Der Wald sitzt auf dem Trockenen

BRANDGEFAHR ⋅ Der überdurchschnittlich warme Frühling hat zwei Seiten. Im Kanton Luzern geben die Behörden eine Gefahrenmeldung aus. Doch den Landwirten kommt die Trockenheit entgegen.
12. April 2017, 00:00

Sebastian Hofer Christian Volken

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch

Nun gilt Alarmstufe 3: Damit ist nichts verboten, aber Waldbesucher und Picknickler werden seit gestern Nachmittag gebeten, Grillfeuer nur an Feuerstellen zu entfachen und dieses immer zu beobachten. Grund dafür ist vor allem die anhaltende Phase von Wärme und Trockenheit. Um die Sicherheit in den Wäldern weiterhin zu gewährleisten, hat das Naturgefahrenportal des Bundes deshalb die Waldbrandgefahr in der Region auf Stufe 3, erhebliche Gefahr, erhöht.

Gebrannt hat es aber bereits, wenn auch im Nachbarkanton Schwyz. Am späten Montagabend hatte die Feuerwehr im Totenlauizug oberhalb von Gersau mit einem Waldbrand zu kämpfen (siehe Text unten).

An Südhängen ist das Risiko grösser

Der vergangene Monat war der zweitwärmste März seit Beginn der Messungen. Lokal dürfte es sogar der wärmste gewesen sein. Gemäss Meteo Schweiz war nur der März 1994 wärmer. Das anhaltend sonnige Wetter erhöhte das Risiko für Waldbrände jedoch massiv. «Vor allem an den sonnigen Lagen und an Südhängen ist das Risiko von Wald- und Flurbränden nicht zu unterschätzen», sagt Bruno Röösli, Leiter der Abteilung Wald bei der Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa). Der Boden sei vielerorts trocken, deshalb sei es wichtig, die Glut am Schluss gut zu löschen. Bei «wilden» Feuerstellen bestehe ausserdem das Risiko, dass sich die Glut in den Boden «frisst» und dort unbemerkt weiterbrenne. Ein allgemeines Feuerverbot ist jedoch nach Einschätzung der Behörden nicht nötig.

Waldbrände werden oft von Menschen verursacht

In der Schweiz haben während der letzten 20 Jahre pro Jahr durchschnittlich 90 Brände knapp 375 Hektaren Wald verwüstet, informiert das Bundesamt für Umwelt. Rund jedes zweite Feuer wurde von Menschen verursacht, besonders wegen Unachtsamkeiten. Ungenügend gelöschte Feuerstellen oder weggeworfene Raucherwaren seien einige der Ursachen für Waldbrände. Bruno Röösli bestätigt: «Es gibt viele Fälle von Unachtsamkeit beim Feuern. Deshalb ist es wichtig, die Menschen auf die Gefahren hinzuweisen, besonders in den trockeneren Monaten.» Der Frühling sei einer dieser kritischen Jahreszeiten, da die Sonnenstrahlung direkt auf den trockenen Waldboden falle, wo es viel Fallholz und trockene Blätter habe.

Vegetation legt zwei Wochen früher los

Ein von Föhnwetter dominierter Februar und ein mehrheitlich trockener und sonniger März: Das lässt an Landwirte denken, die sich nach Regen sehnen. Doch fürs Bauern sind die Bedingungen zurzeit richtig gut. «Die eher trockenen Jahre sind für die Landwirtschaft in Luzern in der Regel gute Jahre», sagt Beat Felder, Dozent für Spezialkulturen am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain.

Der Frühling ist vorverlegt, Bäume treiben Blüten und Blätter 14 Tage früher als sonst. Das schöne Wetter bietet den Bienen und anderen Bestäubern ideale Bedingungen, ihre Aufgabe zu erledigen. Äcker können früher bestellt werden, auf trockenen Böden verursachen die Landwirtschaftsfahrzeuge weniger Bodenverdichtung. Vorteilhaft waren gemäss Beat Felder auch die tiefen Temperaturen im Dezember und im Januar. Dies habe Pflanzen zur Erholung verholfen, Schädlinge hingegen seien zurückgehalten worden.

Irgendwann in den nächsten Tagen ist auch bei den Bauern Regen durchaus willkommen. Wer auf dem Acker gesät hat oder auf Graswirtschaft setzt, wartet jetzt darauf. Wichtig sei jedoch, dass es nicht wieder zu kalt werde, so Felder. Eine Frostnacht zur Unzeit könnte viel Schaden anrichten.


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