Flugplatz-Gegner befürchten doppelt so viele Flüge

EMMEN ⋅ Weil der Bund den Flugplatz Sion künftig nicht mehr militärisch nutzen will, befürchtet der Schutzverband um den Flugplatz Emmen deutlich mehr Flüge durch Militärjets als bisher. Der Verband wehrt sich – zu Unrecht, findet der Bund.

29. November 2016, 00:00

Der 92 Seiten lange Sachplan Militär 2017 ist eine trockene Lektüre, die allerdings für Zündstoff sorgt. Darin wird erwähnt, dass die militärische Nutzung des Flugplatzes Sion bis spätestens in fünf Jahren eingestellt wird. Dies bedeutet, dass sich der Kampfjetbetrieb ab dem Jahr 2022 auf die Flugplätze Payerne, Meiringen und Emmen beschränken wird. Der «Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen» (SFE) übt darum massive Kritik am Sachplan.

Der Verband befürchtet, dass sich die Flugbewegungen in Emmen verdoppeln werden – und somit auch der Fluglärm zunimmt. «Was harmlos daherkommt, hat einschneidende Konsequenzen für die Zentralschweiz», schreibt Luzius Hafen, Präsident des SFE, in der gestrigen Medienmitteilung. In dieser informiert er über die einzelnen Kritikpunkte, welche der Verband zum Sachplan äussert – und ruft zudem zum Widerstand gegen die Pläne des Bundes auf. Der Sachplan ist derzeit in der Vernehmlassung, für die Bevölkerung bis zum 8. Dezember und für die Kantone bis Ende Januar 2017.

Bund kontert: «Milchbüechlirechnung»

Diese Kritik komme nicht überraschend, sei jedoch ungerechtfertigt, sagt auf Anfrage Renato Kalbermatten, Sprecher des Departements Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). «Für den Flugplatz Emmen ändert sich mit dem neuen Sachplan praktisch nichts.»

Die Berechnung der Anzahl Flugbewegungen, mit welcher der SFE seine Kritik stützt, ist laut Kalbermatten eine «Milchbüechlirechnung» und basiere auf Spekulationen. Gemäss dem SFE wird es in Emmen durch den Verzicht des Flugplatzes Sion 6000 bis 7000 Kampfjetbewegungen pro Jahr geben, statt wie bisher rund 3400. Dies, weil die Luftwaffe auch in fünf Jahren noch an insgesamt 22 000 Kampfjetbewegungen festhalte.

Letzteres dementiert Kalbermatten nicht, er betont aber, dass es bei diesen Zahlen nur um eine Höchstzahl gehe, welche nicht zwingend erreicht werde. «Mit seiner Argumentation will der SFE nur Ängste schüren.» Zur Frage, wie die Flugbewegungen nach dem Verzicht auf Sion denn genau aufgeteilt werden, gibt sich Kalbermatten vage: «In den vergangenen Jahren wurden Flugstaffeln reduziert und Flugbewegungen ins Ausland verlegt.» Die Flugbewegungen in Emmen würden sich deshalb nicht verändern.

Anders sieht dies Luzius Hafen vom SFE. «Jetzt wird sich natürlich noch wenig ändern, aber spätestens, wenn die Luftwaffe neue Jets kaufen wird, haben wir den Salat.» Er ist deshalb überzeugt, dass jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Hafen kritisiert die Kommunikation des VBS: «Das VBS kann uns seit 2013 keine genauen Zahlen liefern, kritisiert uns aber, wenn wir eine eigene Rechnung machen.» Die Gemeinde Emmen und der Kanton Luzern wollen sich auf Anfrage mit Verweis auf das laufende Vernehmlassungsverfahren noch nicht zu den Plänen äussern.

Nicht nur in Emmen, auch im Berner Oberland wächst der Widerstand. Wie die «Berner Zeitung» in diesen Tagen berichtete, wehrt sich der Hotellerieverein Brienz ebenfalls gegen eine befürchtete Zunahme des Fluglärms um den Flughafen Meiringen.

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

«Spätestens wenn die Luftwaffe neue Jets kaufen wird, haben wir den Salat.»

Luzius Hafen

Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen


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