Charmante Trickdiebin küsst ihre Opfer

STADT LUZERN ⋅ Kurz abgelenkt, schon ist das Portemonnaie oder die teure Uhr weg. Eine raffinierte Gaunerin bestiehlt ihre meist etwas älteren Opfer zurzeit in der Luzerner Innenstadt. Die Polizei mahnt zur Vorsicht.
16. März 2017, 00:00

Bekannt ist diese Form des Taschendiebstahls als Blumentrick: Ein Fremder oder mehrere Fremde schaffen mit einer unerwar­teten, freundschaftlichen Geste Nähe zum Opfer, umarmen oder küssen es, oder stecken ihm eine Blume ans Revers – daher der Name. Dadurch abgelenkt, merkt das Opfer nicht, wie ihm dabei die Brieftasche oder ein Wertgegenstand entwendet wird. Bei solchen Tricks langen Diebe gerne auch in die Taschen von Jacken und Hosen – oder in diesem Fall: ans Handgelenk. Eine raffinierte Diebin hat es nämlich derzeit mit einer Variation der Methode unter anderem auf teure Uhren meist älterer Menschen abgesehen. Und war bisher in der Luzerner Innenstadt erfolgreich.

Seit Mitte Februar hat die Luzerner Polizei in unterschied­lichen Abständen rund zehn Meldungen über Trickdiebstähle erhalten. Den Aussagen zufolge habe die junge Frau mit ihren Opfern unerwartet Kontakt aufgenommen. Dabei stellte sie körperliche Nähe her: «Sie fragte beispielsweise nach der Uhrzeit und küsste zur Verabschiedung ihren Ansprechpartner», so Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei. «Erst später bemerkten die Opfer jeweils, dass ihnen bei der Ablenkung ihre Armbanduhr abgenommen und gestohlen wurde.»

Unter den Opfern sind Männer und Frauen. Passiert seien die Diebstähle zum grossen Teil in der Luzerner Innenstadt. Bereits mehrere teure Armbanduhren haben so unfreiwillig ihren Besitzer gewechselt. Der zeitliche Abstand zwischen der Tat und der Meldung mache es für die Ermittler besonders schwierig, die Täterin zu erwischen oder gar auf frischer Tat zu ertappen.

Die Täterin ist gepflegt und spricht französisch

In diesem Zusammenhang warnt die Luzerner Polizei vor der unbekannten Frau im Alter von 25 bis 40 Jahren. Sie ist 1,60 bis 1,65 Meter gross und schlank. Die langen, dunkelbraunen Haare habe sie meist zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Die Polizei vermutet, dass die dreiste Küsserin mit gepflegter Erscheinung osteuropäischer Abstammung ist. Sie spricht französisch.

Denkbar ist, dass die Trickdiebin ihr illegales Handwerk auch in anderen Kantonen ausübt. «Wir klären zurzeit ab, ob es gleich gelagerte Fälle gibt», so Graf. Er bittet Zeugen, welche die Frau beobachten oder selber angesprochen werden, sich umgehend unter dem Notruf 117 oder 041 248 81 17 zu melden.

Die Polizei rät, bei spontanen Begegnungen mit Unbekannten Vorsicht walten zu lassen. Achten sollte man auf mögliche Ablenkmanöver. Beim Gespräch empfehle sich, einen gewissen Abstand zu halten. Wertgegenstände würden generell am besten in Innentaschen verstaut.

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch


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