Signal aus Bern spaltet Luzern

STADTAUTOBAHN ⋅ Der Bundesrat gibt für das Bypass-Projekt grünes Licht und stellt die Verlängerung eines Tunnels in Aussicht. Das freut zwar den Regierungsrat, ärgert aber ein Komitee aus Kriens.

17. November 2016, 00:00

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Die geplante Stadtautobahn durch Luzern ist eine Etappe weiter. Denn gestern hat der Bundesrat dem generellen Projekt zum Gesamtsystem Bypass zugestimmt – und damit den geschätzten Kosten von 1,7 Milliarden Franken. Der Bypass soll das Stadtzentrum vom Verkehr entlasten und besteht aus folgenden vier Teilen:

der Autobahn-Erweiterung zwischen dem Anschluss Buchrain und der Verzweigung Rotsee von vier auf sechs Spuren,

einem neuen Tunnel mit zwei zweispurigen Röhren zwischen Ibach in Luzern und Grosshof in Kriens,

dem bestehenden Autobahnabschnitt zwischen Lochhof und Kriens, der neu dem regionalen Strassenverkehr dienen soll,

dem Abschnitt zwischen Horw und Hergiswil mit drei Spuren pro Fahrtrichtung.

Neu im Vergleich zum bereits kommunizierten Projekt ist die südliche Verlängerung des Sonnenbergtunnels um 200 Meter, wie Thomas Rohrbach, Mediensprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra), auf Anfrage erklärt. Mit der Verlängerung rea­giert das Astra auf Forderungen aus Kriens; sie sei «ein Entgegenkommen im Rahmen des Möglichen», so Rohrbach.

Dieses genügt dem «Komitee Bypass – so nicht!» allerdings keineswegs, wie dessen Präsidentin Kathrin Graber betont. Die Krienser CVP-Einwohnerrätin hält an der Forderung fest, den Tunnel bis zum Bereich Arsenalstrasse zu verlängern. Zusätzlich müsse der Bund weitere Massnahmen zu ÖV und Langsamverkehr prüfen. «Wir werden am 8. Dezember beim Bund eine Krienser Petition mit unseren Forderungen einreichen», sagt Graber. Der Bund nehme die Anliegen aus Kriens schlicht zu wenig wahr.

Anders tönt es bei Regierungsrat und Baudirektor Robert Küng (FDP): «Ich freue mich über den Entscheid! Die Genehmigung des generellen Bypass-Projekts ist ein Meilenstein für ein Schlüsselprojekt des Agglomerationsprogramms Luzern.» Was den südlichen Teil betrifft, seien die Anpassungen beim Grosshof substanziell, das Astra sei den Forderungen aus Kriens weit entgegengekommen. Der Krienser Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne) war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Spange und Bypass «wie Zwillinge»

Mit dem Bundesprojekt Bypass eng verknüpft ist das kantonale Projekt Spange Nord: der auf 200 Millionen Franken veranschlagte Autobahnzubringer zwischen Schlossberg und Fluhmühle auf der linken Reussseite. Dazu schreibt der Bund: «Die Spange Nord erhöht den Nutzen des Bypasses Luzern.» Der Kanton hat hierzu kürzlich das überarbeitete Vorprojekt in eine zweite Vernehmlassung geschickt. Die Reaktionen dürften verhalten ausfallen (Ausgabe vom 10. November). Robert Küng erklärt dazu: «Nur mit dem neuen Autobahnanschluss Lochhof und der Spange Nord profitiert die Agglomeration vollumfänglich vom Bypass.» Die Spange Nord entlaste die zentralen Stadtgebiete vom Autoverkehr. Diese Entlastung helfe wiederum dem öffentlichen Verkehr.

Erfreut nimmt das Signal aus Bern auch der Luzerner Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne) zur Kenntnis: «Das entspricht der Linie des Stadtrats. Dieser hat sich stets für beide Grossprojekte – Bypass und Durchgangsbahnhof – ausgesprochen. Beide sind sehr wichtig für Luzern.» Was bedeutet der Bundesratsentscheid aus Stadtratssicht für die Spange Nord? «Der Bund behandelt die beiden Projekte wie Zwillinge.» Nun gelte es, über die Vernehmlassung ­allenfalls Einfluss auf die Spange zu nehmen. Über die Haltung des Stadtrats zum Vorprojekt könne Borgula noch nichts preisgeben: «Das werden wir im Januar kommunizieren.»

Zurück zum Bypass. Das Projekt hat noch lange nicht freie Fahrt. Als Nächstes steht auf Bundesebene die parlamentarische Beratung über die Verwendung der Gelder aus dem so genannten Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds an. Der Fonds ist das Pendant zum Bahninfrastrukturfonds Fabi und soll voraussichtlich im kommenden Februar durch das Parlament auf Verfassungsstufe verankert werden. National- und Ständerat werden danach festlegen, ob und in welchem Zeitraum der Bypass realisiert wird. Als weitere Etappe wird der Bund ein Ausführungsprojekt ausarbeiten, das dann öffentlich aufgelegt wird.

Derzeit geht der Bund von einem optimistischen Baubeginn im Jahr 2025 aus, frühestens eröffnet würde der Bypass 2035.

«Die Genehmigung des Bypass-Projekts ist ein Meilenstein.»

Robert Küng

Baudirektor Kanton Luzern


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