Kindsmisshandlung

Urteil aufgehoben: «Fall Wila» geht in neue Runde

Die Kindsmisshandlung von Wila muss vom Bezirksgericht Pfäffikon neu beurteilt werden. Das Zürcher Kassationsgericht hat eine Nichtigkeitsbeschwerde des 46-jährigen Briten, der zu einer Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt worden war, gutgeheissen.

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Das Bezirksgericht Pfäffikon muss den Kindsmisshandlungsfall von Wila neu beurteilen.

Das Bezirksgericht Pfäffikon muss den Kindsmisshandlungsfall von Wila neu beurteilen.

Keystone

Das Geschworenengericht hatte den Haupttäter und leiblichen Vater der beiden betroffenen Mädchen im Dezember 2010 wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen. Gegen dieses Urteil legte der Verurteilte Nichtigkeitsbeschwerde ein.

Er machte vor dem Kassationsgericht geltend, das Anklageprinzip sei verletzt worden - und das mit Erfolg: Mit einem Mehrheitsentscheid wurde der erstinstanzliche Entscheid aufgehoben. Eine Mehrheit des Richtergremiums erachtete die Anklage bezüglich einzelner Vorwürfe als ungenügend, wie aus dem im Internet publizierten Entscheid hervorgeht, über den auch die «NZZ» berichtete.

Weil das Geschworenengericht in der Zwischenzeit abgeschafft ist, muss sich das Bezirksgericht Pfäffikon nun nochmals mit dem Fall Wila befassen. Eine Minderheit des Kassationsgerichts war gegen eine Neubeurteilung. Sie war der Meinung, bei den geltend gemachten Nebensächlichkeiten handle sich um Sachverhaltsaspekte, die nur für die Strafzumessung relevant seien.

Jahrelange Qualen

Der verurteilte Vater hatte seine beiden Töchter jahrelang mit brutalen Erziehungsmethoden terrorisiert. Der Mann lebte zusammen mit der Lebenspartnerin und einer weiteren Frau in einer sektenartigen Wohngemeinschaft im Zürcher Oberland. Die Kinder waren als Babies von ihren Müttern dem Vater überlassen worden.

Mit Prügel, Nahrungsentzug, stundenlangem Stillstehen, kaltem Abduschen und andern Foltermethoden wurden auch kleinste Vergehen der Kinder geahndet. In der Nacht zum 10. Mai 2006 starb das jüngere der beiden im Alter von knapp 5 Jahren an einem Schütteltrauma. Das Mädchen war völlig unterernährt und geschwächt.

Die drei Jahre ältere Halbschwester wurde in eine Pflegefamilie gegeben. Das schwer traumatisierte Kind dürfte nach Meinung der Fachleute lebenslang mit seinen pysichischen Schädigungen zu kämpfen haben.

Im letzten grossen Prozess vor dem Zürcher Geschworenengericht wurde die damals 62-jährige WG-Mitbewohnerin und Helferin zu 7 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Lebenspartnerin, die zur Tatzeit noch nicht 25 Jahre alt war, hatte sich für das Bezirksgericht als erste Instanz entschieden. Dieses sprach die Frau im vergangenen September der mehrfachen schweren Körpverletzung schuldig und verurteile sie zu 10 Jahren Freiheitsstrafre.