Bald gibt’s den Dr. auch an der Hochschule

BILDUNG ⋅ Den Doktortitel kann man nur an einer Universität erwerben – bis jetzt. Dank einer Kooperation mit der Uni Luzern sollen künftig auch Studenten der Hochschule und der Pädagogischen Hochschule promovieren können.
12. Mai 2017, 00:00

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Im Bereich des Doktorats wollen die Universität Luzern, die Hochschule (HSLU) und die Pädagogische Hochschule (PH) zusammenarbeiten. Dies teilten die drei Institutionen gestern in einem gemeinsamen Schreiben mit.

Hintergrund ist die Tatsache, dass das Recht, Doktortitel zu verleihen, den Universitäten vorbehalten ist. Das Projekt «Campus Luzern» soll es der HSLU und der PH nun ermöglichen, gemeinsam mit der Universität Promotionen durchzuführen. Das Projekt wird von Swissuniversities, der Rektorenkonferenz aller Schweizer Hochschulen, bis 2020 mit rund 400000 Franken unterstützt. Es ist eines von elf Projekten, die auf diese Weise durch Bundesgelder unterstützt werden.

Wirtschaftsstudenten sollen profitieren

Wer aber kann und soll von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch machen? Gemäss Mitteilung richtet sich das Angebot vor allem an Studenten von gemeinsamen Disziplinen. Konkret: den Wirtschaftswissenschaften und den Kultur- und Sozialwissenschaften. «Genau wie die Universitäten verfügen auch Fachhochschulen über Forschungsinstitute», sagt Viktor Sigrist, Direktor des Departements Technik und Architektur der HSLU. «Dort werden immer wieder Themen und Fragestellungen bearbeitet, die promotionswürdig sind. Die Kooperation mit der Uni ermöglicht diesen Studierenden nun, diesen Weg zu gehen, ohne sich an einer anderen Universität, möglicherweise im Ausland, einschreiben zu müssen.» In der Praxis bedeutet dies, dass Promovierende der Hochschulen zwar an der Uni eingeschrieben sind, zumindest einen Teil ihrer Forschungsarbeit aber im gewohnten Umfeld der Hochschule durchführen können.

«Besondere Talente gezielt fördern»

Bedeutet dies aber letztlich einen einfacheren Weg zum Doktortitel für Absolventen der Hochschulen? Martin Baumann, Prorektor Forschung an der Uni Luzern, verneint dies entschieden: «Es gibt sicherlich keinen Doktor light.» Die Qualitätssicherheit der Arbeiten müsse gegeben sein, weshalb Fachhochschulstudenten auch gewisse akademische Leistungen aufholen müssen. Viktor Sigrist ergänzt: «Es geht der HSLU mit Bestimmtheit nicht darum, möglichst viele Doktoranden herauszupressen. Es geht aber darum, besondere Talente gezielt zu fördern.» Laut Sigrist kämen zwischen 2017 und 2020 10 bis 20Personen für eine Promotion auf diesem Wege in Frage. «Die Hauptaufgabe der HSLU wird aber auch weiterhin die Ausbildung von Bachelor-Absolventen sein.» Auch bei der Pädagogischen Hochschule werde es nicht sprunghaft mehr Promovierte geben: «Die Kooperation bezieht sich für die Doktoranden, die an der PH Luzern in der Forschung arbeiten, vor allem auf das Angebot von überfachlichen Forschungsmethoden», sagt Werner Wicki, Prorektor Forschung und Entwicklung an der PH. Das wiederum ist auch im Sinne der Uni: «Die Kooperation soll nicht zuletzt auch den Austausch zwischen den Professoren und Professorinnen fördern», sagt Martin Baumann.

Lang gehegter Wunsch der Fachhochschulen

Toni Schmid ist Geschäftsführer von FH Schweiz, dem Dachverband der Absolventen der Fachhochschulen. «Das Projekt in Luzern ist ein sehr guter erster Ansatz», sagt er. Längerfristig fordert der Verband, dass Fachhochschulen in einer eigenen Form den Doktortitel sprechen können. «Wir sind überzeugt, dass eine solche dritte Ausbildungsstufe – nach Bachelor und Master – gerechtfertigt ist und das eigenständige Profil stärkt.»

In Deutschland kam es im Herbst 2016 zur Wende im Promotionsrecht: Die Fachhochschule in Fulda darf als erste des Landes den Doktortitel verleihen. In Luzern begnügt man sich noch mit der aktuellen Lösung: «Es ist das, was derzeit vernünftigerweise möglich und umsetzbar ist», sagt Sigrist von der HSLU. «Gerade für unseren Bereich Technik wäre eine Zusammenarbeit mit der ETH natürlich besonders interessant», sagt Sigrist mit Blick in die Zukunft.

«Es gibt sicherlich keinen Doktor light.»

Martin Baumann

Prorektor Forschung Uni Luzern


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