Asiatische Velos müssen draussen bleiben

STADT LUZERN ⋅ Mit Hunderten Drahteseln wollten Start-ups aus Asien den Luzerner Mietvelomarkt aufmischen. Daraus wird vorerst nichts: Der Stadtrat verweigert die Bewilligung.
29. November 2017, 00:00

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Hunderte von Velos standen schon fast bereit, als der Luzerner Stadtrat im Sommer in letzter Minute den Riegel schob: Die Firma O-Bike aus Singapur dürfe doch keine Mietvelos auf öffentlichen Plätzen der Stadt aufstellen, hiess es (wir berichteten).

Das Konzept von O-Bike sieht vor, dass man ein Leihvelo per App reservieren und nach Gebrauch an einem beliebigen Ort wieder abstellen kann. Dies sei ein übermässiger Gebrauch des öffentlichen Raums und benötige eine Bewilligung, erklärte der Stadtrat. Zwar betonte er, man wolle zusammen mit O-Bike die Kriterien für eine Zulassung erarbeiten. Doch jetzt ist klar: Es wird noch lange dauern, bis ein Veloverleih eine offizielle Lizenz für Luzern erhält. Zuerst wolle man bis 2018 ein Veloförderungskonzept ausarbeiten, so der Stadtrat. Darin soll auch der Umgang mit Mietvelos geregelt sein. Vermutlich wird es auf eine öffentliche Ausschreibung der Lizenzen hinauslaufen. Eine solche könnte frühestens 2019 erfolgen, erklärt der Luzerner Stadtrat Adrian Borgula.

Nextbike wird vorerst geschont

Nun ist es ja nicht so, dass es in Luzern keine Mietvelos geben würde. Mit dem von der Caritas betriebenen Nextbike gibt es bereits ein öffentliches Verleihsystem, das von der Stadt gefördert wird, indem die Benutzung für die Einwohner gratis ist. Die Stadt lässt sich diesen Service rund 60000 Franken pro Jahr kosten. Die Nutzerzahlen steigen rasant: Gab es vor einem Jahr einige Dutzend registrierte Nutzer in der Stadt, so sind es inzwischen rund 2200. Dennoch ist Nextbike noch nicht ausgelastet. Der Stadtrat will in diesem Aufbaustadium offensichtlich keine Konkurrenz für das Gratisangebot. Die Caritas begrüsst in einer Mitteilung denn auch den Entscheid des Stadtrats. Sollte es 2019 zu einer öffentlichen Ausschreibung kommen, wird wohl nur ein Bewerber zum Zug kommen. Dass mehrere Firmen die Zulassung erhalten, ist unwahrscheinlich. «Die Platzknappheit spricht eher für einen Bewerber», so Borgula. Möglich wäre allerdings eine Art «Arbeitsteilung», bei der eine Firma nur Elektro­velos anbietet und eine andere nur «normale» Velos.

Für Nextbike spricht vor allem, dass die Velos an fixe Standorte gebunden sind. Bei O-Bike wären die Velos an beliebigen Orten in der Stadt abgestellt worden. Es war denn auch in erster Linie die Angst vor wilden Velo-Parkings, die den Stadtrat die Notbremse ziehen liess. Vermutlich wird die Standortgebundenheit ein entscheidendes Kriterium für Bewerber sein. «Dank der punktgenauen GPS-Ortung eines Leihvelos ist der jeweilige Parkierungsort feststellbar. Dies würde auch das Festlegen von möglichen Parkierungs- oder Sperrflächen erlauben», sagt Adrian Borgula. Die Firma wäre dafür verantwortlich, dass sich die Nutzer an die vereinbarten Parkflächen halten.

Eine weiterer Streitpunkt ist die Zahl der Velos. Neben O-Bike haben noch zwei andere Firmen Interesse in Luzern angemeldet, darunter Ofo-Bike aus China. Der Stadtrat spricht von total 1200 potenziellen Mietvelos. Zum Vergleich: Nextbike bietet zurzeit 200 Velos auf Stadtgebiet. Sollte die Zahl der Mietvelos steigen, müssten auch die heute sehr raren Velo-Parkplätze in der Stadt ausgebaut werden. Auch diese Frage soll im erwähnten Veloförderungskonzept geklärt werden. Obwohl die Verhandlungen mit O-Bike vorerst gescheitert sind, sieht Borgula auch eine positive Seite darin. Der Kontakt mit dem Bewerber sei «durchaus konstruktiv» gewesen. Man habe daraus wichtige Rückschlüsse für ein späteres Bewilligungsverfahren erhalten.


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