Gewalt sinkt bei Erwachsenen – und steigt bei Jugendlichen

09. März 2017, 00:00

Statistik 49911 Fälle sind bei der Luzerner Staatsanwaltschaft letztes Jahr eingegangen. Damit wurde der Rekord von 2015 mit 50165 Fällen knapp nicht erreicht. Oberstaatsanwalt Daniel Burri sprach gestern von einer «konstant hohen Arbeitslast». Das zeige sich auch am Erledigungsquotienten. Im Verhältnis zu den innert Jahresfrist eingegangenen Fällen konnten nur 98 Prozent abgeschlossen werden. 2015 waren es 102 Prozent. «Ohne die neue Wirtschaftsabteilung wäre der Quotient des letzten Jahres allerdings noch tiefer», sagte Burri. Guido Emmenegger, Leiter Zentrale Dienste, ergänzte, dass vor allem die Zahl der mittels Strafbefehl erledigten Fälle abgenommen hat: von 41883 im Jahr 2015 auf 39373 im letzten Jahr. Das habe mit der generell etwas tieferen Fallzahl zu tun, aber auch mit strikteren Vorgaben. So müssten zunehmend Fälle direkt an die Gerichte gewiesen werden. Das sei insofern schade, so Emmenegger, als dass «Strafbefehle unsere Geldmaschine sind». Daraus entstehen Geldstrafen und Bussen, die in die Kasse der Staatsanwaltschaft fliessen.

Nach wie vor der grösste Teil der Delikte machen Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz aus; knapp 30000 Fälle waren es letztes Jahr. Neu an zweiter Stelle – allerdings mit grossem Abstand – sind Delikte aus der Kategorie «andere». Darunter fallen vor allem Fälle des Schwarzfahrens. 5316 Fälle stammen insgesamt aus dieser Kategorie – 9Prozent mehr als 2015.

Dafür hat die Zahl der Vermögensdelikte abgenommen; um 9 Prozent auf 4885. Das passt generell ins Bild der von Erwachsenen begangenen Delikte: 6 Prozent weniger im Bereich Leib und Leben, 26 Prozent weniger im Bereich Freiheit (wozu auch Hausfriedensbrüche zählen), 19,5 Prozent weniger im Bereich der Sexualdelikte. Kurzum: Die Delinquenz vor allem im gewalttätigen Bereich ist rückläufig. Das war im Berichtsjahr 2015 auch bei den Jugendlichen der Fall – letztes Jahr allerdings musste die Jugendstaatsanwaltschaft wieder mehr gewalttätige Delikte bei den 10- bis 18-Jährigen verzeichnen (siehe Grafik).

Zwar sank die Gesamtzahl der eingegangenen Fälle innerhalb eines Jahres von 1868 auf 1448. (Burri: «Das entspricht dem schweizweiten Trend: Es wird weniger gekifft oder schwarzgefahren.») Doch die Zahl der Tätlichkeiten etwa stieg von 25 auf 48. Laut Emmenegger lässt sich diese Tendenz damit erklären, dass Eltern rascher Anzeige erstatten, wenn zum Beispiel ihr Sohn von einem Gleichaltrigen eine Ohrfeige einstecken musste.

Ein Angriff von Jugendlichen – vier Fälle

Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der Fälle von Körperverletzung – von 12 auf 18. Das erklärt Daniel Burri mit einer Schwankung im statistischen Bereich. Beim Straftatbestand des Angriffs – eine Gruppe Jugendlicher greift einen oder mehrere Unbeteiligte an – stieg die Zahl von 0 auf 8. Das ist im Wesentlichen auf einen einzigen Vorfall zurückzuführen, bei dem vier Jugendliche mit jungen Erwachsenen in eine «Rutzerei» gerieten.

Einen einzigen Fall (2015 gab es keinen) gab es im Bereich Tötung. Wobei es sich um einen Tötungsversuch handelte, begangen von einem Jugendlichen an einer Lehrperson. Da der Jugendliche in Nidwalden wohnt, hat die Luzerner Staatsanwaltschaft den Fall an die Nidwaldner Behörden abgegeben. (avd)


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