Drogenrazzia

Dealer und Illegale «ausgeräuchert»

Solothurn: 35 Polizisten verhafteten in einer Drogenrazzia um den Hauptbahnhof 11 Personen und zeigten 20 an.

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Dealer und Illegale «ausgeräuchert»

Dealer und Illegale «ausgeräuchert»

Solothurner Zeitung

Andreas Kaufmann

Gestern Vormittag auf dem Hauptbahnhof: Es herrschte die Ruhe nach dem Sturm. Ein Sturm, der am Mittwoch in Form von zahlreichen Polizeikräften durch die Vorstadt, entlang des Landhausquais, des Kreuzackerquais und durch die Bahnhofsunterführung gefegt war.

Ziel der gross angelegten Razzia der Stadt- und der Kantonspolizei war es, die Drogenszene an einschlägig bekannten Orten «auszuräuchern». Rund 35 Ordnungshüter umfasste das anwesende Polizeipensum. Und dies neben der sonstigen tagesüblichen Patrouillenpräsenz.

Kurzfristig scheint der Schlag gegen den Drogenumschlag gelungen, was neben der besagten Ruhe auch einige der angrenzenden Gewerbetreibenden bestätigen: «Heute war es merklich ruhiger», oder «das war eine Aktion mit Hand und Fuss», so die Reaktionen. «Zum Teil sind sie zu sechst mit Funkgeräten in der Unterführung patrouilliert», erzählt eine Beobachterin. Doch auch die andere «Partei» hält sich gegenseitig auf dem Laufenden – mittels Handys.

Drogen und illegaler Aufenthalt

Während der Razzia, die vormittags begann und sich bis in den späten Abend zog, schnappten die Handschellen nicht weniger als elf Mal zu. «Die verhafteten Personen machten sich vor allem des illegalen Aufenthalts oder des Besitzes von Drogen schuldig», kommentiert Thalia Schweizer vom Mediendienst der Kapo. Unter den Festgenommenen seien die meisten schwarzafrikanischer Herkunft.

Oftmals werde man auch verdächtig grosser Geldmengen fündig, was darauf hinweist, dass ein Drogenhandel bereits vollzogen wurde. Nebst den 11 Verhaftungen wurden am Mittwoch 20 Anzeigen erstattet, vor allem wegen «Zuwiderhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und illegalem Aufenthalt».

Stossend dabei sei, dass auch einige Schweizer darunter sind, wohl aber eher Drogenkonsumenten als -dealer, wie Schweizer ausführt. Weiter konnten von der Polizei verschiedene Drogen und Medikamente in noch unbekannter Delikthöhe sichergestellt werden.

Tipps aus der Bevölkerung helfen

Einen Flankenangriff gegen die «Szene» startete die Polizei zudem auf ein Postauto, das von Balmberg kommend in Richtung Stadt unterwegs war. Auch dort seien mehrere eingehende Personenkontrollen vorgenommen worden, so Schweizer: «Darunter wiederum Personen mit illegalem Aufenthalt oder Drogendelikten im kleineren Ausmass.

Zum Teil seien auch vorrangige Hinweise der Busbetriebe für die Ermittlungen und den Einsatz stossend gewesen: «So teilen uns Busfahrer auch mal ihre Beobachtungen zu verdächtigen Fahrgästen mit.» Dies gelte im Übrigen auch für Tipps, die grundsätzlich bei der Polizei eingehen: «Zwar ist es uns oftmals bekannt, in welchem Rahmen die Drogenumschläge stattfinden. Dennoch ist man immer dankbar und angewiesen auf Hinweise aus der Bevölkerung.» Aufgrund dieser Kenntnisse würden auch Razzien wie diese geplant.

«Chügelidealer» bald wieder frei

Dennoch: Insgesamt scheint der Arm der Justiz weniger weit zu greifen als der Arm der Drogendealer; zumindest jener, die «nur» mit geringen Mengen handeln. Die Polizei kann Verdächtigte nur 24 Stunden festhalten, danach muss sie sie der Staatsanwaltschaft überverantworten oder freilassen. Und da bei der Beurteilung der Delikte auch immer die Frage der Verhältnismässigkeit im Vordergrund steht, werden so genannte «Chügelidealer» (Kleinstmengenhändler) oft rasch wieder auf freien Fuss gesetzt (wir berichteten).

Solche, die sich eines illegalen Aufenthalts schuldig gemacht haben, werden lediglich aus dem Gebiet der Ausgrenzung – in diesem Falle die Stadt Solothurn – zurück in die auswärtigen Vermittlungszentren gebracht. Bei vielen stünden zudem auch noch hängige Asylverfahren im Raum.

Wie viele der elf Inhaftierten im Falle der vorgestrigen Razzia jetzt bereits wieder auf freiem Fuss sind, konnte bis zu Redaktionsschluss nicht in Erfahrung gebracht werden. So oder so schien die trügerische Ruhe nach dem Sturm gestern Nachmittag schon wieder vorüber, wie Passant Ulrich Affolter beobachtete: «Am Nachmittag habe ich bereits wieder vier ‹altbekannte› Gesichter in der Unterführung gesehen.»

Thaila Schweizer beurteilt den anfänglichen Grundtenor jedoch positiv: «Gerade hier wohnende oder arbeitende Menschen haben sich an der Situation gestört und sind froh über unsere Aktion. Von daher ist das Feedback gut.»

Zudem ist aus Sicht der Polizei gerade das Augenmerk auf die langfristige Polizeipräsenz zu setzen, wie auch der Wortlaut der gestern publizierten Kapo-Medienmitteilung erahnen lässt: «Gross angelegte Kontrollen finden in unregelmässigem Abstand statt. Die Kantonspolizei beobachtet die Lage laufend und plant weitere Schwerpunktaktionen.»