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So sieht das neue Corona-Spital in Nottwil aus

Ab heute stehen auf dem Areal des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil 220 Krankenbetten für Corona-Infizierte bereit. Die Kapazität kann im Notfall noch weit erhöht werden.

Livia Fischer
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Drei Wochen nachdem der Bund die Notlage ausgerufen hat, steht auf dem Areal des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) in Nottwil das Medical Center Luzern (MCL) bereit. Am 19. März hat das Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern den Kantonalen Führungsstab beauftragt, ein solches zu errichten. Das Ziel: Situationen wie jene in Norditalien zu vermeiden. «Wir wollen auch im schlimmsten Fall jedem Patienten ein Krankenbett sowie eine adäquate Pflege anbieten können», sagt Stabschef Vinzenz Graf an der Medienkonferenz am Montag.

Die Journalisten und Fotografen sitzen im Hotel Sempachersee alle einzeln an einem Tisch, mindestens zwei Meter voneinander entfernt. Maskentragen ist Pflicht. Neben Vinzenz Graf informieren Daniel Enzler, Leiter Abteilung Zivilschutz, Dominik Utiger, Geschäftsleiter MCL, und Hans Peter Gmünder, Direktor SPZ, über die neue Einrichtung.

Bis zu 1000 Patienten könnten hier versorgt werden

Innert vier Tagen stellten Zivilschützer in der Turnhalle des SPZ rund 220 Betten aus Zivilschutzanlagen auf. Die Betten sind nahe aneinander gereiht; damit sie fürs Pflegepersonal eine geeignete Höhe haben, stehen sie auf Festbänken. Dort, wo eigentlich der Materialraum für Sportsachen wäre, ist jetzt ein Aufenthalts- und Verpflegungsraum. Auf den Betten stehen Plastikboxen – Stauraum für persönliche Gegenstände. Bei Bedarf könne die Kapazität laut Vinzenz Graf auf dem gesamten Areal noch bis auf rund 700 weitere Betten erhöht werden. «Wir hoffen aber natürlich, dass wir nie so viele Betten brauchen werden», sagt Graf.

Das neue Medical Center Luzern in einer Turnhalle auf dem Areal des Schweizer Paraplegiker Zentrum in Nottwil.
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Hier stehen rund 220 Betten für Corona-Patienten. Die Kapazität kann jedoch noch erhöht werden.
Am Montag fand eine Medienführung durch das neue Center statt.
Das Medical Center Luzern wurde im Auftrag des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Luzern errichtet.
Hier stehen rund 220 Betten für Corona-Patienten. Die Kapazität kann jedoch noch erhöht werden.
Momentan stehen in Nottwil 220 Betten für Corona-Patienten bereit.
Die Anzahl Betten kann bei Bedarf jedoch noch erhöht werden.
Dominik Utiger ist in der Geschäftsleitung des Paraplegiker Zentrum Nottwil.
Mitarbeiter des Zivilschutz.

Das neue Medical Center Luzern in einer Turnhalle auf dem Areal des Schweizer Paraplegiker Zentrum in Nottwil.

Bild: Urs Flüeler /Keystone

«Das Medical Center Luzern ist eine Notlösung für ganz prekäre Krisenzeiten», stellt Dominik Utiger klar. Heisst: die Betten werden erst im Notfall belegt – dann, wenn das Luzerner Kantonsspital, die Hirslanden Klinik St. Anna, das SPZ sowie das Kurhaus Sonnmatt ausgelastet sind. Ins MCL kommen ausserdem nur Patienten, die zwar auf dem Weg zur Besserung sind, aber noch nicht nach Hause gehen können. «Hier werden keine Patienten behandelt, die kritisch krank sind oder beatmet werden müssen. Das hier ist keine Intensivstation», betont Utiger.

Noch haben die Akutspitäler genügend freie Betten

Dennoch: Verschlechtert sich der Zustand eines Patienten und reicht die medizinische Grundversorgung nicht mehr aus, ist das MCL gewappnet. Das SPZ hat seinen Akutbereich in den letzten Wochen nämlich nach und nach geleert und bietet jetzt rund 20 Plätze auf der Intensivstation sowie 30 Beatmungsplätze für Covid-19-Patienten. «Wir hatten Glück, dass wir unser Spital gerade erweitert haben», sagt Hans Peter Gmünder, Direktor des SPZ. So habe man Querschnittsgelähmte aus dem Akutbereich in andere Räumlichkeiten verlegen können.

Ob und wann das MCL in Betrieb genommen werden muss, ist noch unklar. Der Kantonale Führungsstab behält die Lage im Auge. Vinzenz Graf versichert vorerst aber, dass es in den Akutspitälern «noch Platz habe». Über die effektiven Zahlen zur Belegung informiert der Kanton am Mittwoch, den 8. April.

Das MCL ist aber auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Bei einer Belegung von 220 Plätzen rechnet Utiger damit, dass täglich rund 140 Pflegepersonen im Einsatz stehen – aufgeteilt in drei Schichten. Hierfür wurden Angehörige medizinischer Berufe wie Physiotherapeuten oder MPAs von Fachexperten geschult. Schliesslich könne man in einer Notsituation nicht einfach Hunderte Pflegende mehr rekrutieren, sagt Utiger. Für spezialfachärztliche Abklärungen stehe das SPZ zur Verfügung.

Mehrere Dutzend Zivilschützer stehen auf Abruf bereit

Unterstützung bekommt das Pflegepersonal von 35 Sanitätssoldaten. Auch die rund 40 Zivilschützer können dem Pflegepersonal unter die Arme greifen. «In erster Linie übernimmt der Zivilschutz aber logistische sowie administrative Aufgaben», erklärt Daniel Enzler. So müssen sich Patienten zuerst beim Empfang des MCL melden – in einem kleinen weissen Zelt, ausgestattet mit einem Tisch und zwei Stühlen. Von da werden sie zum nächsten Zelt begleitet; zur Administration. Die Personalien werden erfasst, das Bett zugeteilt. Wertsachen können in den Garderoben deponiert werden.

Alles ist durchgeplant. «Wir sind bereit», sagt Enzler bestimmt. Die Zivilschützer treffen noch die letzten Vorbereitungen, Duvets müssen etwa noch hergeschafft werden. In wenigen Tagen werden sie nach Hause geschickt und stehen auf Abruf bereit.