Fall Emmen zieht auch Hellseher an

KRIMINALITÄT ⋅
08. März 2017, 00:00

Kriminalität Es ist ein bekanntes Phänomen: Wenn die Polizei öffentlich nach einem Täter fahndet oder eine vermisste Person sucht, bieten bisweilen Hellseher oder Medien ihre Hilfe an. Das geschah auch im Fall Emmen: Auf der Suche nach dem Täter, der 2015 an der Reuss eine 26-jährige Frau vom Velo gerissen, vergewaltigt und schwer verletzt hatte, ging die Luzerner Polizei den Hinweisen eines Hellsehers nach, wie Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage sagt. Allerdings ohne Erfolg.

Laut Kopp melden sich Hellseher meist direkt nach einem Ereignis, welches kommuniziert wurde. Zum Beispiel bei einem Vermisstenfall. «Die Meldungen prüfen wir, soweit sie seriös sind. Das ist nicht immer der Fall.»

«Keine wirklich brauchbare Information»

Behindern solche Personen auch einmal die Ermittlungen? Laut Kopp kann das dann der Fall sein, wenn sie nicht lockerlassen, obwohl ihre Aussagen nicht stimmen können. «Oder eben dann, wenn sie uns mitteilen, dass eine Person, welche wir als vermisst melden, ‹vermisst› sei. Das ist ja auch keine wirklich brauchbare Information.» Weder die Staatsanwaltschaft noch die Luzerner Polizei hätten bisher einen Hellseher engagiert. Auch würde solchen Personen nichts für ihre Dienstleistung bezahlt.

Das kommt in anderen Kantonen durchaus vor, wie Claudia Zuccolo auf Anfrage erklärt. Sie ist ein selbst ernanntes Medium – stellt also Kontakte zu Toten her – und Mitglied der Schweizerischen Parapsychologischen Gesellschaft mit Sitz in Zürich. Dass sich immer wieder Hellseher bei den Behörden melden, sei zwar eine Tatsache. «Dies kann aus unterschiedlichen Beweggründen geschehen, die wir nicht kommentieren können. Wir als Gesellschaft würden von uns aus nicht diesen Weg gehen und unsere Hilfe anbieten.» (avd)


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