Der Vater

«Ade, Herr Marti»

06. Dezember 2017, 00:00

Meine achtjährige Tochter hat entschieden, dass sie heuer einletztes Mal den Besuch des Samichlaus wünscht. Sie grübelt seit einigen Wochen, wer der Samichlaus eigentlich genau ist. Der wunderbare Disney-Film «Polarexpress» sorgte schon für Verwirrung, denn ich musste ihr erklären, dass bei uns der Samichlaus nicht etwa dem Weihnachtsmann gleichzustellen ist, sondern dass bei uns das Christkindli die Weihnachtsgeschenke unter den Baum legt. Oder? Jetzt bin ich mir selber nicht mehr ganz sicher.

Das Töchterchen wundert sich auch, wieso ihr einige ältereKolleginnen im Schulhaus erzählt haben, sie seien dieses Jahr Wichtel und kämen dann in Begleitung des Samichlaus zu ihr nach Hause. Die Konfusion ist nun komplett, seit ich letztens mit der Tochter im Coop einkaufen ging und sie plötzlich rief: «Papa, schau mal, der Coop hat dieselben Säckli mit den Nüssen und dem Lebkuchen, die der Samichlaus mir jeweils bringt.» «Unser» Samichlaus kann sich also auf ein ganz hartnäckiges Verhör gefasst machen: «Samichlaus, du liebe Maa, leg dech besser ganz warm aa ...»

Amüsant war es schon damals mit der älteren Tochter. Sie hatte auf dem Esstisch das Formular für die Samichlaus-Bestellung mit dessen Adresse entdeckt. Am Abend des Samichlaus-Besuches liess sie seelenruhig den Samichlaus aus seinem dicken Buch vorlesen.

Als der Mann mit dem weissen Bart und dem roten Mantel seinen Wälzer zuschlug und sich mit tiefer Stimme und salbungs­vollen Worten verabschiedete, sagte meine Tochter trocken: «Ade, Herr Marti.»

Fehlt nur noch, altershalber in der Mitte, mein Sohn. Auch er weiss inzwischen Bescheid. Und möchte dem Samichlaus trotzdem diesen Witz erzählen: «Der Samichlaus, ein ehrlicher Politiker und ein Radprofi, der nie gedopt hat, sehen auf der Strasse einen 100-Euro-Schein liegen. Wer hebt das Geld heimlich auf? Der Samichlaus natürlich – weil es die anderen beiden in Wirklichkeit gar nicht gibt.»

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch


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