Pflegepersonal am Limit: 100’000 Pflegende fehlen

Die Gewerkschaft Unia hat über 3500 Pflegende aus der ganzen Schweiz befragt. Die Resultate liegen der «SonntagsZeitung» vor und zeigen: Die Pflege von Kranken und Betagten leidet massiv, wie 90 Prozent der Befragten angeben.

SonntagsZeitung
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«Die Umfrage belegt: Die Pflegenden arbeiten am Limit, mit fatalen Folgen für ihre und die Gesundheit der Betagten», sagt Samuel Burri, Pflegespezialist bei der Gewerkschaft. Das sieht auch der Verband der Pflegefachpersonen SBK so. «Unsere Berufsleute bezahlen die Zeche für jahrelange Versäumnisse der Politik», sagt Geschäftsführerin Yvonne Ribi. «Es fehlt Personal, wir bilden zu wenige aus, lassen sie unter erschwerten Bedingungen arbeiten und zahlen gemessen an der Verantwortung zu niedrige Löhne.»

In Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie der Spitex arbeiten heute 180’000 Menschen in Pflege-Jobs. Doch das reicht nicht. Bis in zehn Jahren braucht es 65’000 zusätzliche Pflegende und nochmals 44’000, um die Pensionierten zu ersetzen. Vor allem in den Pflegeheimen und in Spitex-Organisationen werden die Fachkräfte dringend gebraucht. Zwar bilden die Kantone doppelt so viele Pflegende aus wie noch vor zehn Jahren, doch es sind immer noch zu wenige.

Etwas über 3000 Studierende haben vergangenes Jahr eine Ausbildung auf Diplomstufe begonnen. Nötig wären knapp 60 Prozent mehr. Das zeigen neueste Zahlen der Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdaSanté), die der «SonntagsZeitung» vorliegen. Für Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des Berufsverbands der Pflegekräfte (SBK), steht fest: «Die Pflege muss auf allen Stufen attraktiver werden.»