Bei Oliven, Joghurt und Eiswürfel ist Vorsicht geboten

LUZERN ⋅ Mehr als 90 Prozent der kontrollierten Lebensmittel sind unbedenklich. Die zuständige Dienststelle hat aber auch grobe Mängel festgestellt. Und ein jetzt schon grosses Problem wird sich in den nächsten Jahren stark akzentuieren.
12. Mai 2017, 00:00

Mehr als 6600 Proben hat die Dienststelle Lebensmittelkon­trolle und Verbraucherschutz im letzten Jahr untersucht. Knapp 600 davon mussten beanstandet werden, wie die Dienststelle mitteilt. Diese Beanstandungsquote von 8,9 Prozent entspricht in etwa der gleichen wie 2015 – und sie sei im landesweiten Vergleich «ein guter Wert», sagt Kantonschemiker Silvio Arpagaus.

Verändert – und zwar negativ – hat sich die Beanstandungsquote bei den Eiswürfeln. Weil schon 2015 fast ein Viertel der kontrollierten Würfel mangelhaft war, fokussierte die Dienststelle im letzten Jahr noch eingehender auf den Unterhalt von Eismaschinen und den hygienischen Umgang mit Eiswürfeln. Mit einer Beanstandungsquote von 33 Prozent (siehe Tabelle) fiel das Resultat erneut unbefriedigend aus. Die Folge: «Wir werden heuer noch weitergehende Kontrollen durchführen», kündet Silvio Arpagaus auf Anfrage an. Intensiver geprüft würden auch Restaurants, wo die mikrobiologische Untersuchung von Oliven in mehr als der Hälfte der Proben Mängel zeigte. Bei der Lebensmittelkontrolle arbeiten rund 30 Personen. Die eine Hälfte arbeitet im Labor, die andere führt Kontrollen durch.

Onlinehandel bereitet Dienststelle Sorgen

Die Arbeit geht den Kontrol­leuren und Laboristen auch aus einem anderen Grund nicht aus: Der Onlinehandel mit Lebensmitteln nimmt stark zu. Arpagaus rechnet bis 2022 mit einer Verdoppelung des heutigen Anteils von rund 5 auf über 10 Prozent.

Wie unbefriedigend die Situation ist, zeigt sich am Kontrollresultat des letzten Jahres: 15 der 17 untersuchten Proben mussten beanstandet werden. Die Mehrheit deshalb, weil Lebensmittel illegalerweise als Heilmittel angepriesen wurden oder der Anschein erweckt wurde, dass sie zur Behandlung oder Heilung einer Krankheit geeignet sind. Damit würden die Konsumenten bewusst getäuscht, heisst es im Jahresbericht der Dienststelle.

Mängel wurden auf allen elf kontrollierten Webseiten fest­gestellt. Das sei teilweise darauf zurückzuführen, dass die kontrollierten Seiten bereits im Vorfeld als verdächtig beurteilt wurden. In einem Produkt wurden zudem in der Schweiz verbotene Zutaten festgestellt – solche, die in Kosmetika erlaubt sind, nicht aber in Lebensmitteln. Das importierte Produkt wurde beschlagnahmt.

2018 wird europaweit kontrolliert

Laut Silvio Arpagaus stehen seine Mitarbeiter vor einer schwierigen Aufgabe. So sei der Aufwand für Kontrollen im Internet gross, da die Verantwortlichen oft schwer ermittelbar und belangbar seien. Ausserdem seien die rechtlichen Mittel beschränkt, und es sei schwierig, gegen aus dem Ausland angebotene Ware vorzugehen. Aufgrund der hohen Beanstandungsquote und wegen des grossen Gefährdungspotenzials seien jedoch weitere Kon­trollen nötig. So wird die Luzerner Dienststelle im kommenden Jahr beispielsweise auch an einer europaweit koordinierten Kon­trollkampagne teilnehmen.

Neben der Prüfung von Lebensmitteln nahmen die Kontrolleure im letzten Jahr auch 1650 Inspektionen in Gewerbe-, Handels- und Verpflegungsbetrieben sowie in Trinkwasserversorgungen vor. Diese Inspektionen finden unangemeldet und stichprobenartig statt. Führt eine Kontrolle zu einem unbefriedigenden Resultat, verkürzt sich der Zeitraum bis zur nächsten. In über 90 Prozent der Betriebe sind gute bis sehr gute Verhältnisse festgestellt worden. Bei 121 Betrieben wurden grössere Mängel festgestellt – sie werden häufiger kontrolliert.

Die Dienststelle kann auch Rückrufe verfügen. So passiert im letzten Jahr bei Käse, in dem Glassplitter festgestellt wurden. Oder bei einem Fasnachtskostüm für Kinder, das als zu leicht brennbar beurteilt wurde. (nus)

www. Den ganzen Bericht der Lebensmittelkontrolle finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/bonus

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