Peruanische Bauern schnuppern im Entlebuch am Erfolg

SCHÜPFHEIM ⋅ Kakaobauern aus Peru sind zu Besuch in der Schweiz. Sie erfahren hier mehr darüber, wie ihr Produkt zu Schokolade verarbeitet wird. Die Biosphäre Entlebuch spielt dabei eine wichtige Rolle.

22. November 2016, 00:00

Der Empfang ist herzlich. Drei Kakaobauern, zu Hause im peruanischen Amazonasgebiet, wurden gestern Nachmittag von der Bauernfamilie Schmid oberhalb von Schüpfheim willkommen geheissen. Ein zufälliges Treffen ist das nicht. In gewisser Weise arbeiten die Bauern zusammen. Die Peruaner sorgen für genügend und qualitativ guten Kakao; die Schweizer stellen sicher, dass ausreichend Milch vorhanden ist. Am Schluss schmelzen die Zutaten zu Schweizer Schokolade zusammen.

Beim Treffen geht es aber um mehr als «nur» Schokolade. Das Schweizer Start-up Choba Choba, welches vor einem Jahr gegründet wurde, will nichts weniger als eine Schokoladenrevolution. Der Name, ein Ausdruck in der indogenen Sprache Quechua, steht für «du hilfst mir, ich helfe dir». Hinter dem ehrgeizigen Ziel stecken der Berner Christoph Inauen und der Franzose Eric Garnier – beide arbeiteten sie früher bei grossen Schokoladenproduzenten. Ihnen war die Behandlung, wie sie Kakaobauern in Südamerika von internationalen Lebensmittelkonzernen erfahren, ein Dorn im Auge. «Die Kleinbauern verdienen im Schnitt nur rund zwei Dollar pro Tag und haben nichts zu sagen», erklärt Christoph Inauen. Also hat er zusammen mit seinem Geschäftspartner die Idee entwickelt, den Zwischenhandel zu umgehen. Denn im Zwischenhandel hätten zu viele Konzerne, Händler und Spekulanten zu viel zu sagen. Choba Choba dagegen will mit den Bauern zusammenarbeiten. Deswegen sind diese nicht «nur» Lieferanten von Kakao, sondern auch Miteigentümer des Unternehmens – in den Augen von Ineichen eine Revolution. 36 Kakaobauern aus Peru sind vorerst Teil des Start-ups. «Wir wollen damit zeigen, dass andere Formen des Schokoladengeschäfts möglich sind. Bei uns hat der Bauer etwas zu sagen.» Das Projekt laufe bis dato sehr gut.

Zutaten aus zwei Biosphären

Nun startet die nächste Phase. Kommende Woche wird die neueste Schokolade vorgestellt. Sie entstand in Zusammenarbeit mit Landwirten aus dem Entlebuch, wie dem erwähnten Betrieb von Anton Schmid in Schüpfheim. Die Milch stammt also aus einer Biosphäre in der Schweiz, der Kakao wiederum aus einer Biosphäre in Peru – dem Gran Pajaten im Amazonasgebiet. Das ist allerdings Zufall, wie Inauen einräumt. Denn erst im März dieses Jahres sei das Gran Pajaten von der Unesco als Biosphäre anerkannt worden. Im 2,5 Millionen Hektar grossen Gebiet leben 170 000 Personen.

Die eingangs erwähnten drei Kakaobauern sind nun wegen der neuen Schokolade in der Schweiz. Ihnen wird gezeigt, wie das Produkt hergestellt wird. So besuchten die drei Peruaner mitsamt ­Begleitpersonen gestern die Schokoladenfabrik Felchlin im schwyzerischen Ibach. Danach ging es weiter auf den Bauernhof von Anton Schmid. Kakaobauer Oswaldo del Castillo war sichtlich interessiert am Gezeigten. Zudem setzt er grosse Hoffnungen in das Projekt: «Es hat uns Kakaobauern jetzt schon viel geholfen. Es ist ein grosser Schritt in die richtige Richtung.» Del Castillo ist gleichzeitig auch Präsident der Schokoladenbauern für Choba Choba. Er erklärt, dass die Bauern 5 Prozent des Gewinns erhalten und ein fairer Preis für ihr Produkt bezahlt wird. Das Gemeinschaftsprojekt scheint also für zufriedene Gesichter zu sorgen – hüben wie drüben.

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch


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