Tötungsdelikt Hohenrain: Hohe Haftstrafen gefordert

LUZERN ⋅ Fast acht Jahre lang wurde ermittelt. Heute nun ist es so weit: Die Verantwortlichen für den Tod eines Bauernpraktikanten in Hohenrain stehen vor Gericht.

14. März 2017, 00:00

Was in den frühen Morgenstunden des 8. August 2009 geschah, ist in dieser Form im luzernischen Seetal beispiellos. Ein junger Mann, gerade mal 24 Jahre alt, wird auf offener Strasse erstochen. Er stirbt an Ort und Stelle. Wie konnte es dazu kommen? Diese Frage hat Polizei und Staatsanwaltschaft lange beschäftigt. Inzwischen ist der Tatablauf so weit klar, dass heute vor dem Kriminalgericht Luzern gegen drei mutmassliche Täter Anklage erhoben wird. Wegen vorsätzlicher Tötung und Angriffs.

Rückblick: Es ist ein Freitag, als in der Zanolla-Halle in Hochdorf das Seetaler Barfestival über die Bühne geht. Einer der heute Beschuldigten, ein damals 18-jähriger Serbe, fällt den Sicherheitsleuten von Beginn weg durch seine provozierende Art auf. Auch eine Gruppe von Brasilianern feiert. Die meisten von ihnen sind wegen eines Landwirtschaftspraktikums in der Schweiz. Einer hat ein Velo dabei, und nachdem die Gruppe gegen 1.30 Uhr die Halle verlässt, dreht er damit ein paar Runden. Aus dem Nichts heraus wird er von einem jungen Mann getreten, sodass er vom Fahrrad fällt. Der Sicherheitsdienst interveniert sofort, bevor es zu einer Eskalation kommt. Wenige Minuten später allerdings entwickelt sich zwischen den brasilianischen Freunden des späteren Opfers und einer rund 15 Personen umfassenden, balkanstämmigen Gruppe eine wüste Schlägerei. Einer der späteren Täter holt sich eine blutige Lippe. Dann setzt der Sicherheitsdienst Pfefferspray ein und trennt die Kontrahenten.

Bewaffnet mit Messer, Hammer und Pfefferspray

Zwei der späteren Täter beobachten das Ganze aus der Distanz. Aufgewühlt stösst der junge Serbe zu ihnen. Er will sich für den Schlag ins Gesicht rächen – also verfolgen die drei Männer die Gruppe Brasilianer in Richtung Hohenrain. Bevor sie in den BMW steigen, holt einer von ihnen, ein 27-jähriger Mazedonier, seinen Arbeitsgurt mit einem Gerüstbauhammer und einem gelben Messer aus dem Kofferraum. Der Dritte im Bunde, ein 23-jähriger Kosovare, bewaffnet sich mit einem Pfefferspray und einem weiteren Messer. Kurz nach der Kreuzung auf der Hohenrainstrasse sind sie in Reichweite ihrer Gegner. Der Serbe rennt als Erster auf die Gruppe zu. Das spätere Opfer lässt sein Velo fallen und versucht – wie die anderen – in Richtung Wiesland zu fliehen. Es gelingt ihm nicht. Die Brasilianer bekommen als Erstes eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht. Während der Mazedonier einen der Jungs zu Boden reisst und mit dem Hammer auf ihn einschlägt, gelingt es zwei anderen, sich zu verstecken. Das spätere Opfer aber wird umzingelt. Ob es der Mazedonier oder der Kosovare ist, der schliesslich zusticht, lässt sich bis heute nicht sagen. Aber plötzlich ist da sehr viel Blut. Der junge Mann schafft es, über die Strasse auf die Wiese zu laufen, wo er sich auf den Rücken legt. «Die haben mich gestochen», sagt er noch, bevor er das Bewusstsein verliert. Der verständigte Rettungsdienst kann nur noch seinen Tod feststellen.

Derweil fliehen die Täter nach Hitzkirch. In der Wohnung des einen Täters wechseln sie die Kleider, der Mazedonier schneidet sich die schulterlangen Haare ab – die Überreste entsorgt er im WC. Alle Daten, die sie mit der Tat in Verbindung bringen könnten, werden vom Handy gelöscht. Noch in der Nacht fahren sie zu ihrem Arbeitsort und werfen die Waffen in eine Alteisenmulde – deren Inhalt wird geschreddert.

Die Staatsanwaltschaft wird für den Serben, der die Tat angezettelt hatte, wegen Angriffs eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren beantragen. Die beiden Mittäter sollen zusätzlich wegen vorsätzlicher Tötung oder wegen Teilnahme an einer solchen verurteilt werden. Sie sollen – je nach Einschätzung des Gerichts – sechs oder zehn Jahre ins Gefängnis. Bei dem Mazedonier wird ein zusätzliches Jahr wegen häuslicher Gewalt beantragt.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch


Login


 

1 Leserkommentar

Anzeige: