Atomausstieg mobilisiert die Luzerner Stimmbürger

ABSTIMMUNGEN ⋅ Kantonale Vorlagen locken das Volk weniger zahlreich an die Urne als nationale. Am Sonntag dürfte die Stimmbeteiligung überdurchschnittlich hoch ausfallen – doch zwischen den Regionen gibt es Unterschiede.

26. November 2016, 00:00

Sollen alle fünf Kernkraftwerke der Schweiz bis 2029 abgeschaltet sein? Diese Frage beschäftigt das Schweizer Stimmvolk. Und damit auch die Luzernerinnen und Luzerner. Das schlägt sich in der Stimmbeteiligung nieder: «Bei uns ist sie 5 Prozent höher als normalerweise um diese Zeit», sagte gestern der Hochdorfer Gemeindeschreiber Thomas Bühlmann. 1700 Personen haben bislang ihren Abstimmungszettel ausgefüllt und auf der Gemeinde deponiert. Das entspricht einer Stimmbeteiligung von 27,5 Prozent. Bühlmann glaubt: Bis zum Schluss haben 45 Prozent der Hochdorferinnen und Hochdorfer ein Ja oder ein Nein in die Urne gelegt – dass die Stimmbeteiligung also auch am Sonntag 5 Prozent höher ist als sonst. Für ihn ist der Grund klar: «Die Atomausstiegsinitiative beschäftigt die Leute sehr.»

Ähnlich ist die Situation in der Stadt Luzern: «Die Stimmbeteiligung liegt im Moment bei 33 Prozent», sagt Thomas Zumbühl, Leiter Abstimmungen und Wahlen bei der Stadtverwaltung. Heisst: 17 600 Luzerner haben sich eine Meinung gemacht und das Couvert abgeschickt. Zumbühl spricht von «einer guten Stimmbeteiligung. Schätzungsweise wird sie am Schluss 49 Prozent betragen.» Auch er glaubt, dass der Atomausstieg viele Bürger an die Urne lockt. Aber nicht nur: Die Stadtratsersatzwahl trage ebenfalls zur überdurschnittlichen Beteiligung bei. Werden die prophezeiten 49 Prozent Tatsache, ist die Stimmbeteiligung ähnlich hoch wie zuletzt an den Abstimmungen vom 5. Juni. Damals entschied das Schweizer Stimmvolk unter anderem über die Einführung des bedin­gungslosen Grundeinkommens.

Nationale Vorlagen ziehen besser

Für den Hochdorfer Gemeindeschreiber Bühlmann ist die hohe Beteiligung keine Überraschung: «Wenn nationale Anliegen zur Abstimmung stehen, verzeichnen wir oft eine Zunahme der Stimmbeteiligung.» Das bestätigt Joachim Blatter, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Luzern: «Auch wenn die Kantone in der Schweiz als wichtigste Einheiten gelten, mobilisieren nationale Abstimmung die Bevölkerung stärker.»

Trotz nationaler Vorlage – in Willisau ist die Beteiligung lediglich Durchschnitt: Bis gestern haben etwas mehr als 1700 Personen abgestimmt. Das ist eine Quote von 31 Prozent. Gleiches Bild in Sursee: Von den 6500 Stimmbürgern sind bis gestern rund 2300 ihrer Bürgerpflicht nachgekommen – ein Anteil von 35 Prozent also. Stadtschreiber Godi Marbach sagt dazu: «Das liegt im Rahmen des Üblichen. Ich glaube, bis Sonntag wird die Beteiligung auf etwas über 40 Prozent steigen.» Somit wäre sie leicht über dem Schnitt. Dass sie aber noch exorbitant in die Höhe schiesst – das glaubt Marbach nicht. Die höchste Beteiligung verzeichnete Sursee am 28. Februar. Damals ging es um die Durchsetzungsinitiative der SVP: «Am Schluss waren es 67 Prozent Stimmbeteiligung. Das war der grosse Ausreisser der letzten Jahre. Dieses Mal wird sie wohl kaum so hoch.»

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

www. Alle Abstimmungsresultate finden Sie am Sonntag auf: luzernerzeitung.ch

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