Er ist mit seiner Herde seit 45 Jahren auf Wanderschaft

ST. URBAN ⋅ An der Kantonsgrenze zu Bern hat Alessandro Gomiselli mehrere Schafgruppen zu einer grossen Herde zusammengetrieben. Bis Mitte März ist der Hirte nun mit rund 1000 Tieren unterwegs.

28. November 2016, 00:00

Alessandro Gomiselli schreitet zwischen seinen Tieren über eine Wiese bei St. Urban. Der Nebel verzieht sich bald, es ist 6 Grad kühl. Der kräftige Mann aus dem Tessin reibt seine grossen Hände. «Mit den Schafen bin ich 45 Jahre gelaufen. Jetzt kann ich nicht mehr die ganze Zeit unterwegs sein. Der Job ist streng und eher für gesunde Leute mit Kondition. Zudem wartet zu Hause genug Arbeit auf mich», sagt der 64-Jährige mit italienischem Akzent.

Letzte Woche führte er drei Gruppen Lämmer zu einer Herde zusammen. Die rund 1000 Tiere ziehen dieser Tage los. Die Route beziehungsweise das Gebiet ist vorgegeben. Der Schäfer spricht sich im Voraus mit den Bauern, deren Land die Herde durchquert, ab. Gomiselli wird die meiste Zeit von einem Hirten aus Italien vertreten.

Das Wichtigste ist die Klauenpflege

Einen Betreuer für eine Herde zu finden, sei schwierig, sagt Gomiselli, der selber Schafe züchtet und auch Tiere zukauft. «Der Schäfer muss aufmerksam sein, die Herde abends einzäunen und die Wiesen in ordentlichem Zustand verlassen. Sehr wichtig ist die Klauenpflege. Die Schafe müssen gesund sein», beschreibt er die Pflichten des Hirten.

Er entschied sich als junger Bursche für die Schäferei, weil er die Tiere und den Job liebt. «Mit der Herde, Hunden und einem Esel auf Wanderschaft zu sein, bereitete mir Freude. Man hat gesungen oder ein Lied gepfiffen. Viele Jahre übernachtete ich im Zelt, später in einem kleinen Bus.» Ziel der Wanderung ist, dass die Tiere im März ihr Schlachtgewicht erreicht haben. Quasi wie ein Mastbetrieb in der Natur. «Sie dürfen nicht zu schwer sein. Das würde sich auf den Preis auswirken», sagt der Hirte. Milde Winter seien für die Schafe ideal. Sie finden ihr Futter, was für das Wachstum entscheidend ist. Die Herde wird bis im Frühling immer kleiner. Bereits im Dezember werden die ersten Tiere geschlachtet.

In den nächsten Monaten ist Gomisellis Herde rund um den Napf, im Wiggertal und im Hinterland anzutreffen. Vielleicht ist der Tessiner auch dabei. Wenns aus dem Nebel pfeift oder singt, stehen die Chancen gut.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


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