Ich wünsche der ‹Lozärner Frauezomft› viel Erfolg», sagt Pia Inderbitzin, die jetzige und erste Obfrau des Basler Fasnachts-Comités. «Sie müssen ein dickes Fell haben und unermüdlich dran bleiben.» Inderbitzin erzählt, dass man in Basel dieselbe Diskussion vor gut 50 Jahre führte. «Damals fürchtete man sich noch vor einer Obfrau – jetzt gibt es sie, und es ist gar kein Problem.»

Unterstützung aus Neuenkirch

Am Sempachersee stösst die Gründung der «Lozärner Frauezomft» für geradezu euphorische Reaktionen. «Das ist eine super Sache», sagt Tamara Wiederkehr, die diesjährige Zunftmeisterin der Neuenkircher Höckeler-Zunft. «Eine Frauenzunft tut der Stadt Luzern gut, auch wenn die Männer die Stirn runzeln.»

In Neuenkirch gehören Zünftlerinnen zum Alltag. Bereits bei der Gründung der Höckeler 1983 übernahm das Zepter prompt eine Frau: Trudi Kneubühler. «Bei uns ist es Tradition, dass alle paar Jahre eine Zunftmeisterin gewählt wird», so Wiederkehr.

«Dieses Jahr war die Zeit wieder reif, dass eine Frau die Macht übernimmt.»

Sie erhalte regelmässig positives Feedback: Es sei schön, dass eine Frau die Fasnacht repräsentiere.

Die Höckeler-Zunft könne sich gut vorstellen, auch eine Nummer für den Stadtluzerner Frauenumzug beizusteuern. «Solange der Terminplan es zulässt, sind wir dabei», sagt Wiederkehr. Einzig bei der Frage nach der Frauenquote äussert sich Wiederkehr zurückhaltender. Sie findet, eine Quote brauche es nicht. «Wir Frauen gehen ohnehin zahlreich und freudig an die Fasnacht!», so die Neuenkircherin. «Für eine gute Durchmischung ist auch ohne Zwang gesorgt.» Dank Neuenkirch fährt also mindestens ein Wagen beim Frauenumzug mit – wenn er denn stattfindet ...

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.