Suizid
Kindstötung von Flaach: Mutter nimmt sich im Gefängnis das Leben

Die Mutter, die am Neujahrstag in Flaach ZH ihren fünfjährigen Sohn und seine zweijährige Schwester getötet haben soll, hat sich im Gefängnis das Leben genommen.

Merken
Drucken
Teilen
Das Tatort-Haus (linker Hausteil) in Flaach ZH (Archiv)

Das Tatort-Haus (linker Hausteil) in Flaach ZH (Archiv)

Keystone

Die Mutter, die angeschuldigt wurde ihre Kinder getötet zu haben, wurde am Freitag im Gefängnis Zürich tot aufgefunden. Als Todesursache steht ein Suizid im Vordergrund. Dies teilte das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich mit.

Die Staatsanwaltschaft Zürich Limmat hat – wie bei aussergewöhnlichen Todesfällen üblich – sowohl eine Untersuchung eingeleitet, als auch eine Obduktion veranlasst.

Mit Rücksicht auf die laufende Untersuchung konnten derzeit keine weitergehenden Auskünfte erteilt werden. Die Regierungsrätin Jaqueline Fehr, Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern, wird morgen an einer Pressekonferenz weitere Informationen bekanntgeben.

Das Haus in Flaach, in dem die beiden Kinder getötet wurden
11 Bilder
Zwei Kinder getötet – flüchtige Mutter verhaftet
Die Mutter der Kinder wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen.
Sie hatte sich selbst verletzt und konnte vorderhand nicht befragt werden.
Der Vater sitzt im Gefängnis.
Beide Eltern waren Anfang November verhaftet worden.
Die Kinder wurden daraufhin in einem Heim platziert.
Polizei vor Ort.
Familiandrama in Flaach
Familiandrama in Flaach
Familiandrama in Flaach

Das Haus in Flaach, in dem die beiden Kinder getötet wurden

Keystone

In der Familienwohnung erstickt

Der fünfjährige Bub und das zweijährige Mädchen waren am Neujahrstag mutmasslich von ihrer 27-jährigen Mutter in der Familienwohnung erstickt worden. Die Frau alarmierte selbst die Polizei. Der Vater war am Tattag nicht anwesend: Er sass wegen Vermögensdelikten im Gefängnis.

Das zweifache Tötungsdelikt war trauriger Höhepunkt eines Konflikts der Familie mit der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Diese hatte die vorübergehende Unterbringung der Kinder in einem Heim verfügt, nachdem die Eltern wegen Betrugsverdachts Anfang November verhaftet worden und ausserdem Gefährdungsmeldungen bezüglich der Kinder eingegangen waren.

Auch nach der Entlassung der Mutter aus der Haft einige Tage nach der Festnahme sollten die Kinder im Heim bleiben, bis alle nötigen Abklärungen getätigt sein würden. Über die Feiertage durften sie zwei Wochen bei der Mutter verbringen, hätten aber Anfang Jahr wieder zurückgebracht werden sollen.

Das tragische Ereignis stiess eine öffentliche Aggressionslawine gegen die KESB los - bis hin zu Morddrohungen gegen Mitarbeitende. Die professionelle Behörde hatte Anfang 2013 die vorher zuständigen Vormundschaftsbehörden abgelöst, in denen Laien tätig waren.

War diesen früher unprofessionelles Handeln vorgeworfen worden, so hiess es jetzt, die Profis seien kalte "Schreibtischtäter", fern von den Menschen, mit denen sie zu tun hätten.

Fall wurde zum Politikum

Auch die Politik befasste sich mit dem Fall. Das Zürcher Kantonsparlament lehnte eine gesetzliche Grundlage für einen KESB-Pikettdienst ab, wie Grüne und CSP verlangt hatten. Die Geschäftsprüfungskommission bescheinigte den KESB generell gute Arbeit mit verbesserungswürdiger Kommunikation.

Die Direktion der Justiz und des Innern erklärte nach einer Überprüfung, die KESB Winterthur-Andelfingen habe im konkreten Fall "nachvollziehbar und vertretbar" gehandelt.

Bis heute hat sich der Sturm der Empörung nicht gelegt. Wo immer in der Schweiz ein trauriger Fall publik wird - wie dieser Tage im Kanton St. Gallen - hagelt es Vorwürfe gegen die KESB. Entweder wird ihr vorgeworfen, sie habe unnötig gehandelt, oder, sie habe fälschlicherweise nicht gehandelt. (nch/sda)