Nun dürfen auch Apotheker zur Spritze greifen

GESUNDHEIT ⋅ Impfen in der Apotheke: Davon können Luzerner ab dem 1. Mai profitieren. Bis jetzt war das Impfen ausschliesslich Sache von Ärzten und Pflegern. Die Ärzte stehen dem neuen Angebot offen gegenüber – glauben aber nicht, dass sie entlastet werden.
13. April 2017, 00:00

In der Mittagspause spontan in die nächste Apotheke gehen und die Grippeimpfung machen oder sich von einem Apotheker nach dem Feierabend gegen Zecken impfen lassen. Das ist im Kanton Luzern ab dem 1. Mai möglich. Dann können Apothekerinnen und Apotheker im Kanton Luzern selbstständig bestimmte Impfungen vornehmen, wie die Staatskanzlei gestern mitteilte.

Erlaubt sind in der Apotheke künftig die Impfung gegen Grippe sowie gegen Zecken – und dies auch ohne ärztliche Verschreibung. Ausserdem dürfen Apotheker weitere Impfungen vornehmen, wenn die Erstimpfung durch einen Arzt erfolgt ist. Impfungen in der Apotheke sind ab Mai bei gesunden und über 16-jährigen Personen erlaubt.

Apotheker wollen sich für Grippesaison wappnen

Karin Häfliger ist beim Luzerner Apotheker-Verein für die Kommunikation zuständig. Sie sagt: «Dieser Entscheid freut uns enorm, und wir bedanken uns beim Gesundheits- und Sozialdepartement für das schnelle Handeln.» Der Apotheker-Verein hat beim Kanton Luzern Mitte 2015 einen Antrag gestellt (Ausgabe vom 17. September). Obwohl die neue Regelung bereits per 1. Mai in Kraft tritt, betont sie: «Ich rechne nicht damit, dass eine Luzerner Apotheke die Impfung bereits ab diesem Zeitpunkt anbietet.» Doch jetzt, wo Planungssicherheit gelte, könnten die Apotheker vorwärtsmachen. Denn Häfliger ergänzt: «Wir möchten für die diesjährige Grippesaison gewappnet sein.» Sie geht davon aus, dass künftig rund die Hälfte der Luzerner Apotheken Impfungen anbieten werden.

Zu den Gründen für die neue Regelung sagt Hanspeter Vogler, beim Gesundheits- und Sozialdepartement für den Fachbereich Gesundheit zuständig: «Damit entsteht eine weitere unkomplizierte Möglichkeit, sich impfen zu lassen und im Gesundheitswesen Kosten zu sparen.» Mit dem «leichtzugänglichen» Angebot soll die Durchimpfungsrate erhöht werden. Konkret: Der Anteil der Geimpften an der Bevölkerung soll steigen.

Laut Karin Häfliger könnte das Angebot vor allem von gesunden Jungen genutzt werden. «Für diese ist ein Arztbesuch oft zu aufwendig.» Berappen müssen die Impfungen in den Apotheken in der Regel die Patienten – ausser es besteht ein Vertrag mit den Krankenkassen. Die Kosten für eine Grippeimpfung liegen bei zirka 30 Franken.

Häfliger betont, dass das Impfangebot für die Apotheker finanziell gesehen nicht interessant sei. Zumal die Impfbewilligung eine Ausbildung verlangt. So müssen die Apotheker, welche impfen wollen, über den Fähigkeitsausweis FPH «Impfen und Blutentnahme» verfügen. Dieser kostet rund 3000 Franken. Derzeit sind im Kanton Luzern 28 Apotheker entsprechend ausgebildet, wie Karin Häfliger sagt. Nicht alle davon sind aber auch hier tätig. «Wir haben unsere Mitglieder dazu aufgerufen, die entsprechende Ausbildung zu machen», sagt sie weiter. Viele der Kurse würden nun in den nächsten Monaten stattfinden. Eine weitere Voraussetzung für das Impfen in der Apotheke ist, dass diese über geeignete Räumlichkeiten wie etwa ein separates Zimmer verfügen.

Die kantonale Ärztegesellschaft stand den Plänen der Apotheker ursprünglich skeptisch gegenüber. Nun sagt deren Präsident Aldo Kramis: «Seit dem Austausch mit den Apothekern erachten wir das Angebot grundsätzlich als positiv.» Die Gefahr einer Konkurrenz sieht er als gering an. Nicht zuletzt, weil der Aufwand für die Apotheker gross sei und nur gewisse Impfungen möglich seien. Und Kramis ergänzt: «Ich gehe nicht davon aus, dass wir Hausärzte durch diese Massnahme entlastet werden.» Auch die Folgen auf die Durchimpfungs­rate schätzt er geringer ein als der Kanton sowie die Apotheker.

Angebot gibt es bereits in 15 Kantonen

Impfen in der Apotheke ist derzeit in 15 Kantonen erlaubt – in der Zentralschweiz dürfen lediglich Schwyzer Apotheker zur Spritze greifen. Im Kanton Luzern sind mehr Impfungen erlaubt als in anderen Kantonen – wie etwa in Bern, wo nur die Grippeimpfung vorgenommen werden darf. Häfliger sagt dazu: «Wir profitieren von den positiven Erfahrungen in den anderen Kantonen. Die Ausgestaltung im Kanton Luzern gleicht derjenigen in anderen Kantonen, die das Impfen in der Apotheke seit kurzem erlauben.»

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch


Login

 
Leserkommentare

Anzeige: