Verkehr

Zug-Crash vor dem Gotthard: Dritte Entgleisung innert drei Wochen

Die dritte Entgleisung von Güterzügen innert drei Wochen hat am Mittwoch den Bahnverkehr am Gotthard unterbrochen. Kurz nach Mitternacht stiessen im Bahnhof Erstfeld UR zwei Güterzüge auf der Fahrt nach Süden seitlich zusammen. Verletzt wurde niemand

Drucken
Teilen
6 Bilder
Nach Kollision zweier Güterzüge: Gotthardstrecke bis abends unterbrochen
Nach der Kollision von zwei Güterzügen am Mittwoch in Erstfeld UR soll die Bahnstrecke am Gotthard ab Freitag um 18 Uhr wieder normal befahrbar sein.
Zwei Güterzüge kollidierten in Erstfeld.
Der Güterverkehr am Gotthard wurde eingestellt.

Keystone

An den Gleisanlagen entstanden erhebliche Schäden, wie die SBB mitteilten. Unmittelbar vor dem verlängerten Auffahrtswochenende war deswegen der Personen- und der Güterverkehr auf der wichtigen Transitachse zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin bis kurz vor 19.30 Uhr unterbrochen.

Am Nachmittag hatte die SBB erwartet, dass bis 19 Uhr die Strecke wieder teilweise befahrbar sein würde. Dies war jedoch nicht der Fall. Eine der Lokomotiven sei deutlich schwerer beschädigt als ursprünglich gedacht, hiess es in der Sendung "Schweiz Aktuell" von Fernsehen SRF. Das erschwere deren Abtransport. Noch immer seien rund 40 Leute im Einsatz.

Ab 19.30 Uhr am Mittwoch war der Bahnbetrieb mit leichten Einschränkungen wieder möglich, wie ein SBB-Sprecher am Abend ausführte. Am Auffahrtsdonnerstag sei im Personenverkehr mit Verspätungen von noch einigen Minuten zu rechnen.

Erst ab Freitag stehe die Strecke Erstfeld–Amsteg voraussichtlich wieder vollständig zur Verfügung. Bis dahin sollen eine beschädigte Weiche ersetzt und rund 50 Meter Gleis ausgewechselt werden.

Der Unfall am Mittwoch ereignete sich um 00.03 Uhr bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Erstfeld. Zwei Güterzüge von SBB und BLS waren gleichzeitig nach Süden unterwegs, als sie seitlich zusammenstiessen.

Die Unfallursache und der genaue Hergang sind unklar. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) des Bundes leitete eine Untersuchung ein.

Zucker, Bier und Kosmetika

Bei der Kollision entgleisten die zwei Lokomotiven des SBB-Zuges. Sie kamen schräg im Schotter zum Stillstand, wie auf Twitter-Bildern von Augenzeugen zu sehen war. Drei Güterwagen des BLS-Zuges sprangen ebenfalls aus den Schienen.

Die von der Entgleisung betroffenen Güterwagen hatten Zucker, Bier und Kosmetika geladen, wie ein SBB-Sprecher auf Anfrage erklärte. Gefahrengüter hatten sich nicht an Bord befunden. Auf den Zügen war jeweils ein Lokführer anwesend. Diese blieben unverletzt.

Vor der Reparatur mussten die entgleisten Lokomotiven und Güterwagen erst mit einem Kran wieder auf die Geleise gehoben und abtransportiert werden. Die Höhe des Sachschadens konnte die SBB noch nicht beziffern.

Umweg für Expo-Besucher

Der Streckenunterbruch führte zu erheblichen Störungen im Zugverkehr. Reisende aus der Deutschschweiz ins Tessin oder umgekehrt mussten mit einer rund eine Stunde längeren Reisezeit rechnen. Reisende an die Expo in Mailand mussten via Bern und Brig fahren. Der Güterverkehr auf der Gotthardstrecke wurde eingestellt.

Im Regionalverkehr waren zwischen Flüelen UR und Göschenen UR 20 Ersatzbusse im Einsatz. Internationale Züge fielen zwischen Zürich und Bellinzona aus. Rund 3000 Bahnkunden meldeten sich bei einer von der SBB vorübergehend in Betrieb genommenen Telefonhotline.

Auch auf der Strasse geriet der Verkehr am Gotthard ins Stocken. Das bevorstehende Auffahrts-Wochenende führte vor dem Strassentunnel bereits am Mittwochmorgen zu kilometerlangen Staus und Wartezeiten von über einer Stunde. Etwas Linderung brachte am Abend die Öffnung der Passstrasse nach der Wintersperre.

Dritte Entgleisung in drei Wochen

Der Vorfall ist die dritte Entgleisung von Güterzügen innerhalb von knapp drei Wochen in der Schweiz. Am 25. April verunfallte in Daillens VD ein Zug mit 22 Wagen. Fünf davon kippten um. Dabei liefen rund 25 Tonnen Schwefelsäure sowie drei Tonnen Natronlauge aus. Die Bahnstrecke Lausanne-Yverdon war während über zehn Tagen unterbrochen.

Fünf Tage nach dem Unfall in der Waadt fuhr im Bündnerland bei Landquart ein Güterzug auf einen stehenden Wagen auf. Dabei entgleisten drei Güterwagen, einer beladen mit 80'000 Litern Dieselöl. Verletzt wurde niemand.