Kommentar

Wahlkampf: Mitten im Ring

Der Wahlkampf nähert sich dem Ende. Weshalb dieser wertvoll für unsere Demokratie war – und wie die vergangenen Wochen gegen die oft zitierte Politikverdrossenheit sprechen.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu

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Aus. Vorbei. Am Sonntagabend wird die Ziellinie im Wahlmarathon überschritten. Nur für einen Bruchteil der Kandidatinnen und Kandidaten wird es eine Fortsetzung im Bundeshaus geben. In der Zentralschweiz werfen 446 Politikerinnen und Politiker für 29 Sitze ihren Hut in den Ring – so viele haben sich in unserer Region noch nie für National- und Ständerat beworben! Für einige wird es eine Fortsetzung geben, weil es für den Einzug in den Ständerat eine zweite Runde braucht.

Es wird natürlich glückliche, aber auch viele enttäuschte Gesichter geben. Eines wird bestimmt all jenen Kandidaten gemein sein: das grosse Aufatmen. Der Wahlkampf war lang, intensiv, teils von einer auffälligen Nervosität geprägt. Es sei hier behauptet: Wohl kaum je mussten sich Politikerinnen und Politiker im Ring derart verausgaben.

Dauerpräsenz auf allen möglichen Kanälen ist quasi Pflicht. Wo es früher reichte, gezielt ein paar grosse Bühnen zu bespielen, ist heute der persönliche Auftritt auch auf kleinsten Dorfplätzen gefragt, will man von den Stimmbürgern wahrgenommen werden und diese möglichst breit mobilisieren.

Die Wahl-Rekordbeteiligung ist Gold wert für unsere Demokratie. Sie zeigt entgegen der oft zitierten Politikverdrossenheit: Die Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl zu engagieren und sich mitunter unangenehmen Reaktionen zu stellen, ist ungebrochen gross. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Ob gewählt oder nicht: All denjenigen, die in den Ring gestiegen sind, gebührt ein grosses, herzliches Dankeschön!