Hier landen die letzten Äpfel in der Obstkiste

TAFELOBST ⋅ Jonagold, Golden Delicious und Kanzi: Diese Apfelsorten werden derzeit geerntet. Wegen des kalten und nassen Frühlings müssen die Bauern mit Ertragseinbussen rechnen. Lokal gibt es grosse Unterschiede.

14. Oktober 2016, 00:00

Ein süsser Gala? Ein süss-wür­ziger Golden Delicious? Oder der Vitamin-C-haltige Braeburn? Das sind gemäss Bundesamt für Landwirtschaft die beliebtesten Apfelsorten von Herr und Frau Schweizer. 16 Kilogramm Äpfel isst ein Schweizer pro Jahr. Darum erstaunt es nicht, dass die landesweite Fläche für Tafel­äpfel mit 3853 Hektaren ungefähr gleich gross ist wie die Luzerner Gemeinde Luthern.

Der Kanton Luzern baut im Vergleich zu den Kantonen Thurgau und St. Gallen (1750 Hektaren) mit 138 Hektaren wenig Äpfel an. Von den 138 Hektaren wird auf 32 die beliebteste Sorte Gala angebaut. Nach den Birnen, die im September geerntet wurden, werden in diesen Tagen die letzten Äpfel gepflückt. Bei den Birnen ist die Kaiser Alexander der Favorit, gefolgt von Williams-Birnen und der Conférence.

Einer, der derzeit alle Hände voll zu tun hat, ist Markus Thali (34) aus Gelfingen. Der Bauer und zugleich Präsident des Luzerner Obstbauvereins besitzt rund acht Hektaren Apfel- und Birnenbäume. Der diesjährige Ernteertrag sei lokal sehr unterschiedlich ausgefallen, bilanziert Thali. «Einige Bauern hatten eine deutlich bessere Ernte als im Vorjahr, und andere melden Verluste von bis zu 20 Prozent.» Auch Thali muss heuer mit etwas geringeren Erträgen rechnen. «Der Frühling war sehr nass und kalt, das hat bei einigen Früchten Frostringe hinterlassen.» Die angeschlagenen Früchte landen in der Mosterei. Trotz Ernteeinbusse ist der Landwirt zufrieden mit dem Ergebnis, wie er sagt.

Im Jahr 2015 war die Situation eine andere: Weil es während der Frühsommermonate wenig geregnet hatte, litten die Äpfel und Birnen unter der Trockenheit. Die Früchte sind dadurch 1 bis 2 Millimeter kleiner ausgefallen, was die Ertrags­menge bei frühen Sorten wie Gala, Elstar und Gravensteiner merklich beeinflusste.

Eine Apfelsorte hat besonders gelitten

Markus Hunkeler ist beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) in Hohenrain zuständig für Spezialkulturen und Pflanzenschutz. Er sagt: «Äpfel der Sorte Jonagold haben unter dem Frost am meisten gelitten.» Die anderen Sorten seien offenbar weniger empfindlich. Trotz Frostringen schätzt Hun­keler die Ernteeinbusse nicht als dramatisch ein. «Die Ernte wird schätzungsweise tiefer ausfallen, aber die durchschnittliche Marktmenge können wir halten.»

Zu einem ähnlichen Schluss kommt das Bundesamt für Landwirtschaft in seiner Schätzung. In Zahlen heisst das: Pro Hektare wurden 2015 schweizweit rund 35,5 Tonnen geerntet. Heuer rechnet man mit 34,7. In den Regionen Ostschweiz und Genferseegebiet wird hingegen eine bessere Ernte erwartet als 2015. In einem durchschnittlichen Jahr werden landesweit etwa 100000 Tonnen Äpfel geerntet.

In der Zentralschweiz wachsen auf rund 200 Hektaren Tafeläpfel. Nach Luzern mit 138 Hek­taren folgen Zug mit knapp 50 und Schwyz mit 15 bis 20 Hek­taren. Der Grossteil der Äpfel werde in den Seeregionen angebaut, sagt Markus Hunkeler. «Die meisten Obstbauern wohnen in der Nähe eines Gewässers wie beispielsweise dem Sempacher- oder Baldeggersee.» In den Seeregionen ist das Klima besonders gut für die Obstbäume. Das gilt auch für die Hochstammbäume: Von rund 250000 Hochstammbäumen im Kanton befinden sich zirka 60000 im Seetal. Die Früchte der Hochstammbäume werden in der Regel zu Most verarbeitet.

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch


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