Kokainhändlerin muss nur vier Jahre hinter Gitter

20. April 2017, 00:00

Bundesgericht Die Ehefrau eines Kokainbosses, die bei Auslandaufenthalten ihres Mannes in Luzern die Stellung gehalten hat, muss definitiv nur vier Jahre ins Gefängnis. Dies hat das Bundesgericht in Lausanne entschieden, nachdem die Luzerner Staatsanwaltschaft eine härtere Strafe gefordert hatte.

Der Fall ist Teil eines umfassenderen Strafverfahrens gegen eine internationale Drogenbande. Diese soll zwischen 2005 und 2009 mit fast 54 Kilo Kokain gehandelt, dabei einen Umsatz von 3,5 Millionen Franken sowie einen Gewinn von fast 810000 Franken erzielt haben. Ins Visier der Staatsanwaltschaft geriet auch die Ehefrau des Drahtziehers. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, verschiedene kriminelle Handlungen begangen und insbesondere während der zahlreichen Auslandaufenthalte ihres Gatten mit grossen Drogenmengen gehandelt zu haben.

Staatsanwaltschaft hält Urteil für «unhaltbar mild»

Das Luzerner Kantonsgericht sprach die Frau in zweiter Instanz der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der banden- und gewerbsmässigen Geldwäscherei schuldig und bestrafte sie mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 30 Franken. Der Luzerner Oberstaatsanwaltschaft erschien diese Strafe «unhaltbar mild». Sie gelangte deshalb ans Bundesgericht. Zur Begründung führte sie an, die Ehefrau des Kokainbosses sei Hausherrin der Familienwohnung und somit des Hauptquartiers des Drogenhandels gewesen. Dort seien Kuriere ein und aus gegangen wie auch die Drogen und das Drogengeld versteckt worden. Zudem sei die Frau die einzige Zugriffsberechtigte des benutzten Bankkontos gewesen.

Nur Anweisungen des Mannes ausgeführt

Das Bundesgericht hat nun die Beschwerde abgewiesen und entschieden, dass die gefällte Strafe gesamthaft gesehen im Rahmen des Ermessens liegt, obwohl die Kritik der Staatsanwaltschaft in einigen Punkten gerechtfertigt war. In verschiedener Hinsicht lag die Staatsanwaltschaft aber auch falsch, und ihre Argumentation war nicht stichhaltig. «Ihre Kritik erschöpft sich in unbelegten Behauptungen», heisst es im Urteil aus Lausanne. Insbesondere gelang es der Staatsanwaltschaft laut Bundesgericht auch nicht aufzuzeigen, dass der – stets überwachten – Frau Entscheidungskompetenz zugekommen war. Wesentlich war für die Lausanner Richter auch, dass ausschliesslich der Ehemann, von dem die Frau inzwischen geschieden ist, von den Erlösen aus dem Drogenhandel profitiert hatte.

Urs-Peter Inderbitzin

kanton@luzernerzeitung.ch

Urteil 6B_1001/2016


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