Der Zuger Elektrobus hat schon einen Kosenamen

08. März 2017, 00:00

Zug/Berlin Schon in wenigen Monaten soll das gestern präsentierte Gefährt Passagiere vom Zuger Bahnhof zum Gelände der V-Zug im Norden der Stadt bringen – und zwar ganz autonom. Doch vorerst zeigt sich das Fahrzeug noch nicht sehr selbstständig – für die Anreise aus Berlin war es auf einen konventionellen Lieferwagen angewiesen.

Das neuartige Fahrzeug verfügt über einen Elektromotor und wird in Berlin von der deutschen Niederlassung der Firma Local Motors gebaut. Der Stammsitz dieses Start-ups liegt in National Harbour (US-Bundesstaat Maryland) und beschäftigt rund 130 Mitarbeiter. Die SBB und ihre Partner mieten für ihr Projekt zwei Busse beim Hersteller. Der in Zug gezeigte Bus verfügt über acht Plätze. Er ist 3,9 Meter lang, 2,05 Meter breit und 2,5 Meter hoch. Sein Maximaltempo konnte gestern niemand benennen. Entstanden ist die Idee zum Minibus bei einem Wettbewerb – der Urban Mobility Challenge. Das führerlose Fahrzeug hat keine Typenbezeichnung, wird aber «Olli» genannt – offenbar in Anspielung auf einen Tintenfisch dieses Namens.

Derzeit verkehrt ein Minibus in Washington und seit dem vergangenen Dezember ein zweiter in Berlin, wo er Fahrgäste auf einem privaten Campus transportiert. Wie kürzlich bekannt wurde, plant die Deutsche Bahn ebenfalls noch in diesem Jahr einen grossangelegten Versuch – die Rede ist von 50 Minibussen.

Interessant: Rund 20 Prozent der Bauteile für den Minibus werden in einem 3D-Drucker hergestellt. Ein «Olli» besteht aus rund 750 Elementen. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Kleinwagen wird aus über 50000 Teilen zusammengesetzt.

In Sitten fährt bereits ein autonomes Postauto

Bereits seit dem vergangenen Juni ist in der Sittener Altstadt ein Postauto ohne Fahrer unterwegs. Im Unterschied zu dem in Zug geplanten Versuch bewegt sich das Postauto dort aber nicht auf der Strasse, sondern in einer Fussgänger- und Begegnungszone – nicht ganz pannenfrei: Im vergangenen September ist es zu einem Unfall gekommen, als das fahrerlose Postauto die offene Heckklappe eines abgestellten Lieferwagens touchierte.

SBB-Chef Andreas Meyer macht sich keine Illusionen: «Die Minibusse werden das eine oder andere Mal stehen bleiben», ist er sich sicher. Fest steht für Meyer aber: «Ich werde bei der Premierenfahrt dabei sein.» Diese ist für diesen Sommer geplant; das genau Datum steht allerdings noch nicht fest. (mo)


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