So nutzen Kantone die sozialen Medien

ZENTRALSCHWEIZ ⋅ Mit den Bürgern über Facebook oder Twitter kommunizieren, das ist für viele Verwaltungen nicht mehr wegzudenken. Die Seiten von Luzern, Uri und Nidwalden gehören schweizweit sogar zu den beliebtesten.

17. Oktober 2016, 00:00

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Was in der Verwaltung eines Kantons alltäglich beschlossen oder behandelt wird, dringt nicht immer bis zu allen Bürgern durch. Oder wissen Sie, welche Geschäfte derzeit von der «Behörde» bearbeitet werden? Mittlerweile veröffentlichen die Kantone viele Mitteilungen im Internet. Um ein grösseres Publikum – sprich, ihre steuerzahlenden Bürger – erreichen zu können, nutzen die Verwaltungen immer häufiger Plattformen der sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Youtube oder Linkedin. Sie erlauben es den Bürgern zudem, sich einfach, direkt und auf schnellem Weg bei ihrem Kanton zu melden.

Nun zeigt sich, dass die Zentralschweizer Kantone im schweizweiten Vergleich stark präsent sind in den sozialen Medien, wie die Beratungsstelle Soziale Medien kürzlich mitteilte. Der Kanton Luzern etwa hat auf Facebook so viele «Freunde» wie kaum ein anderer Kanton. 4540 Personen haben aktuell die Seite mit «gefällt mir» markiert (siehe Tabelle). Nur die Facebook-Seite der Kantonsverwaltung Aargau hat noch mehr Fans, nämlich 10170. Aktiv ist der Kanton Luzern zudem auf Twitter – mit aktuell 2120 Followers. Auf den Plattformen publiziert der Kanton Meldungen aus allen Verwaltungsbereichen, aktuell beispielsweise zur neuen Verkehrsführung beim Seetalplatz. Mit dieser Art der Kommunikation habe man positive Erfahrungen gemacht, sagt Philipp Berger, Kommunikationsbeauftragter der Staatskanzlei, auf Anfrage: «Es wird immer schwieriger, mit politischen Inhalten in der Bevölkerung präsent zu sein. Über die Social-­Media-Kanäle erreichen wir Bürger, die wir mit einem klassischen Medienmitteilungsversand nicht erreichen. Zudem können wir wichtige Informationen multimedial erschliessen und verbreiten.» So können neben einer schriftlichen Mitteilung gleich noch das dazugehörende Video oder weitere Links aufgeschaltet werden. Und die Bürger können einen Beitrag direkt kommentieren, teilen oder «liken». Auch persönliche Fragen können direkt an die Staatskanzlei gestellt werden. «Uns erreichen monatlich durchschnittlich 30 direkte Rückmeldungen», so Berger. Die Antwort lässt jeweils nicht lange auf sich warten, wie ein Eigenversuch bestätigt. Nach rund einer halben Stunde hat die Staatskanzlei die Anfrage unseres Autors beantwortet. Für die Betreuung der Social-Media-Plattformen wendet der Kanton 10 bis 15 Stellenprozente auf, so Berger.

Twitter in Uri und Nidwalden beliebt

Doch nicht nur der grösste Zentralschweizer Kanton ist in den sozialen Medien vergleichsweise stark präsent. Was die Anzahl Twitter-Followers betrifft, sind Uri und Nidwalden schweizweit vorne mit dabei. Im Verhältnis zu ihren Einwohnerzahlen haben sie am zweit-, respektive drittmeisten Followers: Uri hat derzeit deren 1045, was 2,9 Prozent der Wohnbevölkerung entspricht, und Nidwalden 935 Followers, 2,1 Prozent der Bevölkerung. Angeführt wird die Tabelle von Basel-Stadt mit 6475 Personen, die den Twitter-Dienst abonniert haben, respektive 3,3 Prozent.

Uri stellt seine Medienmitteilungen seit über sieben Jahren eins zu eins auf Twitter. «Dies der Not gehorchend, da unsere personellen Kapazitäten zur Pflege der sozialen Medien beschränkt sind», erklärt Landschreiber Adrian Zurfluh gegenüber der Beratungsstelle Soziale Medien. Damit habe man «durchaus positive» Erfahrungen gemacht. Ähnliches ist auch aus Nidwalden zu hören. Kommunikationsbeauftragte Noémie Schafroth ergänzt: «Wir erhalten zu allen möglichen Themen Anfragen via soziale Medien – vor allem über Facebook. Kürzlich kontaktierte uns eine französische Staatsbürgerin über Facebook. Sie wollte wissen, wie die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Nidwalden seien.» Nach Möglichkeit beantwortet Schafroth die Anfragen gleich selber. Bei Fragen, die zuerst genauere Abklärungen erfordern, leitet sie diese an das dafür zuständige Amt weiter.

Die Kantonsverwaltungen in Zug, Obwalden und Schwyz haben keine eigene Seite in den sozialen Medien. Dort haben die einzelnen Ämter oder Dienststellen eine eigene Seite.

Expertin: Bürger werden nicht umfassend informiert

Dass die Kantone die sozialen Medien nutzen, ist zeitgemäss. Dies dürfte unbestritten sein. Allerdings stellt Sophie Mützel, Assistenzprofessorin für Soziologie mit Schwerpunkt Medien und Netzwerke an der Universität Luzern, den effektiven Nutzen für die Bürger in Frage. Da die Verwaltungen täglich bloss einen bis fünf Beiträge publizieren, erreiche man nur ein kleines Publikum. «Die Bürger, die sowieso in den sozialen Medien eingeloggt sind, werden eher per Zufall auf die Beiträge stossen», so Mützel. Mit den wenigen Beiträgen könne man die Bürger nicht umfassend informieren. Und: «Oftmals posten die Kantone Tweets, die zwar auf Pressemitteilungen verweisen, die an sich aber nicht einfach verständlich sind. Die Inhalte stehen nicht in einem grösseren Kontext, wie dies etwa bei den Zeitungen oder Radios der Fall ist.» Laut Mützel ist es deshalb empfehlenswert, dass eine Verwaltung die sozialen Medien nach einer klar definierten Kommunikationsstrategie nutzt. Dann sei es durchaus möglich, gerade etwa Bürgernähe zu zeigen und dem Publikum die Möglichkeit zu bieten, auf Beiträge direkt zu reagieren.


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