Velodiebstahl – Walker verhaftet

LUZERN ⋅ Der ehemalige Erstfelder Barbetreiber ist am Mittwoch in Luzern verhaftet worden. Mit einem Luzerner Komplizen ist Walker in ein Velogeschäft in Schenkon eingebrochen. Er ist geständig.
08. April 2017, 00:00

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

1692 Tage sass Ignaz Walker bereits in Untersuchungshaft. Dies, weil er im Januar 2010 auf einen Holländer geschossen und im November desselben Jahres einen Auftragskiller auf seine Frau angesetzt haben soll (unsere Zeitung berichtete). Ende September 2015 schliesslich wurde Walker aus der U-Haft entlassen. Ein rechtskräftiges Urteil gegen ihn liegt noch nicht vor. Nun kommen jedoch weitere Tage hinter Gitter hinzu. Seit Mittwoch befindet sich Walker erneut in U-Haft im Gefängnis Grosshof in Kriens.

Der 48-Jährige wurde wegen eines Einbruchdiebstahls von der Luzerner Polizei festgenommen, wie Mediensprecher Urs Wigger auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Weitere Angaben dazu könnten aufgrund der laufenden Untersuchung keine gemacht werden. Unsere Zeitung weiss aus verlässlichen Quellen, was sich zugetragen hat: Walker wird beschuldigt, am frühen Mittwochmorgen zusammen mit einem 25-Jährigen aus dem Kanton Luzern in ein Velogeschäft in Schenkon eingebrochen zu sein.

Drei Velos und zwei Bolzenschneider im Auto

Die Tat soll sich folgendermassen abgespielt haben: Mit einer Leiter gelangten sie zum Obergeschoss des Lokals, wo sie die Scheiben einschlugen und sich so Zutritt verschafften. Wahrscheinlich durch den Alarm aufgeschreckt, verliessen die beiden mit dem Diebesgut das Lokal und fuhren los. Wenig später wurden Walker und sein Komplize im Raum Sempach von einer Polizeipatrouille angehalten. Im Laderaum des Ford Transit fanden die Polizisten drei Fahrräder und einen Bolzenschneider. Eine Überprüfung ergab zudem, dass am Auto – einem Mietwagen – ein als gestohlen gemeldetes Luzerner Nummernschild angebracht war.

Anders als bei den Vergehen, die Walker im Kanton Uri angelastet werden und bei denen er bis heute seine Unschuld beteuert, hat der ehemalige Erstfelder Barbetreiber den Einbruchdiebstahl in Schenkon von Anfang an gestanden. Dennoch gilt die Unschuldsvermutung. Der geschädigte Inhaber und Geschäftsführer des betroffenen Velogeschäfts in Schenkon wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht äussern.

Linus Jaeggi, der Verteidiger von Walker, will den Vorfall nicht verharmlosen, wirbt aber auch für Verständnis. «Walker sass über vier Jahre in Haft, einen grossen Teil davon mutmasslich unschuldig. Dass eine solche Erfahrung einen Mann schwer traumatisiert, liegt auf der Hand.»

Walker wurde im September 2013 vom Urner Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Im April 2016 reduzierte das Gericht das Strafmass anlässlich einer Neubeurteilung auf 28 Monate. Im Fall seiner Ex-Frau resultierte ein Freispruch, die Schüsse auf den Holländer wertete das Gericht als Gefährdung des Lebens und nicht mehr als versuchte Tötung. Der Fall liegt derzeit wieder beim Bundesgericht.

Ohne Betreuung und Geld in der Freiheit

Walker fehle es auch an Betreuung, so Jaeggi. Eigentlich werde man auf eine Haftentlassung vorbereitet und eng begleitet. Walker sei aber nach über vier Jahren einfach in die Freiheit entlassen worden. Ausserdem sei er im Moment vollkommen mittellos. «Offenbar war Walker innerlich so blockiert, dass er sich nicht in der Lage sah, Hilfe anzufordern, die ihm eigentlich zustünde.» Die Tat, welcher Walker jetzt verdächtigt wird, müsse man relativieren, so Jaeggi. Es sei zwar nicht in Ordnung, drei Velos zu klauen, auch nicht, wenn man in Geldnot stecke, «mit den im Kanton Uri erhobenen Vorwürfen ist die Tat jedoch nicht zu vergleichen».

«Walker sass über vier Jahre in Haft, einen grossen Teil davon mutmasslich unschuldig. Dass eine solche Erfahrung schwer traumatisiert, liegt auf der Hand.»

Linus Jaeggi

Verteidiger von Ignaz Walker


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