Tele-1-Nachrichten sind bald für Hörbehinderte zugänglich

FERNSEHEN ⋅ Regionale TV-Sender müssen ab April ihre Hauptnachrichten untertiteln. Das stellt auch Tele 1 vor eine Herausforderung. Man habe den Aufwand zu Beginn unterschätzt, heisst es.
13. März 2017, 00:00

Ab nächstem Monat muss Tele 1 seine 18-Uhr-Nachrichten untertiteln. So will es das Gesetz. Damit ist der regionale TV-Sender nicht alleine. Alle 13 konzessionierten, regionalen Fernsehstationen sind ab April verpflichtet, die erste Wiederholung ihrer Hauptinformationssendungen mit Untertiteln zu versehen. So will es eine Verordnung des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom).

Hintergrund dieser Verordnung ist das revidierte Radio- und Fernsehgesetz, welches das Stimmvolk 2015 angenommen hat. Aufgrund dessen müssen die Fernsehstationen ihre Sendungen auch hörbehinderten Menschen zugänglich machen. Für die Fernsehstationen bedeutet dies einen Mehraufwand. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten, wie Tele-1-Chefredaktor Adriano Gerussi sagt. Tele 1 gehört wie diese Zeitung zur LZ Medien AG.

Neue Mitarbeiter benötigt

Seit dem 3. Januar befinde man sich in der Testphase. «Praktisch jeder unserer Mitarbeiter wurde für diese Arbeit geschult und kann die Nachrichten mit Untertiteln versehen», sagt Gerussi. Doch alleine mit internen Mitarbeitern stösst der Sender an seine Grenzen, weshalb nach zusätzlichen Arbeitskräften gesucht wurde. 70 Personen hätten sich auf das Inserat gemeldet. «Nun haben wir einen Pool mit Free­lancern gegründet. In einem Workshop werden wir diese Mitarbeiter in nächster Zeit ausbilden.» In der Startphase werden jeweils zwei Personen die Untertitelung erledigen: ein interner Mitarbeiter sowie jemand aus dem Pool. «Wir möchten diese Arbeit nicht ganz aus den Händen geben. Die Nachrichten sind ein wichtiger Teil unseres Produktes, und über dieses möchten wir die Kontrolle behalten. Auch die Qualitätskontrolle ist wichtig», begründet dies Gerussi. Diese Arbeit an eine externe Firma zu geben, kam denn auch nie in Frage.

Ab 17 Uhr werden die Zweierteams die Nachrichten unter­titeln. Viele Fernsehbeiträge werden allerdings erst kurz vor der Sendung fertiggestellt. Ab 19 Uhr müssen die Untertitel bereit sein. «Die Zeit ist knapp. Das setzt einen schon auch unter Druck», erklärt Gerussi. Wie andere TV-Sender habe auch Tele 1 den Aufwand zuerst etwas unterschätzt, so Gerussi. «Aber das wird sich mit der Zeit gut einspielen.»

Die Pflicht zu Untertiteln beschränkt sich nur auf die Wiederholung der Hauptinformationssendung. Livesendungen sowie auch andere Formate sind davon ausgenommen. Laut Gerussi ist nicht geplant, weitere Sendungen zu untertiteln. Finanziert wird der gesamte Mehraufwand über die Empfangsgebühr, sprich aktuell noch die Billag-Gelder. Diese Gelder werden während der ganzen Konzessionsdauer der Regionalsender garantiert. Der Bund hat insgesamt 2,5 Millionen Franken dafür budgetiert, wie das Bakom auf Anfrage mitteilt. Damit können vorderhand die gesamten Mehrausgaben der Redaktionen finanziert werden.

Der Gehörlosenverband SGB-FSS geht von ungefähr 10000 vollständig gehörlosen Personen in der Schweiz aus.

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

«Die Zeit ist knapp, das setzt einen unter Druck.»

Adriano Gerussi

Chefredaktor Tele 1


Leserkommentare

Anzeige: