Chefsache

Nur ein kleiner Stich

11. November 2017, 00:00

Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Halsweh, triefende Nase – Grippe! Ab ins Bett und heissen Tee trinken. Zum Glück verläuft die saisonale Virenattacke meist harmlos. Nichtsdestotrotz stecken sich schweizweit jährlich 5 bis 10 Prozent mit der Grippe an, bis zu 275000 Menschen gehen zum Arzt, mehrere Tausend müssen wegen Komplikationen ins Spital. Und dort muss der Umgang mit der Virengefahr ja ein besonderer sein. Oder besser: müsste. Das Beispiel des Luzerner Kantonsspitals (Luks) – mit seinen fast 7000 Angestellten die grösste medizinische Einrichtung der Zentralschweiz – zeigt: Mit der Grippevorkehrung steht es nicht zum Besten. Nur gerade 12 Prozent des Pflegepersonals lassen sich vorsorglich gegen die Viren impfen. Das ist zwar eine Verdoppelung gegenüber 2015, die Impfrate ist dennoch erschreckend tief. Denn das Pflegepersonal hat naturgemäss am häufigsten und direktesten mit den Patienten zu tun. Als Gründe für die Nichtimpfung geben die Pflegenden die teilweise geringe Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen an.

2016 sind bloss 15 Personen im Luks durch Pflege oder Besucher von der Grippe angesteckt worden, bei rund 600000 Patienten jährlich eine Marginalie. Mit Blick auf Komplikationsrisiken werden in den Pflegeabteilungen nun dennoch «Champions» gesucht: Freiwillige, die «ohne Druck ihre Kolleginnen und Kollegen animieren», Schutzmassnahmen wie Hygienevorkehrungen und eben auch die Impfung vorzunehmen. Immer wieder keimen Forderungen auf, mit Blick aufs Patientenwohl das medizinische Personal zur Grippeimpfung zu verpflichten. Impfzwang führt zu weit. Was aber vom Pflegepersonal erwartet werden darf: eine Durchimpfrate, die vorbildlich ist und so der Verantwortung gegenüber den Patienten Rechnung trägt.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch


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