Behindertengerechte Haltestellen: Noch ist viel zu tun

LUZERN ⋅ Bis 2023 müssen kantonsweit 18 Bahnhöfe hindernisfrei gestaltet werden. Bei 7 von ihnen werde das nicht möglich sein, sagen die SBB. Mehr Arbeit hat der Kanton: Hier sind erst etwa 80 von 490 Bushaltestellen behindertengerecht.
10. April 2017, 00:00

Der Zeitplan ist eng, die Stationen zahlreich: Das eidgenössische Behindertengleichstellungsgesetz schreibt vor, dass alle Bauten, Anlagen und Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs spätestens bis Ende 2023 angepasst werden müssen. Sprich: Züge und Busse müssen auch Rollstuhlfahrern zugänglich, Rampen und Perrons auf geeigneter Höhe, die Fahrplanaushänge gut lesbar sein.

Ausnahmen gibt es nur, wenn die Massnahmen in finanzieller, umwelt- oder sicherheitstechnischer Hinsicht unverhältnismässig sind. Das wiederum kann zu Schliessungen von Bahnhöfen führen, wie die SRF-Sendung «Rundschau» kürzlich berichtete. So kündigte die BLS an, dass sie im Kanton Bern 4 Bahnhöfe dichtmache. Die BLS begründete den Schritt zwar mit fahrplantechnischen Gründen. Trotzdem kündigte der Behindertendachverband Inclusion Handicap an, gegen Schliessungen vorzugehen. Immerhin: Die SBB stellen auf Nachfrage klar, dass sie im Zusammenhang mit dem Behindertengleichstellungsgesetz keine Schliessungen vornehmen.

11 Bahnhöfe – 5 Millionen Franken

Das bedeutet nicht, dass die Bundesbahnen mit ihren Umbauten bereits fertig sind. Eine Liste des Bundesamts für Verkehr (BAV) gibt Aufschluss. Demnach werden bis Ende 2023 folgende 11 Bahnhöfe im Kanton Luzern umgebaut: Dagmersellen, Emmenbrücke, Emmenbrücke Gersag, St. Erhard-Knutwil, Littau, Luzern Verkehrshaus, Nebikon, Oberkirch, Reiden, Rothenburg und Wauwil. Bei allen geht es primär um das Anheben von Perrons und allfällige Anpassungen von Gebäuden. Kostenpunkt: insgesamt knapp 5 Millionen Franken.

Dazu kommen 7 weitere Bahnhöfe, deren Umbau gemäss SBB erst nach 2023 möglich ist: Brittnau-Wikon, Entlebuch, Escholzmatt, Hasle, Meggen, Schachen und Werthenstein. Für diese Stationen müssen die SBB den Nachweis erbringen, «dass keine Lösung existiert, um eine Anpassung mit verhältnismässigen Mitteln vor Ende 2023 zu realisieren», heisst es in der BAV-Liste. Gleichzeitig will das Bundesamt den SBB finanziell unter die Arme greifen, indem es dem Parlament für die Jahre 2021 bis 2024 weitere rund 2 Milliarden Franken beantragt.

Das Behindertengesetz hat nicht nur Folgen für die Verkehrsunternehmen, sondern auch für die Kantone und die Gemeinden. Allein der Kanton Luzern ist für rund 490 Bushaltestellen entlang der Kantonsstrassen zuständig. Doch nur etwa 80 sind bereits behindertengerecht, wie aus dem aktuellen ÖV-Bericht hervorgeht. Für die anderen Haltestellen müssen also bis 2023 Massnahmen erarbeitet und umgesetzt werden. Im Bauprogramm 2015 bis 2018 sind dafür 4,7 Millionen Franken und für die nachfolgende Programmperiode 8 Millionen Franken enthalten. Das Bauprogramm wird der Kantonsrat Ende 2018 beschliessen.

Es wartet also noch viel Arbeit auf den Kanton. Das bestätigt auch Beat Hofstetter, Abteilungsleiter Planung Strassen bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern: «Wir sind aber zuversichtlich, dass wir die Vorgaben termingerecht umsetzen können.»

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

«Wir sind zuversichtlich, dass wir die Vorgaben termingerecht umsetzen können.»

Beat Hofstetter

Strassenplaner Kanton Luzern


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