Landwirtschaft
Trotz angespannter Stimmung: Grosse Mehrheit der Bauernbetriebe macht bei Phosphorprojekt mit

Im Baldegger-, Hallwiler- und Sempachersee hat es zu viel Phosphor. Wie das Problem zu beheben ist, darüber sind sich Kanton, Bauern und Umweltschützer uneinig. Ein freiwilliges Instrument scheint sich aber zu bewähren – und wird nun ausgeweitet.

Niels Jost
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Weist die höchsten Phosphorwerte auf: der Baldeggersee, hier von Ermensee aus fotografiert.

Weist die höchsten Phosphorwerte auf: der Baldeggersee, hier von Ermensee aus fotografiert.

Bild: Patrick Hürlimann (29. Juli 2020)

Der Phosphor in den Luzerner Mittellandseen erhitzt die Gemüter. Kanton, Landwirte und Umweltschützer haben unterschiedliche Auffassung darüber, ob und wie der Eintrag aus der Landwirtschaft reduziert werden soll. Eine Eskalationsstufe wurde im vergangenen August erreicht, als sich sowohl die Verbände wie auch 145 Landwirte auf juristischem Weg Gehör verschaffen wollten.

Die Bauern sind dabei gegen die Verordnung des Phosphorprojekts III vorgegangen. Diese ist für alle im Einzugsgebiet der drei Seen obligatorisch und beinhaltet zum Beispiel eine reduzierte Ausbringung von Gülle oder ein Verbot für die Aufstockung des Tierbestandes. Eine Entschädigung erhalten die Landwirte dafür nicht. Anders sieht es beim sogenannten Seevertrag aus, der auf Freiwilligkeit beruht. Wer hier mitmacht, darf beispielsweise noch weniger Gülle ausbringen, muss gewisse bauliche Anforderungen beim hofeigenen Waschplatz erfüllen oder darf keine Winterbrache aufweisen. Hierfür werden die Landwirte entschädigt.

63 bis 85 Prozent der Betriebe haben Seevertrag

Trotz des angespannten Klimas rund um das Phosphorprojekt zeigt sich nun: Die freiwilligen Seeverträge stossen nach wie vor auf grosse Beliebtheit. Von den total 643 direktzahlungsberechtigten Betrieben im Einzugsgebiet der drei Seen machen 483 mit. Das sind 75 Prozent. Beim Baldeggersee, der am stärksten unter dem Phosphor leidet, machen sogar 85 Prozent der Bauern mit, wie folgende Grafik zeigt:

So viele Betriebe machen bei den Seeverträgen mit

Total Betriebe Teilnehmer Seevertrag 2021 (in Prozent) Teilnehmer Seevertrag 2020 (in Prozent)
Baldeggersee 271 85% 79%
Hallwilersee 134 78% 79%
Sempachersee 238 63% 61%
Total 643 75% 73%

Gemäss Franz Stadelmann stieg die Anzahl Teilnehmer insbesondere zu Beginn der Seeverträge ab dem Jahr 1999 massiv an. «Ab zirka 2008 war die Beteiligung unabhängig der geänderten Rahmenbedingungen plus-minus stabil», schreibt der Fachbereichsleiter Natürliche Ressourcen der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) auf Anfrage.

Entschädigung ist Kriterium zum Mitmachen

Ausschlaggebend für das nach wie vor grosse Interesse dürften die finanziellen Anreize sein. So sagt denn auch Heinz Schmid, Präsident des Bauernvereins unteres Seetal: «Die Einschränkungen sind so oder so aufgrund der Verordnung da. Wenn man beim Seevertrag mitmacht, sind sie zwar noch etwas grösser, dafür erhält man eine teilweise Entschädigung für die Düngereduktion.»

Für den Biolandwirten aus Gelfingen stehen die juristischen Verfahren, die derzeit beim Kantonsgericht hängig sind, nicht im Widerspruch zur hohen Mitmachquote bei den Seeverträgen. «Das eine schliesst das andere nicht aus», sagt Schmid. «Man kann nicht alles ablehnen, aber wir wollen mit unseren Anliegen ernstgenommen werden. Die Bauern sollen Alternativen zur Tierhaltung wahrnehmen, dies setzt aber auch eine lösungsorientierte Bewilligungspraxis der kantonalen Ämter voraus.»

Kanton erhöht Gelder nicht

Die Kosten für die Seeverträge teilen sich Kanton und Bund. Letzterer beteiligt sich mit zwei Millionen Franken, Luzern senkte seinen Beitrag 2014 auf die heutigen 0,5 Millionen. Dies aus diversen Gründen: Gewisse Massnahmen werden im Rahmen der Agrarpolitik 2014–2017 über die Direktzahlungen abgegolten. Auch aufgrund der Sparmassnahmen wurde die Finanzierung gekürzt.

Den kantonalen Beitrag wieder zu erhöhen, ist aktuell nicht vorgesehen. Franz Stadelmann vom Lawa schreibt: «Aufgrund der zukünftigen finanziellen Herausforderungen des Kantons Luzern ist mit keiner Erhöhung des Beitrages zu rechnen.» Dies stünde auch nicht im Widerspruch zu den Klimazielen des Kantons, da die Phosphoranreicherung respektive die Reduktion in den Mittellandseen nur bedingt klimarelevant sei.

«Seevertrag plus» startet mit 20 Betrieben

Dennoch geht der Kanton einen Schritt weiter beim Phosphor. Mit einem «Seevertrag plus» sollen zukünftige Massnahmen auf ausgewählten Betrieben praxisnahe getestet werden. Diese beinhalten eine parzellenscharfe Düngungsplanung, den kompletten Verzicht auf Gülle sowie die Sanierung von Zuleitstrukturen, die für einen besonders hohen Phosphoreintrag verantwortlich sind.

Für das Projekt, das in diesen Tagen startet, haben sich 20 Betriebe angemeldet. Ausgelegt ist es bis ins Jahr 2025. Und vielleicht kann damit aufgezeigt werden, wie der Phosphorgehalt in den Seen weiter reduziert werden kann. Denn trotz aller Massnahmen und anfänglicher Erfolge stagnieren diese Werte mittlerweile.