2000-Watt-Gesellschaft: Stadt ist auf Kurs

ENERGIEVERBRAUCH ⋅ Luzern wird in Sachen Energiesparen die für 2020 definierten Zwischenziele wohl erreichen. Dies lassen neue Zahlen vermuten. Doch wie steht es um einen vor einem guten Jahr beschlossenen Aktionsplan?

10. März 2017, 00:00

Bis 2050 sollen die CO2-Emissionen in Luzern auf jährlich 1 Tonne pro Person und der Energieverbrauch auf 2000 Watt Dauerleistung pro Person sinken. Dies besagt die langfristige städtische Umwelt- und Energiestrategie. Um dem ambitiösen Ziel in einem Zwischenschritt näher zu kommen, hat die Stadt im Dezember 2015 den «Aktionsplan Luft, Energie, Klima» beschlossen. Der Aktionsplan umfasst 17 Massnahmen. Diese sind in sechs Massnahmenschwerpunkte gegliedert: Energieerzeugung, Gebäude, Anlagen, Information, Mobilität und Vorbildrolle. Bis 2021 will die Stadt möglichst alle Massnahmen umsetzen. Das Vorhaben soll rund 4,4 Millionen Franken kosten und durch den städtischen Energiefonds finanziert werden.

Rund ein Jahr nach der Verabschiedung des Aktionsplans durch den Stadtrat scheint das Thema von der Agenda verschwunden zu sein. Mehrere darauf angesprochene Luzerner Politiker zeigten sich auf alle Fälle nicht auf dem Laufenden. Gregor Schmid, Leiter Umweltschutz bei der Stadt Luzern, versichert jedoch auf Anfrage: «Der Aktionsplan wird umgesetzt. Die Wiedereinführung und der Ausbau des Energiecoachings werden seit Anfang Jahr öffentlich kommuniziert, andere Massnahmen sind in Planung und werden bald folgen», sagt Schmid. Das Energiecoaching wurde bereits zwischen 2006 und 2009 angeboten und wird nun wiedereingeführt. Es dient der Beratung von Bauherrschaften in Energiefragen. Lanciert wurde gemäss Schmid auch die Aktion «Monitoring-Kit für thermische Solaranlagen». Mit einem Monitoring-Kit kann der Nutzer jederzeit online feststellen, wie viel Wärme seine Solaranlage produziert. Die Stadt bietet aktuell 60 Kits zu stark vergünstigten Preisen an.

Es wird weniger Energie verbraucht

Besonders im Gebäudebereich sieht Schmid jedoch noch beträchtliches Verbesserungspotenzial. Initiiert von Stadt und Kanton laufen darum mehrere Förderprogramme, die sich seit Jahren diesem Bereich widmen. Schon erhöht wurde laut Schmid der Anreiz zur Wärmedämmung älterer Liegenschaften: Wer sein Haus isoliert, erhält seit diesem Jahr vom Kanton 60 Franken pro Quadratmeter – doppelt so viel wie früher.

«Die Stadt ist bezüglich Absenkpfaden von Treibhausgasen und Leistungsbedarf auf Kurs», sagt Schmid. Das bestätigen bisher nicht publizierte Zahlen von 2015: So sanken die Treibhausgas-Emissionen pro Kopf auf 5,4 Tonnen CO2 – 2010 hatten sie noch über 6 Tonnen gelegen. Auch der sogenannte Leistungsbedarf der Primärenergie hat sich positiv verändert: Er sank in der gleichen Zeitspanne von gut 5000 auf 4250 Watt. Damit hat die Stadt die angestrebten Zwischenziele für 2020 quasi schon erreicht (siehe Grafik).

Die Stadt ist sich ausserdem sicher, dass sich diese Entwicklung positiv auf die regionale Wirtschaft und die Arbeitsplätze auswirken wird. «Die Nutzung erneuerbarer Energieträger wie Wasser, Sonne oder Umweltwärme schafft lokal Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Dasselbe gilt für Investitionen in Gebäudetechnik oder in Wärmedämmung», schreibt die Stadt im Aktionsplan. Diese Aussage dürfte bei so manchem bürgerlichen Politiker auf Widerspruch stossen – wie überhaupt der ganze Aktionsplan seine Gegner hatte und hat. Doch Vorbehalte gibt es selbst aus den Reihen jener, welche die Massnahmen grundsätzlich unterstützen.

Marco Müller, Präsident der Grünen Luzern, etwa ist mit dem Stand der Dinge nicht durchwegs zufrieden. «Das Energiecoaching begrüssen wir sehr. Mit einer zusätzlich geschaffenen Stelle kann der Aktionsplan nun besser umgesetzt werden. Wir Grüne hätten uns jedoch gewünscht, dass der Plan mehr regulative Lenkungsmassnahmen beinhalten würde», sagt er. Für die Grünen sei es zentral, dass im Klimaschutz rasch Fortschritte gemacht würden, denn der Handlungsbedarf sei noch immer riesig.

Noch ein Energielabel für die Stadt?

Hängig ist in diesem Zusammenhang eine im Dezember 2006 eingereichte Motion der Grünen: Sie verlangt, dass Luzern zur «Smart City» wird. Dieses Label zeichnet Städte aus, die ihren Bewohnern maximale Lebensqualität bei minimalem Ressourcenverbrauch bieten. Es anzustreben, ist gemäss den Grünen der nächste logische Schritt, nachdem sich die Stadt Luzern 1999 für das Label «Energiestadt» qualifiziert hatte und seit 2009 das Gold-Label trägt – die höchste Auszeichnung für Energiestädte in Europa.

Sebastian Hofer

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch


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